Golmsdorf: Kunst im Wald und auf dem Schulhof

Golmsdorf.  Ein Mandala aus Tannenzapfen und Moos, ein Barfußpfad auf dem Schulhof und eine ganze Eigenheimsiedlung für Meisen und Rotkehlchen haben Schüler der Golmsdorfer Grundschule geschaffen. Unterstützung gab es von mehreren Künstlerinnen.

Pascal, Lorenz, Svenja, Sarah und Leny von der Grundschule im Gleistal haben in der Projekt-Gruppe „Häuser im Garten“ Nistkästen und ein Insektenhotel gebaut. Jetzt hoffen sie darauf, dass dort bald auch Vögel einziehen.

Pascal, Lorenz, Svenja, Sarah und Leny von der Grundschule im Gleistal haben in der Projekt-Gruppe „Häuser im Garten“ Nistkästen und ein Insektenhotel gebaut. Jetzt hoffen sie darauf, dass dort bald auch Vögel einziehen.

Foto: Angelika Schimmel

Nicht im Klassenzimmer, sondern in einem „Garten der Sinne“ haben in dieser Woche die Mädchen und Jungen der Grundschule im Gleistal gelernt. Gemäß dem Motto ihrer Projektwoche haben sie diesen „Garten der Sinne“ im Wald entdeckt, auf dem Schulhof und im Schulgarten selbst gestaltet oder mit selbst gebastelten Handpuppen in einem Theaterstück erschaffen. Das besondere an dieser Projektwoche: Nicht nur die Lehrer und Erzieher der Schule haben die Kinder bei den Entdeckungen im Sinnesgarten begleitet, sondern auch vier Künstlerinnen aus Jena, Weimar und Apolda. Unter ihrer Anleitung wurden die Kinder selbst zu Künstlern.

Zum Beispiel Nele, Mariella, Heinrich, Louis und ihre Freunde, die mit der Kunsterzieherin und freien Künstlerin Isabelle Weber aus Weimar in den Wald zogen, um zu entdecken, welche Schätze der ihnen bietet, um damit Kunstwerke zu schaffen. Aus verschiedenen Zapfen, Moos, Blättern, Früchten von Wiesenpflanzen und Baumrinde gestaltete die Land-Art-Gruppe auf dem Schulhof dann ein überdimensionales Mandala. Und sie machte auch den Wald selbst zum Kunstobjekt, indem die Kinder aus Naturmaterialien geschaffene „Bilder“ an verschiedenen Standorten versteckten. „Vielleicht entdeckt ihr sie ja, wenn ihr aufmerksam im Wald spazieren geht", so die Aufforderung an ihre Mitschüler bei der Präsentation der Workshop-Ergebnisse am Donnerstag.

Kunstobjekte aus Licht und Papier

„Es war erstaunlich zu beobachten, wie die Kinder nach den ersten Hör-, Riech- und Tastübungen im Wald immer ruhiger und ausgeglichener wurden, und mit welcher Fantasie sie zugange waren bei der Gestaltung von Natur-Kunstwerken", erzählte Isabelle Weber.

Auch Anne Fülle, die sonst mit ihrem eigenen „Theater Kokon“ unterwegs ist, und Kerstin Lenardt vom Theaterhaus Jena, machten ähnliche Erfahrungen mit ihren Theatergruppen. Die Kinder hätten mit Begeisterung aus Socken, Knöpfen und was Muttis Schrank noch so hergab, Handpuppen gebastelt und hätten sich auch mutig auf das für sie unbekannte Metier der Schauspielerei eingelassen, berichteten sie. Das Ergebnis waren ein amüsantes Puppenspiel vom selbstsüchtigen Riesen und eine szenische Collage, in der Schnecken und andere Wiesenbewohner charaktervolle Auftritte hatten.

Den Garten in selbst geschöpftem Papier festgehalten haben die Kinder unter Anleitung von Philine Görnandt. Die Jenaerin, die in der Kulturfabrik Apolda ihr Atelier hat, schafft aus Licht und Papier bezaubernde Kunstobjekte. Die Mädchen und Jungen der Golmsdorfer Schule lernten bei ihr, Papier selbst herzustellen und mit Blüten und Blättern aus dem Garten zu verschönern. Als Windlicht, zarte Laterne oder spinnwebengleich zwischen Ästen und in Bilderrahmen verwoben, präsentierten die Papierkünstler ihre sehenswerten Arbeitsergebnisse. Einige davon dürfen die Kinder mit nach Hause nehmen, einige sollen aber auch zur Dekoration in der Schule bleiben.

Bleiben werden von dieser Projektwoche auch ein gutes Dutzend bunter Nistkästen, ein Insektenhotel im Schulgarten und ein Barfußpfad im Schulgelände, den andere Werkstatt-Gruppen geschaffen haben. „Allein hätten wir das alles nicht geschafft", sagte Lehrer Georg Schollän, der bei dieser besonderen Projektwoche den Hut auf hatte. Nicht nur die Summe von 4000 Euro, die das gesamte Unternehmen gekostet hat, hätte das Schulbudget nicht hergegeben.

Wichtig für ländliche Region

Unterstützung bei der Planung der Projektwoche und Geld kamen von der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Thüringen, auch die Sparkasse Jena gab einen Zuschuss.

Die Kontakte zu den Künstlerinnen haben Kulturagentin Sandra Werner und Sybill Hecht vom Schulamt Ost, die dort die Kulturprojekte an Schulen koordiniert, den Golmsdorfern vermittelt. „Seit 2011 gibt es die Kulturagenten, die Schulen bei der Durchführung von Kulturprojekten unterstützen. Bisher jedoch sind Schulen in den großen Städten wie Gera, Jena oder Pößneck dabei viel besser vertreten als solche im ländlichen Bereich", berichtete Sandra Werner. Im Saale-Holzland-Kreis seien die Möglichkeiten der Kulturagenten bisher kaum bekannt. „Dabei ist es gerade für die Kinder auf dem Land wichtig, Kunst und Kultur in die Schulen zu bringen, denn sie haben nicht wie Kinder in der Stadt Theater und Museen vor der Haustür“, sagte Georg Schollän.