Geheimnis der ewigen Jugend: Eine mexikanische Lurchart scheint es zu kennen

Jena  Sie sind die ältesten Labortiere der Welt. Wissenschaftler der Universitäten Regensburg und Jena ziehen Bilanz von 150 Jahren Forschung am Axolotl – eine Lurchart, die erstmals durch den Naturforscher Alexander von Humboldt nach Deutschland kam.

Ein Axolotl, aufgenommen im Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Foto: Jan-Peter Kasper/ FSU

Ein Axolotl, aufgenommen im Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Foto: Jan-Peter Kasper/ FSU

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Axolotl sind wundersame Wesen und die ältesten Labortiere der Welt. Der Schwanzlurch aus der Familie der Querzahnmolche scheint das Geheimnis ewiger Jugend zu kennen. Denn das Verblüffendste an ihm ist wohl die Tatsache, dass die Lurche ihr Leben lang im Larvenstadium verbleiben. Diese und weitere Eigenschaften des Lurchs machen ihn zu einem Forschungsobjekt par excellence. Wissenschaftler der Universitäten Regensburg und Jena haben nun in einer renommierten Fachzeitschrift die 150-jährige Geschichte der Axolotl-Forschung beschrieben.

Beteiligt waren der Biologiedidaktiker und Wissenschaftshistoriker Uwe Hoßfeld sowie der Zoologe Lennart Olsson von der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie der Wissenschaftshistoriker Christian Reiß von der Universität Regensburg, der in Jena mit einer Arbeit über das Axolotl promoviert wurde.

„Die ersten Axolotl brachte Alexander von Humboldt von seinen Forschungsreisen mit“, sagt Hoßfeld. Zunächst habe es sich um zwei präparierte Tiere gehandelt. Sie wurden als Larven einer noch unbekannten Spezies klassifiziert. Lebend kamen sie erstmals 1864 nach Europa. Eine französische Expedition hatte die 34 Tiere, deren einziges bekanntes Vorkommen im Seensystem im Tal von Mexiko liegt, nach Paris gesandt.

Empfänger war eine französische Gesellschaft, die gegründet worden war, um exotische Lebewesen in neue Lebensräume zu verpflanzen. Von Paris aus kamen die Axolotl sowohl in die Aquarien von Liebhabern exotischer Wesen als auch in die Labore der Wissenschaftler. Auf diese Weise entwickelte sich eine europäische und später globale Population, unabhängig von den Tieren in der mexikanischen Heimat.

Erstaunt nahmen Zoologen zur Kenntnis, dass Axolotl über eine nahezu perfekte Regenerationsfähigkeit verfügen: Im Versuch wuchsen abgetrennte Gliedmaßen vollständig wieder nach. Verblüffend war außerdem, dass manche Axolotl das Larvenstadium hinter sich ließen und an Land gingen. Die Mehrzahl der Tiere lebt jedoch aquatisch, das heißt, Axolotl verbringen ihr ganzes Leben im Wasser. „Offenbar würde das Verlassen ihrer Tümpel den Tieren keinen Vorteil verschaffen“, so Hoßfeld.

In Jena führte der Haeckel-Schüler Julius Schaxel ab 1918 Experimente mit Axolotls durch. Bis heute sind die Tiere – Nachfahren jener 34 aus Paris – beliebte Untersuchungsobjekte. Hingegen sieht es für ihre wilden Verwandten in Mexiko-City düster aus. Als 2014 eine Bestandsaufnahme gemacht wurde, konnte kein einziges lebendes Exemplar gefunden werden.

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