Hoffnung auf Adebar in Kahla

Kahla  Ein Storchenpaar inspiziert Schornstein bei der Feuerwehr. Doch ob es mit Nachwuchs klappt, ist fraglich.

Das ist ein Bild aus früheren Tagen. Schon 2006 haben Weißstörche auf der stillgelegten Esse an der alten Ziegelei in Kahla gebrütet. Ein Jungtier ist damals verdurstet.

Das ist ein Bild aus früheren Tagen. Schon 2006 haben Weißstörche auf der stillgelegten Esse an der alten Ziegelei in Kahla gebrütet. Ein Jungtier ist damals verdurstet.

Foto: Annett Eger

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Bringt tierischer Zuwachs bald eine fruchtbare Zeit in Kahla in Gang? Das zumindest könnten jene denken, die in dieser Woche immer wieder ein Storchenpaar in Kahla sichteten. Auf der stillgelegten Esse am Feuerwehrgelände scheinen die gefiederten Tiere einen Nistplatz zu inspizieren. Da werden bei einigen Einwohnern Erinnerungen wach, hatten sich doch bis vor über zehn Jahren auch auf dem Schornstein der alten Ziegelei Störche niedergelassen.

Nisthilfe in Thalbürgel wird angenommen

Prinzipiell sind Storchensichtungen im Saaletal nicht ungewöhnlich, sagt Silvester Tamás, Vorsitzender des Naturschutzbunds Saale-Holzland-Kreis (Nabu). Auch aus Kunitz in Jena oder aus der Nähe von Dornburg werden die Tiere gemeldet. Tamás muss die Freude darüber aber trüben. „Sie bleiben oft nicht hier.“

Dreh- und Angelpunkt ist der Lebensraum, und der sei in den Flussauen des Saaletals keineswegs ideal. Gerade im Raum Kahla fehle es angesichts der extensiven Landwirtschaft bis in die Auenlandschaft an Nahrungsquellen für die Tiere.

Tamás erinnert sich an die früheren Störche in Kahla, Jungtiere seien damals verhungert. Diese Zeitung berichtete 2008 von einem Jungstorch, der eine Aspergillose, eine Pilzerkrankung des Luftsacksystems, hatte und dessen Immunsystem angegriffen war, wohl auch wegen zu wenig Nahrung. Das Tier stürzte geschwächt von einem Bahnmasten. Ein anderes Jungtier verdurstete 2006.

Eine extra angebrachte Nisthilfe auf dem Schornstein der alten Ziegelei wurde damals nicht mehr angenommen. Der Nabu hatte das Projekt von Bürgern mit unterstützt.

Heute ist man anderer Meinung. Wie Silvester Tamás sagt, wird in Kahla in nächster Zeit keine neue Nisthilfe aufgestellt, da das Nahrungsangebot an der Saaleaue mit Larven, Käfern und anderen Insekten in der Umgebung zu gering sei. Stattdessen setzen die Naturschützer Hoffnung in die neue Nisthilfe in Porstendorf, die im Februar auf der Rabeninsel installiert wurde. Dort rechnet man in den nächsten zwei, drei Jahren mit dem Niederlassen von Schwarz- oder Weißstörchen, die im Frühjahr von Afrika wieder nach Europa fliegen und dabei bis zu 300 Kilometer am Tag zurücklegen.

In Thalbürgel glückte das Projekt unterstützter Hausbau: Dort nistet bereits ein Storchenpaar, erzählt Tamás. Im September soll ein weiteres Gestell für Meister Adebar westlich von Schöngleina, in Waldeck, angebracht werden. „Wir sind dabei, zu reagieren“, sagt der Kreisvorsitzende des Nabu.

Langsamer Zuwachs der Brutpaare

Trotz der Schönheit der Tiere: Neugierige sollten sich Brutpaaren fernhalten und sie ungestört lassen. Politischen Druck brauche es indes in Sachen landwirtschaftlicher Nutzung. Der Naturschutzbund mahnt immer wieder an, dass großflächige Raps-, Mais- und Getreidefelder im Sommerhalbjahr die Nahrungssuche für Störche massiv erschweren. Tamás plädiert für eine naturnahe Bewirtschaftung an der Saale ohne Pestizideinsatz. „Wir hätten viel günstigere Bedingungen, wenn aus dem Flussland wieder Weideland wird“, sagt er.

Seit 1900 nahm der Bestand von Weißstörchen in Thüringen immer weiter ab, 1959 erreichte er einen Tiefpunkt. Seit wenigen Jahren ziehen jedoch wieder mehr Tiere in den Freistaat, 2018 wurden 61 Horstpaare nachgewiesen. Das Hauptverbreitungsgebiet von Weißstörchen in Thüringen liegt im Werratal mit 21 Horstpaaren. Auch Schwarzstörche brüten seit 20 Jahren immer mehr in Thüringen. Sie galten in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts in der Region schon als ausgestorben.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren