Flötenklänge aus der Steinzeit, gehört in Jena

Hans Lehmann
 Elizaveta Birjukova hat das Jenaer Publikum begeistert

Elizaveta Birjukova hat das Jenaer Publikum begeistert

Foto: Privat

Jena.  Interessante musikalische Zeitreise mit Elizaveta Birjukova im Jenaer Atelierkonzert

Die Flötistin Elizaveta Birjukova bot im 82. Atelierkonzert der Künstlerischen Abendschule auf fünf Flöten einen interessanten Musikabend. Man staunte, als sie mit einer Knochenflöte aus der Steinzeit begann. Teile des zirka 35.000 Jahre alten Instrumentes hat man in der schwäbischen Alb bei Ausgrabungen entdeckt. Peter Helmut Lang arrangierte dazu „Klangfügungen“ auf dem Tonband im Zusammenwirken mit der Flötistin. Dem Beginn einer Zeitreise mit tonalen Reflexionen und archaisch anmutender Klanglichkeit folgte eine Fantasie e-Moll auf der barocken Traversflöte vom Universalmeister Telemann. „Seul avec des ombres“ für Altflöte von Charlotte Seither (*1965) bot zugleich Einblicke in neueste moderne Ausdruckswelten, ehe die Flötistin mit acht Stücken von Paul Hindemith an einen der Wegbereiter des musikalisch Neuen erinnerte.

Vor der Pause, während der die Besucher beim Betrachten des Instrumentariums mit der Musikerin ins Gespräch kamen, musizierte sie noch auf dem Traverso „Echos“ von Jaques-Martin Hotteterre (1671–1763), höchst modern wirkender Barock.

Die „Syrinx“ von Claude Debussy für Altflöte, das weltweit bekannteste Stück des Abends, war Auftakt des zweiten Programmteiles. Danach wieder musikalische Zeichen aus unserer Zeit, ob von Salvatore Sciarrino „Hermes“ oder Knut Müller „Divides ans rejoines“ für Flöte und elektronisches Zuspiel. Zum spannenden Höhepunkt gedieh „Horizont L“, sechs Klangkarten zu einem Choral von Hildegard von Bingen, zum einen für das unbekannte elektronische Blasinstrument EWI und für Bass-Querflöte. Die Komponistin Agnes Ponizil widmete es Elizaveta Birjukova.

Die Sonate Appassionata in fis -Moll op. 140 von Sigfrid Karg-Elert auf der Altflöte beschloss den ungewöhnlichen Abend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird aufgrund seiner Vielseitigkeit mit vielem Unbekannten, Zeitreise pur.