Freunde der Literatur in Jena verlieren eine markante Stimme

Jena.  Der Jenaer Literaturkritiker, Autor und Vortrags-Referent Günter Gerstmann ist tot.

Günter Gerstmann, Buchautor, Literaturkritiker und Vortragsreferent, ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Günter Gerstmann, Buchautor, Literaturkritiker und Vortragsreferent, ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Foto: Michael Groß

Günter Gerstmann ist am Freitagabend im Alter von 87 Jahren verstorben. Er war ein echter Freund der Buches – des anspruchsvollen Buches. In zahlreichen Beiträgen hat er in unserer Zeitung über Bücher und deren Autoren geschrieben, hat sie als Literaturkritiker klug analysiert, viel gelobt, nicht zu knapp gescholten und dabei oft seinen spitzen Humor aufblitzen lassen, so wie auch ich ihn kennen und schätzen lernen durfte.

Die Spuren des studierten Germanisten mit niederschlesischen Wurzeln sind vielfältig. Er widmete sich in seinem Schaffen als Autor vor allem bedeutsamen Persönlichkeiten der Literatur von gestern und heute. So war er Autor und Herausgeber von Büchern über die DDR-Schriftsteller Armin Müller und Hanns Cibulka sowie über Gerhart Hauptmann. Er schrieb aber auch den Text zum Bildband „Thüringer Land“, der in mehreren Auflagen erschienen ist. Er hat sich zudem als Rezensent neu erschienener regionaler Literatur aus Thüringer Verlagen einen Namen gemacht. Ebenso als Referent von Vorträgen, als Kenner der Literatur- und Heimatgeschichte und als Autor vieler Zeitungsbeiträge, zum Beispiel zum Wirken von Gerhart Hauptmann und seines unbekannteren, aber in den Augen von Gerstmann ebenso beachtenswerten Bruders Carl Hauptmann. Auch der lange Zeit in Jena lebenden Schriftstellerin Ricarda Huch widmete sich Gerstmann in Artikeln und Vorträgen.

Dabei hatte Gerstmann einige Klippen in seinem Leben zu meistern. Kurz vor Studienabschluss wurde er Anfang der 1960er Jahre von der DDR-Justiz zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe wegen angeblich staatsgefährdender Machenschaften verurteilt. Im Jahre 1965 kam er dann nach Jena. Manche Jenaer kennen ihn vielleicht noch aus den 1970-er Jahren als Redakteur des beliebten Heftes „Jena-Information“. Schon damals erwies er sich als aufmerksamer Beobachter der Literaturszene und blieb es bis ins hohe Alter. Wohl nicht nur ich werde ihn vermissen.