Im Dauerfeuer der „Ermöglichung“ – Keine Veranstaltungen im Jenaer „Lisa“

Jena.  Nach heftiger Kritik: Jenakultur verteidigt seine Entscheidung, im Stadtteilzentrum Lisa alle Veranstaltungen abzusagen.

Das Lisa-Zentrum wird vorerst weniger besucht.

Das Lisa-Zentrum wird vorerst weniger besucht.

Foto: Michael Groß

In dem Satz, den Vorgang notfalls von einem Verwaltungsgericht überprüfen zu lassen, kanalisiert die Wut des Ortsteilbürgermeisters. Angesichts geringer Fallzahlen in Lobeda und der Mühe, Hygienekonzepte zu entwerfen, bringt Volker Blumentritt wenig Verständnis für den Vorstoß von Jenakultur auf, alle Veranstaltungen bis Jahresende im Stadtteilzentrum Lisa abzusagen. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog.

Schon die Kommunikation versetzt Blumentritt in Rage, will er doch aus der Zeitung von der Entscheidung des Eigenbetriebs erfahren haben. „Wir hatten in Lobeda seit Beginn der Pandemie acht Fälle. Niemand ist in Quarantäne. Da reißt mir wirklich die Hutschnur“, sagt er. Und erinnert an jene Versammlung in Lobeda, auf der Jenawohnen vor fast zwei Wochen über die Pläne für 150 Wohnungen informiert habe.

Wichtiger Anlaufpunkt

„Über Stunden haben wir an dem Hygienekonzept gefeilt.“ Das heißt, die Akteure in Lobeda seien durchaus in der Lage, verantwortungsvoll in der Pandemie zu agieren. Dann verweist Blumentritt auf die Rolle des „Lobedaer Informations-, Spaß- und Aktionszentrums“: Es sei ein Ort für Kultur, für Begegnungen, neben dem Stadtteilzentrum ein wichtiger Anlaufpunkt für die Menschen im größten Jenaer Ortsteil.

Abgesagt sind Puppenspiel, Jazzabend, aber eben auch der Tanzcafé und die Silvesterparty: Gegenüber der Redaktion erinnert der stellvertretende Werkleiter von Jenakultur, Carsten Müller, nicht nur an das generelle Verbot von Veranstaltungen, die unter dem schönen Wort Tanzlustbarkeiten laufen. Er erinnert auch daran, dass jetzt die kalte Jahreszeit beginnt, dafür besondere Corona-Strategien erforderlich seien und das Stadtteilzentrum aus mehreren Gründen keinen Punkt erfülle, den man aus Verantwortung gegenüber den Gästen, Künstlern und den eigenen Mitarbeitern formulieren müsse. Das fängt bei der konkreten Raumsituation (Raumhöhe, Fläche, Lüftungsstärke) an und ende bei dem zu erwartenden Publikum.

Ein Tanzcafé am Nachmittag spreche ältere Menschen und damit eben auch Vertreter einer Risikogruppe an. Die Lüftungsanlage in dem Zentrum stehe in ihrer Kapazität deutlich hinter der des Volksbades und Volkshauses zurück, weshalb die Raumluft nicht in der geforderten Zeit umgewälzt werden könne.

Chorkonzerte derzeit kaum möglich

Und ein als Adventskonzert geplanter Auftritt des Volkschores Ende November habe abgesagt werden müssen, da das gemeinsame Singen im Chor angesichts der Gefahr durch Aerosole in der Vergangenheit als sogenannte Spreader-Events geendet hätten. „Chorkonzerte sind derzeit generell kaum möglich“, sagt Müller und betont, dass darunter alle Jenaer Chöre litten.

Jenakultur hat seit Juni mehr als 100 Infektionsschutzkonzepte geschrieben. „Wir sind derzeit im Dauerfeuer der ,Ermöglichung’“, sagt Müller und fügt an, mitten drin zu sein, in den Plänen, einen Weihnachtsmarkt zu ermöglichen. Bis Anfang Oktober solle eine Linie gefunden werden, die den Infektionsschutz berücksichtige, ein Kulturprogramm ermögliche und den Ausschank von Glühwein nicht verhindere.

„Wichtig ist, dass es landesweit einen einheitlichen Standpunkt gibt“, sagt Müller. Undenkbar, dass in Jena ein Weihnachtsmarkt ausfalle, während in Weimar daran festgehalten werde. Oder umgekehrt.

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