Hohe Haftstrafen vom Landgericht Gera nach Raub im Jenaer Drogensumpf

Gera  Gerichtsbericht Mit brutalen Übergriffen in einem Jenaer Wohngebiet musste sich das Landgericht Gera befassen. Die Angeklagten bekommen zwar hohe Haftstrafen, aber auch eine Chance.

Die beiden Angeklagten, die in Untersuchungshaft sitzen, begrüßen sich im Gericht. Foto: Tino Zippel

Die beiden Angeklagten, die in Untersuchungshaft sitzen, begrüßen sich im Gericht. Foto: Tino Zippel

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Das Landgericht Gera hat einen 30-Jährigen nach einer Serie von Straftaten in Jena zu sechseinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Ein 27-Jähriger muss unter Einbezug einer zuvor ausgesprochenen Strafe für vier Jahre und drei Monate in Haft.

Die Anklageschrift hatte wie eine Räuberpistole aus einem Krimi geklungen: Die beiden Angeklagten sollen am 25. August 2015 gemeinsam mit zwei weiteren Männern eine Frau in Lobeda-Ost nach dem Aufenthaltsort eines Bekannten befragt und dabei ein Messer gezückt haben. Danach sollen sie sich gewaltsam Zutritt zu einer Wohnung verschafft und dort einen Mann verprügelt haben. Einem anderen nahmen sie das Geld und Drogen ab und zwangen ihn schließlich, mit ihnen zu kommen.

Ein Bekannter sollte Geld und Drogen auf den Parkplatz eines Supermarktes bringen, damit die Geisel wieder freikommt. Bei der Übergabe auf dem Parkplatz in Lobeda-Ost sollen die Männer dem Bekannten 52 Euro und Drogen abgenommen und ihn verprügelt haben. Sie sollen das Opfer in eine Wohnung in einem Studentenwohnheim mitgenommen und dort weiter traktiert haben. Sie drohten, ihm wegen mangelhafter Drogenqualität den Schwanz abzuschneiden soweit die Tatvorwürfe, die sich im Groben so bestätigt haben.

Die Staatsanwaltschaft beantragte neun Jahre Haft für den älteren Angeklagten, der auch Drogen importiert hatte, und sechs Jahre und zehn Monate für den jüngeren sowie für beide die Einweisung in den Entzug. Der Verteidiger des älteren Angeklagten plädierte auf fünfeinhalb Jahre und die Unterbringung im Maßregelvollzug. Der Anwalt des Jüngeren nannte nur Einzelstrafen und ebenso die Einweisung in die Entzugsklinik in seinem Plädoyer.

Das Gericht entschied nach einem entsprechenden Sachverständigenbericht tatsächlich auf eine Unterbringung im Drogenentzug. Sollten die Angeklagten die zweijährige Therapie meistern, kommen sie danach auf freien Fuß. Der ältere Angeklagte muss jedoch vorm Therapiestart zunächst ein Jahr und drei Monate Haft verbüßen. Misslingt die Therapie, wird die volle Haftstrafe fällig.

Der Jüngere kommt unter anderem deshalb mit einer geringeren Strafe davon, weil das Gericht ihn bei der Raubstraftat nicht als Haupttäter, sondern nur in der Beihilfe-Rolle sah.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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