Jenaer Feuerwehrleute bei Waldbrand am Limit – Feuer an mehreren Stellen ausgebrochen

Jena  Nach dem Waldbrand an der Lobdeburg in Jena wurde der Einsatz ausgewertet. Ob das Feuer auf einfache oder vorsätzliche Unvernunft zurückzuführen ist, bleibt zunächst unklar. Sicher scheint , dass es an zwei oder sogar drei Stellen gleichzeitig ausgebrochen ist.

Zur Löschwasserversorgung wurde auch eine mehrere hundert Meter lange Wasserstrecke mit zwei Zwischenspeichern mit mehreren tausend Litern Wasser aufgebaut. Foto: Stefan Eberhardt - medien-partner.net

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Besserer Brandschutz beginnt in den Köpfen. Die Stadt Jena will deshalb eine neue, präventive Front eröffnen. Es geht um Menschen, die Grundregeln des Verhaltens im Wald missachten und mit dem Feuer spielen. Denn so viel steht nach dem Großbrand vom Wochenende fest: Der Kräfteverschleiß war enorm, und die Kameraden waren bei der Brandbekämpfung am Limit. „So können wir die Feuerwehrleute nicht verschleißen“, sagte Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) gestern.

Im Stabsraum des Katastrophenabwehrzentrums wurden die Geschehnisse vom Wochenende ausgewertet. Mit 150 Feuerwehrleuten und Helfern aus Jena und benachbarten Kreisen war der Einsatz der größte, den die Stadt seit langem gesehen hatte. Dabei war das flächenmäßige Ausmaß mit 2,5 Hektar nicht das Problem, wie Feuerwehrchef Peter Schörnig sagte. Das Vorankommen im Wald auf teils bis zu 60 Grad geneigten Hängen in Feuerwehrmontur und mit Schläuchen in der Hand, war das, was an den Kräften der Helfer zehrte.

Feuerwehrmann Tim Schuppan war als Einsatzleiter vor Ort. Er sagte, es ein Unterschied, ob auf ebenem Gelände ein Waldstück in Flammen steht oder wie in Jena ein Gebiet in unwegsamen Gelände, das nur zu Fuß erreichbar sei. Der Kräfteverschleiß war auch der Grund, weshalb so viele Helfer als Ablöse alarmiert worden waren. Andere kamen freiwillig zum Dienst oder verzichteten auf das abendliche Dorffest, wie Feuerwehrleute aus Leutra.

Von zwei Seiten wurde der Löschangriff am Wochenende gefahren: Einmal aus Richtung Lobdeburg, zum Zweiten aus Richtung Wöllmisse. Im Pendelverkehr wurde das Wasser bis an die Endpunkte befestigter Wege gefahren und von dort in die Schläuche gepumpt. Das Anzapfen des Trinkwasser-Hochbehälters Drackendorf hätte da nicht wirklich Vorteile gebracht, so Peter Schörnig. Einerseits gibt es da gar keine Anschlüsse führ die Wehren, zum anderen sind es die Vorgaben der Trinkwasserverordnung. Drackendorf war als Option im Nachgang zu dem Brand benannt worden. Auf 10.000 Euro wird der Schaden am Wald geschätzt, verletzt wurde durch das Feuer niemand.

Höfliche Ansprache hilft oft nicht mehr

Kommunalservice-Chef Uwe Feige und Stadtförster Michael Rindt schilderten gestern, wie knifflig es ist, einzelne Menschen zu waldgerechtem Verhalten zu bewegen. Bekannt sei mittlerweile die Situation von Männertagen, wo sich klärende Gespräche oft nur mit Polizeischutz führen ließen. Aber auch außerhalb dieses Termins stellten die Mitarbeiter der Forstverwaltung bei Waldbesuchern ein „enormes Maß an Ignoranz und Aggressivität“ fest. Mit dem Grill in den Wald zu gehen, werde fast schon als Grundrecht gesehen.

Ob das Feuer vom Samstagabend auf einfache oder vorsätzliche Unvernunft zurückzuführen ist, bleibt zunächst unklar. Sicher scheint , dass es an zwei oder sogar drei Stellen gleichzeitig ausgebrochen ist. Erste Anrufe bei der Feuerwehr nannten nämlich mehrere Brandherde.

Schon bei der Anfahrt stellten die Feuerwehrleute fest, dass sich die Flammen stark ausbreiten und der Wind das Feuer den Hang hochtreibt. Zum Glück kam es dabei nicht zu einem Wipfelbrand, der sich noch wesentlich schneller hätte fortpflanzen können als Feuer am Boden. Als der Brand unter Kontrolle schien, war die Arbeit längst nicht zu Ende. Glutnester bargen die Gefahr erneuter Flammen und mussten gelöscht werden. Auch gestern noch. Die Feuerwehr ließ deshalb ein transportables Becken mit 5000 Kubikmeter Wasser gefüllt an der Lobdeburgklause stehen. Es soll bereits Waldbenutzer gegeben haben, die dies als Bademöglichkeit nutzten. Unvernünftig ist auch dieses Verhalten, da das Kunststoffmaterial bei freizeitsportlicher Belastung undicht werden kann.

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