Futter für Insekten am Acker bei Jena

Thorsten Büker
| Lesedauer: 3 Minuten
Blühstreifen an Wegrändern. Projekt der Martin-Fischer-Stiftung. Im Bild: Ralph Wickler, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Gleistal Agrar, sowie Martin Fischer. 

Blühstreifen an Wegrändern. Projekt der Martin-Fischer-Stiftung. Im Bild: Ralph Wickler, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Gleistal Agrar, sowie Martin Fischer. 

Foto: Thorsten Büker

Jena.  Das Auge radelt mit: Martin-Fischer-Stiftung und Gleistal Genossenschaft realisieren eine 1,7 Kilometer lange Bienenweide am Saaleradweg

Das Auge radelt mit, findet der Stifter Martin Fischer. Und es freut sich über einen schmalen, bunten Blühstreifen zwischen Kunitz und Porstendorf, der das Maisfeld vom Saaleradweg trennt. Die Sonnenblumen überstrahlen derzeit alles.

Partner der Aktion ist die Gleistal-Agrargenossenschaft in Golmsdorf. Von ihr, so sagt es Fischer, hat man das Land gepachtet; über Spenden soll das Projekt teilweise refinanziert werden soll. Es geht um einen sechs Meter breiten Blühstreifen auf einer Länge von 1700 Metern entlang des Saale-Radwanderweges. „TopQuh heißt die Saatmischung, die als Bienenweide käuflich zu erwerben ist“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft, Ralph Wickler, und erwähnt die blütenreichen Honigpflanzen, die in der Mischung enthalten seien: unter anderem Alexandriner-klee, Phacelia, Blaue Lupine, Sonnenblumen, Futtererbsen, Serradella, Saatwicken, Wilde Malve, Borretsch, Dill und Ringelblumen.

„Kommen Sie mal näher“, ruft Fischer, der inmitten des Blühstreifens steht. Es kreucht und fleucht. Deutlich hörbar ist das Summen der Insekten.

Alle reden vom Artensterben, von bedrohten Lebensräumen und von fehlendem Umweltbewusstsein. „Der Leitspruch unserer Stiftung: Es gibt nichts Gutes: Außer man tut es! veranlasste uns, etwas dagegen zu tun“, sagt Fischer. Während die wunderbaren Blühstreifen am Radweg von Weimar nach Mellingen kaum zu toppen seien, sei das Thema in Jena bislang vernachlässigt worden. Die Landwirtschaft müsse neben der Ökologie auch auf ökonomische Aspekte achten, weshalb die Martin-Fischer-Stiftung die Fläche quasi angepachtet und diese Art der Nutzung der Gleistal Agrar e. G. vergütet habe. Mit den jetzt verwirklichten Blühstreifen auf einem Hektar seien die Stiftungsmittel erschöpft.

Es helfen auch kleine Beträge

Als Bienenweide bezeichnet man die Pflanzen, die viel Nektar und Pollen produzieren und somit eine ideale Nahrungsgrundlage für die Biene darstellen. Aber natürlich geht es nicht nur um Bienen, sondern auch um andere bestäubende Fluginsekten wie Hummel oder Schmetterling.

Martin Fischer ist an diesem heißen Montag mit dem E-Bike unterwegs: In einem Korb liegen Vorschlaghammer, Tafeln und mehrere Holzstangen. Wer das Projekt mit einer Spende von mindestens 150 Euro unterstützt, wird vor Ort namentlich auf den kleinen Tafeln benannt. „Diese Fläche wurde ermöglicht von Omi und Opi für Lovis und Yuna“ ist auf einer neuen Tafel zu lesen. „Es helfen aber auch kleine Beiträge“, sagt Fischer.

Wickler erklärt, dass es auch um das Image der Landwirtschaft gehe. Die Aktion entlang des Radweges sei sehr plakativ und überzeugend. Und weitere Projekte seien geplant beziehungsweise bereits umgesetzt worden. Wickler sagt, dass die Genossenschaft auf etwa neun Hektar Energieholz gepflanzt habe. Und in Sichtweite ist die Biogasanlage in Zwätzen, die man mit den Stadtwerken betreibe. Neben Grünpflanzen, Ziegenmist und Getreideschrot wird jener Mais dort eingesetzt, der auf den Feldern am Radweg wächst.

„Ein Zwiespalt bleibe“, sagt Wickler. „Wir müssen günstige Nahrungsmittel und Rohstoffe anbieten, Energie erzeugen und die Insekten retten. Wir müssen aber auch wirtschaftlich arbeiten.“ Die Genossenschaft bewirtschaftet rund 1300 Hektar Ackerland und 750 Hektar Grünland. Das Land gehört etwa 800 verschiedenen Besitzern aus der Region.

Näheres: martin-fischer-stiftung.de