Geschäftsmodell Nervenkitzel: Das Programm zum Frühlingsmarkt in Jena

Jena  Christoph Meyer ist Schausteller in sechster Generation – er freut sich auf den Frühlingsmarkt

Schausteller Christoph Meyer an seinem Fahrgeschäft „Break Dance F1"

Schausteller Christoph Meyer an seinem Fahrgeschäft „Break Dance F1"

Foto: Dominique Lattich

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Mit einer großen Redbull-Dose in der Hand und einer dunklen Sonnenbrille auf der Nase sitzt Christoph Meyer lässig angelehnt auf einer Querstange seines Fahrgeschäftes. Der „Break Dance F1“ ist nur eines von drei Fahrgeschäften des Familienunternehmens „Meyer und Sohn“. Pünktlich zum Beginn des Frühlingsmarktes auf dem Eichplatz in Jena muss alles stehen.

Dem 32-Jährigen sind Märkte wie dieser am liebsten. „Ich mag keine Feste, bei denen das Trinken im Mittelpunkt steht. Da machen einige Leute einfach mehr Stress.“ Christoph Meyer spricht aus Erfahrung, denn er ist Schausteller in sechster Generation. „Eine Ausbildung ist dennoch wichtig“, sagt er und wünscht sich diesen Weg auch für seinen kleinen Sohn Charlie. „Wenn er einmal Schausteller werden will, kann er das tun. Aber erst kommt eine Ausbildung.“ Er selbst hat eine Lehre zum Metallfacharbeiter mit Schwerpunkt Fahrzeugbau absolviert. „Als Kind wollte ich immer bei Lego arbeiten, weil ich damit gern gespielt habe.“ Jetzt setzt er auch „Bausteine“ zusammen, teilweise sogar mit Hilfsmitteln wie einem Kran. Technik, die zur Gründungszeit des Familienunternehmens undenkbar war.

Die Weichen der Familiengeschichte stellte Karl Meyer im Jahr 1864. Statt elektrischer Anschlüsse, blinkenden Lichtern und Geschwindigkeiten, die den Magen gefühlt bis in die Zehenspitzen drücken, trieben Pferde ihr erstes Karussell an. „Er hat es bei einem Skat-Spiel gewonnen. Eigentlich war er Landwirt“, erzählt Meyer.

Die Geschwindigkeiten und Drehbewegungen heutzutage sind nicht jedermanns Sache, zumal andere Pferdestärken antreiben. „Im Jahr vertragen um die 30 Leute die Fahrt nicht ganz so gut“, umschreibt er. „Und ich würde mit dazu gehören, wenn ich mitfahren würde“. „Riesenrad und Achterbahn sind aber kein Problem.“ Die Probleme der Schausteller befinden sich auch eher in den Kassen und Akten.

Es sei ein harter Job. Körperlich schwere Arbeit bei Wind und Wetter. Von 9 bis 18 Uhr wird nach der Anreise das Geschäft aufgebaut, gesäubert und gewartet. Reinigen und warten müssen er und seine Mitarbeiter den „Break Dance“ jeden Tag aufs Neue, immer ab 9 Uhr. „Ab und zu müssen wir Sachen umbauen, weil es neue Verordnungen gibt“, sagt der Schausteller. Keine günstige Angelegenheit. Der letzte Umbau habe um die 100 000 Euro gekostet. „Versicherung, Platzgeld, Mindestlohn für Mitarbeiter, deren Unterbringung und Versorgung – all das kostet Geld.“ Da könne der Fahrpreis auch mal angezogen werden. „Wenn die Leute einen Einblick bekommen würden, könnten sie Preiserhöhungen vielleicht besser verstehen.“

Auf die Frage, ob er lieber einen anderen Weg eingeschlagen hätte oder gar sein Leben tauschen wöllte, wenn er könnte, sagt er: „Nö. Ich bin ganz zufrieden und kenne es ja auch nicht anders.“ Das Schaustellerleben habe auch viele schöne Seiten. „Man kommt viel in der Welt herum, ist immer an den spannendsten Tagen einer Stadt dabei und man lernt immer neue Leute kennen.“ Nicht zuletzt sei man viel an der frischen Luft.

Normalerweise schicken Schausteller ihre Bewerbungen an Festleitungen. Teilweise kommen die Veranstalter aber auch zu den Schaustellern. Neben dem „Breake Dance“ gehören die Fahrgeschäfte „Magic“ und „Playball“ zu den Attraktionen der Familie Meyer. Einige Male holt er auch den „Hungerturm“ und den „Löschturm“ auf die Feste. Während der Saison beschäftigt er um die 14 Mitarbeiter, während zur Weihnachtszeit etwa 30 Leute aushelfen, weil die Versorgungsstände mit im Einsatz sind.

Nach einigen Fotos am Fahrgeschäft setzt er seine Sonnenbrille wieder auf. „Jeder Break Dancer hat eine auf. Sieht cooler aus“, sagt er mit einem breiten Lächeln, und macht sich wieder an die Arbeit, damit pünktlich zum Frühlingsmarkt alles fertig ist.

Programm zum Frühlingsmarkt

Heute

  • 19 Uhr: Eröffnung mit Festbieranstich auf dem Marktplatz
  • 19.15 Uhr: Herr Schmidt und Band
  • 22 Uhr: Schmitt singt Jürgens - Die Udo Show
Samstag, 5. Mai
  • 11 Uhr: Klatschmohn - Damen-Salon-Trio
  • 14 Uhr: Show-Ballett Formel 1
  • 16 Uhr: Tempi Passati
  • 20 Uhr: Abba Revival
  • 22 Uhr: Feuerwerk
Sonntag, 6. Mai
  • 11 Uhr: Blasorchester Schott Jena & Adorabili
  • 13.30 Uhr: Dance Company Schnapphans
  • 15 Uhr: Blaskapelle Frischluftprojekt
  • 19.30 Uhr: Stern Combo Meissen
Montag, 7. Mai
  • 18 Uhr: Acoustic Vibrations
  • 20.30 Uhr: Best of FILMthuer
Dienstag, 8. Mai
  • 18 Uhr: Rockpirat
Mittwoch, 9. Mai
  • 10 Uhr: Familientag
  • 16 Uhr: Auftritt Kita „Bertolla“
  • 16.30 Uhr: Kasper Löffel und Onkel Moosbart feiern Geburtstag
  • 18.30 Uhr: Aika Akakomowitsch - Electropoppunk
  • 20 Uhr The Heimatdamisch
Donnerstag, 10. Mai
  • 11 Uhr: Fedora Fools – Pop meets Jazz
  • 16 Uhr: Brass Band BlechKlang
  • 20 Uhr: Ticvaniu Mare
Freitag, 11. Mai
  • 18 Uhr: Rudi Tuesday Band
  • 19 Uhr: Ladies Night
  • 21 Uhr: Midnight Skyracer
Samstag, 12. Mai
  • 11 Uhr: Multikulturelle Integrationsgruppe Jena
  • 14.30 Uhr: P – Seventy Show Dancers
  • 16 Uhr: Accordeon Effects
  • 17.30 Uhr: Iberoamerica präsentiert „BalkonZert“
  • 20 Uhr: Salsarueda
  • 21 Uhr: Son Del Nene
  • 22 Uhr: Feuerwerk
Sonntag, 13. Mai
  • 11 Uhr: Paternoster
  • 13.30 Uhr: Jenaer Tanzhaus
  • 15 Uhr: Doubravanka, Tschechische Blasmusik

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren