In der Maskenzeit nimmt der Karneval im Saale-Holzland eine Auszeit

Saale-Holzland.  Die Karnevalshochburgen im Jenaer Umland sagen ihre Veranstaltungen ab, aber wollen das Vereinsleben aufrecht erhalten.

Zumindest die Schlüsselübergabe, wie hier in Kahla, soll in kleinem Rahmen in verschiedenen Orten möglich sein.

Zumindest die Schlüsselübergabe, wie hier in Kahla, soll in kleinem Rahmen in verschiedenen Orten möglich sein.

Foto: Jens Henning / Archiv

Kostümiert als Spiderman, Batman oder als OP-Schwester ließe sich zwar die Maskenpflicht elegant integrieren. Aber es hilft nichts. Karneval in Corona-Zeiten ist wegen des Ansteckungsrisikos schwerlich zu organisieren. Wir haben bei den Vereinen in der Region nachgefragt, zu welcher Entscheidung sie für die Saison 2020/21 gekommen sind. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Der Orlamünder Carnevals Verein (OCV) gab am Mittwoch die Saisonabsage bekannt, nachdem der Elferrat getagt hatte. „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir eine ‘normale’ Veranstaltung, so wie es immer Tradition ist, nicht durchführen können“, heißt es in der Erklärung. „Das ist schade, aber die Gesundheit geht vor“, sagt Vereinspräsident Sebastian Lange auf Nachfrage.

Damit geht der Verein aber nicht in den Winterschlaf. Stattdessen planen die Mitglieder, ihre Narrhalla, den Rathaussaal, zu verschönern. Dieser soll zur 50. Saison, die nun eben im kommenden Jahr gefeiert wird, glänzen. Also: Immer zu den Terminen der nun ausfallenden Veranstaltungen werden die Mitglieder und Unterstützer samstags, 8.01 Uhr, zum Arbeitseinsatz gerufen. Die Uhrzeit ist bewusst gewählt, „der Humor soll nicht auf der Strecke bleiben“, sagt Lange.

Dass der Spaß nicht verloren geht, werde auch ein kleiner Film zeigen, den die Orlamünder Narren jetzt vorbereiten und am 11.11. auf der vereinseigenen Homepage sowie auf Facebook und Instagram veröffentlichen wollen.

„Faschingsfamilie zusammen halten“

Abgesagt ist die Saison 2020/21 auch wenige Kilometer weiter in Kleinpürschütz. Auch die Karnevalsgesellschaft Kleedorf will Mitglieder und Anhänger gesundheitlich schützen. „Wir standen mit dem Gesundheitsamt in Kontakt und haben uns informiert, wie unter den gegebenen Umständen Veranstaltungen möglich sind“, sagt Vereinspräsidentin Sabrina Kämmer. Doch da die jetzigen Corona-Regelungen bis Ende Oktober gelten, somit also unklar ist, was sich danach ändert, könne selbst der 11.11. nicht bestätigt werden. „Aber wir versuchen, die Faschingsfamilie zusammen zu halten“, sagt Kämmer, da der kleine Ort viele Aktive Jahr für Jahr zusammentrommelt.

Der Karneval Club Dohlensteen (KCD) in Kahla sagt die Saison auch ab, hält sich aber einen Termin frei: Den Programmabend am Sonnabend nach dem Rosenmontag. „Sollte sich die Lage vielleicht doch noch etwas lockern, wollen wir vielleicht diesen Tag feiern“, sagt Janine Seupt, die Verantwortliche für sechs verschiedene Tanzgruppen beim KCD.

Trainiert wird dennoch, wenn auch nur alle zwei Wochen einmal. Normal wäre ein wöchentliches Training. „Wir wollen unsere Gruppen zusammenhalten. Dafür ist das Training wichtig“, sagte Seupt. Vor wenigen Tagen gab es statt der obligatorischen Abschlussfeier als Dankeschön nach einer Saison eine gemeinsame Wanderung.

Seupt würde sich freuen, wenn die befreundeten Vereine vielleicht eine Veranstaltung organisieren – ohne Zuschauer, ohne Publikum. „Es geht darum, die Leute bei Laune zu halten. Sicherlich kann man das ganze Jahr über trainieren. Am Ende will man aber auch sich zeigen, wenn schon nicht wie gewohnt vor Zuschauern, dann wenigstens vor anderen Karnevalsvereinen.“

Auch wenn die Karnevalssaison ausfällt, überlegen die Kahlaer, mit einer kleinen Delegation am 11. November ins Rathaus einzuziehen.

Tanztrainings werden ermöglicht

Lydia Keller, Präsidentin des Camburger Carneval Club Concordia (CCCC), verkündet am heutigen Donnerstag ihren Mitgliedern, was viele schon ahnen: Auch in Camburg fallen die Veranstaltungen im Rathaussaal aus. „Wenn überhaupt, dann organisieren wir etwas draußen, aber nur unter den gegebenen Umständen“, sagt sie.

Aber wer wisse jetzt schon, was im Februar möglich ist. Stand Mittwoch soll zumindest die kleine Schlüsselübergabe draußen vor dem Rathaus am 11.11. machbar sein, wenn die Bürgermeisterin zustimmt. Ohnehin seien an diesem Tag immer nur ein paar Vereinsmitglieder vor Ort gewesen.

Angesichts der karnevalistischen Auszeit habe es wenig Sinn, ein Prinzenpaar für die Saison zu suchen, erklärt Keller. Was aber weiter ermöglicht wird, sind die Tanztrainings unter Auflagen. „Gerade für die Kinder und Jugendlichen halten wir das aufrecht, damit sie bei der Stange bleiben und ihr Hobby weiter pflegen können“, sagt die Vereinspräsidentin. Also falls wider Erwarten im Februar doch etwas möglich ist: „Theoretisch stehen wir in den Startlöchern.“

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“

Die Faschingshochburg Quirla mit der Quirlaer Faschingsgesellschaft hat ihre Veranstaltungen bereits im Juli abgesagt. In Bürgel war man lange optimistisch. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Steffen Geier, Vorsitzender des Bürgeler Faschings Clubs (BFC). Sehr realistisch sei das aber nicht mehr. Man plane auf jeden Fall einen Höhepunkt für die Saison, aber wie der aussehen werde, sei noch völlig offen.

Dennoch gelte es, das Vereinsleben am Laufen und eine positive Grundstimmung aufrecht zu erhalten, so Geier. Die Mitglieder wüssten hier um die Lage. Es herrsche beim lebendigen BFC keine Austrittsstimmung, aber es sei eine schwere Zeit für das Vereinsleben.