Großeinsatz in Jena: Dramatische Szenen bei Brand im Appartementhaus

Jena.  In Jena hat es in einem Haus mit 120 Wohnungen gebrannt. Unser Report vom Einsatzort.

Die Jenaer Feuerwehr beim Rettungseinsatz.

Die Jenaer Feuerwehr beim Rettungseinsatz.

Foto: Tino Zippel

„Ich bin sofort raus und habe mit allen Fingen gleichzeitig bei den anderen geklingelt“, berichtet ein Bewohner des Appartementblocks in der Erich-Kuithan-Straße. Dort war in einer Wohnung in der Nacht zum Sonnabend ein verheerendes Feuer ausgebrochen. Dramatische Szenen spielten sich ab.

Um 2.17 Uhr geht der Alarm aus dem Wohnhaus neben dem Kaufland-Markt in Jena-Nord bei der Feuerwehr ein. Die Leitstelle verständigt nicht nur den Löschzug der Berufsfeuerwehr, sondern ruft auch die freiwilligen Helfer der Feuerwehr aus Zwätzen über die Sirenen. Zu diesem Zeitpunkt steht schon eine riesige Rauchsäule über dem Wohngebäude, das in der Vergangenheit häufiger das Ziel von Blaulichteinsätzen war.

Plötzlich stürzte etwas von oben herab

„Ich habe noch nicht geschlafen, als plötzlich etwas von oben herabgestürzt kam. Zugleich flackerte es draußen“, sagt ein Bewohner. Er habe aus dem Fenster nach oben geschaut und das Feuer gesehen. Sofort flüchtet er aus dem Haus und versucht, so viele Mitbewohner wie möglich zu warnen. In dem Gebäude befinden sich 120 Wohnungen.

Bewohner von der Drehleiter aus geweckt

Als die Rettungskräfte eintreffen, schlagen Flammen schon weit aus einer Einraumwohnung im obersten Stockwerk. Einsatzleiter Frank Liebermann entscheidet, den Löschangriff von innen auszuführen. „Menschenrettung geht vor“, sagt er. Deshalb fährt ein Feuerwehrmann parallel dazu mit der Drehleiter alle Fenster ab, klopft und weckt die Bewohner.

Drei von ihnen und mehrere Haustiere werden über die Drehleiter in Sicherheit gebracht. Die Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Lobeda rückt nach, um auch alle Wohnungen von der anderen Hausseite aus zu kontrollieren. In einige davon steigen die Retter durchs Fenster ein, um sie zu durchsuchen. Teils können sie kaum treten angesichts der Mengen von Inventar und Hausrat.

Brand in Jena Nord
Brand in Jena Nord

Ins Universitätsklinikum eingeliefert

Die Inhaberin des Appartements, in der der Brand ausgebrochen ist, war bereits selbst nach unten gerannt. Der Rettungsdienst versorgt sie und liefert die Frau wegen des Verdachtes einer Rauchgasvergiftung ins Universitätsklinikum ein. Weitere Rettungswagen treffen zur Vorsicht ein, müssen aber niemand weiteres abtransportieren.

Die Feuerwehrleute löschen unter Atemschutz den Brand. In der Wohnung konnten sie nichts mehr retten. „Komplett ausgebrannt“, sagt der Einsatzleiter, der auch die Fassade kontrollieren lässt. Zur Vorsicht reißen die Feuerwehrleute ein paar Dämmplatten ab, um Glutnester auszuschließen. Sogar Teile des Fensters waren geschmolzen und nach unten gestürzt.

Unterdessen rückt die Freiwillige Feuerwehr Jena-Winzerla mit einem Gerätewagen nach. Hier wechseln die Retter ihre Kleidung nach dem Einsatz im verrauchten Haus. Schwarzer Ruß klebt auf Fußboden und Wänden.

Hotel in Innenstadt als Ersatzquartier

Jenawohnen registriert derweil die Mieter und kümmert sich für jene, die nicht bei Freunden oder Bekannten unterkommen, um eine Unterkunft in einem Hotel in der Innenstadt. „Ein Teil des Gebäudes ist zunächst unbewohnbar“, sagt Krisenmanager Gunnar Poschmann. Auch untere Etagen sind betroffen, weil das Löschwasser herablief.

So hoch ist der Schaden

Der größte Jenaer Vermieter schätzt den Schaden vorerst auf eine Summe im oberen fünfstelligen Euro. Poschmann lobt die Retter: „Dank der guten Arbeit der Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindert werden.“

Zur Brandursache wollte sich der Einsatzleiter nicht äußern. Die entsprechende Wohnung ist versiegelt – die Kriminalpolizei ermittelt.