Für die AfD ist Jena „das härteste Pflaster“ in Thüringen

Jena  Tosca Kniese und Denny Jankowski treten links und rechts der Saale als Direktkandidaten bei der Landtagswahl an

Die AfD-Politiker Tosca Kniese  und Denny Jankowski treten in den Wahlkreisen 38 und 37 als Direktkandidaten an. 

Die AfD-Politiker Tosca Kniese  und Denny Jankowski treten in den Wahlkreisen 38 und 37 als Direktkandidaten an. 

Foto: Thorsten Büker

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Warum Jena? Dass die Alternative für Deutschland (AfD) mit Tosca Kniese eine Frau aus dem fernen Eisenach im heimische Wahlkreis 38 ins Rennen schickt, ist natürlich eine Ansage. „Jena gilt neben Weimar als härtestes Pflaster in Thüringen“, sagt Kniese über ihre Direktkandidatur. Nach dem Rückzug von Wiebke Muhsal aus der Landespolitik habe die AfD beide Wahlkreise links und rechts der Saale besetzen wollen. Neben Kniese, die seit 2016 Mitglied im Landesvorstand ist, tritt Denny Jankowski im Wahlkreis 37 an. Dass beide auf den aussichtsreichen Listenplätzen 3 und 4 stehen, lässt den Einzug in den neuen Thüringer Landtag realistisch erscheinen.

Dass Jena ein hartes Pflaster ist, registrieren sie fast täglich: Es gibt keinen Stand der AfD in der Innenstadt, der nicht von Gegendemonstrationen begleitet wird. Unrühmlich Höhepunkt sei der vergangene Freitag gewesen, als Unbekannte Jankowskis Auto nahezu entglast hätten. „Wir haben Meinungsfreiheit“, sagt Jankowski und kritisiert zugleich, dass Thüringens Innenminister Polizisten beim AfD-„Flügel“ mit Konsequenzen drohe.

Jankowski trat wenige Wochen nach der Gründung der AfD im Mai 2013 in die Partei ein. Sie versprach frischen Wind und wollte verkrustete Strukturen aufbrechen. Erst später sollte erbittert um die Hoheit innerhalb der AfD gestritten werden, der von Bernd Lucke geführte wirtschaftsliberale Flügel lag im Clinch mit dem nationalkonservativen Flügel, den unter anderem Frauke Petry vertrat. Das Ergebnis ist bekannt.

Er, der in Wolfen geboren wurde, ist ein Einzelkind, wuchs in einem kleinen Dorf unweit von Bitterfeld auf und absolvierte nach der Schule eine Lehre zum Anlagenmechaniker. Nachdem er die Hochschulreife erlangte, studierte er Laser- und Optotechnologie. 2005 kam er nach Jena, studierte an der Fachhochschule und arbeitet heute als Prozessingenieur bei Jenoptik.

Tosca Kniese ist erst seit April 2016 bei der AfD. Sie nennt die „Flüchtlinkskrise“ als wesentliches Motiv für den Parteieintritt, den damals unkontrollierten Zuzug von Menschen, sagt sie. Dabei erwähnt sie nicht nur beiläufig, international aufgewachsen zu sein: Vom Schulbesuch und Studium in den USA und England bis hin zu dem Leben in einer WG, zu der damals auch ein junger Mann aus Libyen gehört habe. 2005 schloss sie ihr Studium als Diplom-Wirtschaftsjuristin (FH) ab, heute ist sie Gesellschafterin und Prokuristin in einem eigenen familiengeführten Unternehmen im Wartburgkreis. Beide bezeichnen sich als konservativ, gehören aber eigenen Angaben zufolge nicht dem rechtsnationalen „Flügel“ der AfD an, der zumindest zwischen westdeutschen und ostdeutschen Landesverbänden Chaos stiftet.

Kniese und Jankowski gelten als gemäßigt, distanzieren sich aber zumindest in der Öffentlichkeit auch nicht von den radikalen Kräften in der eigenen Partei.

Dass der Wahlkampf nach dem Terroranschlag von Halle nicht einfacher geworden sei, räumt Jankowski ein. Gleichzeitig warnt er davor, den Tod zweier Menschen zu instrumentalisieren – mehrfach ist in den vergangenen Tagen zu hören und zu lesen, dass die AfD eine Mitschuld habe.

Als Unternehmerin wird Kniese einen Schwerpunkt vor allem auf die Wirtschaftspolitik liegen. Und Jankowski sieht sich als Bildungs- und Familienpolitiker. Er betont, dass die Themen einander bedingen: die allgemeine Lebensuntauglichkeit und das schlechte Bildungsniveau vieler Menschen schadeten der Wirtschaft ebenso wie der Unterrichtsausfall an den Schulen. „Ohne eine gute Ausbildung hapert es auch in der Wirtschaft“, sagt Kniese. Beide erwähnen das gründerfreundliche Klima in Jena, erinnern aber auch an das Wahlprogramm der AfD: Darin geht es unter anderem um einen neu zu gründenden Thüringer Staatsfonds, der Unternehmensgründungen und -erweiterungen mit günstigem Risikokapital begleiten soll.

Was wird wahlentscheidend sein? Jankowski nennt kein Thema, kein typisches Jenaer Problem. Er macht vielmehr eine allgemeine Unzufriedenheit aus. Bei der Stadtratswahl sei die AfD mit einem Stimmenanteil von zehn Prozent hinter den Erwartungen geblieben. Bei der Europawahl habe man mit 12,7 Prozent abgeschnitten, etwas mehr sollten es zur Landtagswahl schon sein. Ohnehin glaubt er, dass die stark polarisierten politischen Lager vor großen Veränderungen stünden: „CDU und SPD gibt es bald nicht mehr. Der Wähler wird sich irgendwann zwischen zwei Blöcken entscheiden müssen: Linkes und grünes Lager und eben jene Kräfte, die sich rund um die AfD tummeln werden.“

Neben der Bildungspolitik bewege die Menschen im ländlichen Raum die „Klimahysterie“. „Es gibt einen Klimawandel. Er stellt sich nur die Frage, wie groß der Anteil der Menschen daran ist“, sagt Kniese. Sie plädiert für eine sachlichere Debatte. Selbst wenn die Bundesrepublik von heute auf morgen deindustrialisiert werde, würde es der Welt nicht helfen. „Wir müssen aufhören, gegen Autofahrer Krieg zu führen.“

Mit fünf Sitzen ist die AfD im Stadtrat vertreten. Dass CDU und FDP nicht jeden Antrag a priori verteufeln würden, sei gut, sagt Jankowski. Und natürlich werde man von den Linken eher nicht beachtet. Das aber hat etwas mit dem Jenaer Pflaster und einer Stadtratsmehrheit zu tun, die links von der CDU zu finden ist.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren