Im Jenaer Rautal: Von Wanderern, Burschen und Waldfreunden

Jena.  Stumme Zeugen (48): Dank engagierter Bürger gibt es ein Denkmal mitten im Wald.

Wann sich nun der Ausdruck „Burschenplatz“ einbürgerte, ist nicht überliefert. In jedem Fall leitet sich der Namen aber von den Studenten (Burschen) ab, die den Ort im Rautal oft besuchten.

Wann sich nun der Ausdruck „Burschenplatz“ einbürgerte, ist nicht überliefert. In jedem Fall leitet sich der Namen aber von den Studenten (Burschen) ab, die den Ort im Rautal oft besuchten.

Foto: Immanuel Voigt

Wer sich dieser Tage in die Wälder rund um Jena begibt, findet dort mitunter eine fast verwunschen wirkende Landschaft vor. Sämtliche Laubbäume sind ihres Blattwerkes beraubt, das rötlichbraun den Boden bedeckt. Sonne und Nebel wechseln sich ab und schaffen so immer neue Eindrücke.

Ein solches Bild bietet sich dem Betrachter auch im Rautal. Im oberen Teil, der nur mit Buchen und Eichen bewachsen ist und in dem der Steinbach in früherer Zeit ein tiefes Bett in die Landschaft gegraben hat, lässt sich ein Denkmal mit doppelter Geschichte entdecken. Es ist nicht schwer zu finden, da die Gegend bei den Jenensern schon seit eh und je beliebt und daher mit Wanderwegen erschlossen ist. Von der Straße nach Closewitz folgt man oberhalb der Kleingartenanlage einfach dem weiß-rot-weißen Weg rechts in den Wald bis zum „Abzweig Burschenplatz“. Das Ziel ist eben jener, der dann nach gut 200 Metern über den weiß-gelb-weißen Weg zu erreichen ist.

Der Platz ist schon im 18. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel gewesen, da hier der Steinbach über einen etwa fünf Meter hohen Wasserfall in die Tiefe stürzte. Der bekannte Botaniker Matthias Jacob Schleiden sprach etwa von einem „niedlichen Wasserfall“. Von der einstigen Pracht ist heute, jedenfalls bei Trockenheit, nicht wirklich mehr etwas zu sehen. Nichtsdestotrotz war der Ort vor allem bei den Studenten der Jenaer Universität und im Besonderen bei den Burschenschaftern ein häufig angestrebtes Ziel. Letztere nutzten ihn dann auch des Öfteren als Paukboden, um also ihre Duelle bei einer Mensur im wahrsten Sinn des Wortes auszufechten. Bevor der Platz seinen heutigen Namen bekam hieß er deshalb treffender Weise „Paukplatz“, aber auch „Kaffeeplatz“. Selbst vor dem Ersten Weltkrieg soll es hier noch zu Pistolenduellen gekommen sein.

„Das Beste was ich in mir trage, habe ich erwandert“

Wann sich nun der Ausdruck „Burschenplatz“ einbürgerte, ist nicht überliefert. In jedem Fall leitet sich der Namen aber von den Studenten (Burschen) ab, die ihn oft besuchten. Doch auch von weiter her kamen die Wanderer, denn das Rautal war auch bei Apoldaer Schülern beliebt. Diese sind, wenn man so will, für den

Gedenkstein verantwortlich, der noch heute direkt oberhalb des einstigen Wasserfalls zu finden ist. Er ist aus Bruchsteinen errichtet, mit einer Granittafel in der Mitte. Früher als das „Turnfahrtendenkmal“ bekannt, erinnert heute nichts mehr an die einstige Bedeutung des Steins. Aber auch die heutige Inschrift ist nur noch schwer zu lesen: „Das Beste was ich in mir trage, habe ich erwandert. / Goethe / Dank der Arbeitsgemeinschaft Wanderwege im Kulturbund der DDR für ihr unermüdliches Wirken seit 1964 zur Erschließung und Gestaltung der Jenaer Landschaft. / Staatl. Forstw. Betrieb 1981“.

Da der Stein wohl durch Vandalismus irgendwann seiner Originaltafel beraubt wurde, entschied man sich Ende der 1970er Jahre dazu, ihn in der noch heut zu sehenden Form wiederzubeleben. Die Ursprünge des Denkmals gehen allerdings auf das Jahr 1909 zurück, genauer gesagt auf den 1. Mai. In einem kleinen Festakt gedachten damals einstige Schüler ihrer Ausflüge zum Burschenplatz und dem 50-jährigen Bestehen der „Großherzoglichen W. und L. Zimmermanns Realschule“ in Apolda. Wie die „Jenaische Zeitung“ am 4. Mai 1909 berichtet, wurde eine bronzene Tafel bei der Feier enthüllt, die folgende Inschrift trug: „In Erinnerung / an die alljährlichen Turnfahrten / der / Realschule in Apolda / anlässlich des 50-jährigen Jubiläums / der Schule und ihrer Lehrer / Hofrat Prof. Dr. G. Compter / und / Hermann Crain / errichtet / von den ehemaligen Schülern / 1. Mai 1909“. Daneben waren die Porträts von Gustav Compter und Hermann Crain auf der Platte verewigt.

Tische und Bänke laden heute zum Verweilen ein

Compter war der erste Direktor der Schule, der seit ihrer Gründung im Jahr 1859 die Geschicke leitete und wenige Monate nach der Denkmalssetzung in den Ruhestand verabschiedet wurde. Crain zählte ebenfalls als langjähriger Realschullehrer zu den Urgesteinen der Schule. Mit ziemlicher Sicherheit ist die Bronzeplatte dann wohl im Verlauf des Ersten Weltkrieges einer Metallspende zugegangen und durch eine Marmorplatte ohne die Reliefporträts der beiden verdienstvollen Herren ersetzt worden.

Heute scheint die Geschichte um das Denkmal ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein, da vor Ort keine Tafel den Besucher aufklärt. Dafür wurde der Ort aber in alter Tradition in den letzten Jahren sehr schön hergerichtet, da sich unter anderem eine offene Hütte mit Tischen und Bänken dort befindet, die zur Rast oder zum Verweilen einlädt.