Investor Duchatelet: Mit eigener Jugend beim FC Carl Zeiss Jena aufbauen

Jena.  Im Interview spricht Investor Roland Duchatelet über die Lage des FC Carl Zeiss Jena und die Grünen-Idee, das Stadionprojekt wegen der Corona-Pandemie zu stoppen.

Roland Duchatelet (73), Investor und Anteilseigner bei der FC Carl Zeiss Jena Spielbetriebsgesellschaft, hat die Partie gegen den FC Bayern München II im Jenaer Stadion verfolgt. Wir haben mit ihm über die aktuelle Lage des FCC, die Perspektive für die Regionalliga und die Bemühungen der Grünen, das Stadionprojekt zu stoppen, gesprochen.

Wie schätzen Sie das Spiel gegen den FC Bayern München II ein?

Die Mannschaft hat mit Ausnahme der ersten 20 Minuten sehr gut gespielt. Die Spieler haben mich positiv überrascht. Nur eine Wunderrettung des Bayern-Torhüters verhindert, dass wir einen Punkt holen.

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„Haben in vielen Spielen zu schlecht gespielt“

In dieser Saison gab es einige Spiele, in denen Jena durchaus gut mitspielte, aber letztlich verlor. Wie sehr hat Sie die Spielzeit enttäuscht?

Wir müssen schon feststellen, dass wir in zu vielen Spielen schlecht gespielt haben, sonst hätten wir mehr als nur 19 Punkte.

Welche Strategie sollte der Klub in der Regionalliga wählen: So viele Spieler wie möglich zu halten oder auf die Jugend zu setzen?

Wir haben viele junge Leute hier, die gut spielen. Die Fans wünschen sich, mit mehr Spielern aus der Gegend aufzulaufen. Der neue Trainer hat viel mit jungen Spielern gearbeitet und mit ihnen Erfolg gehabt. Darauf setze ich große Hoffnung.

Peilen Sie den sofortigen Wiederaufstieg an?

Peilen Sie den sofortigen Wiederaufstieg an?

Sie wissen doch, dass typischerweise der Aufstieg nicht direkt nach einem Abstieg gelingt. Wer versucht, die Rückkehr übers Knie zu brechen, wird in vielen Fällen enttäuscht werden. Mir ist es lieber, wenn wir mit eigenen Jugendlichen gut aufbauen. Das trifft auch die Erwartungshaltung aus dem Umfeld, das im Hinterkopf hat, dass einst die großen Erfolge des FC Carl Zeiss mit Spielern aus der Region gelungen sind. Langfristig wollen wir mit vielen Spielern auflaufen, die aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum stammen. Wir haben hier in Jena exzellente Voraussetzungen.

Wie gelingt es, das Nachwuchsleistungszentrum zu stärken, damit mehr Absolventen wirklich den Sprung in die erste Mannschaft schaffen?

In der ersten Linie zählt Qualität. Aber das Wichtigste in jeder Organisation ist, dass Mitarbeiter positiv und konstruktiv zusammenarbeiten. Leider hat das auch bei uns gefehlt bisher. Konflikte in der Öffentlichkeit auszutragen, führt langfristig nicht zum Erfolg. Wenn es Probleme gibt, muss man diese intern lösen. Eine öffentliche Vorverurteilung aufgrund von Vorwürfen ohne Überprüfung schadet allen Beteiligten. Die Leute, die das gezielt nach außen getragen haben, sollten sich fragen, ob sie noch mit reinem Gewissen in den Spiegel schauen können.

„Man kann nicht unendlich lange Geld in einen Verein stecken“

Nach dem Abstieg in die Regional­liga fallen Fernsehgelder weg, so dass es trotz eines reduzierten Etats kaum gelingen wird, schwarze Zahlen zu schreiben. Unterstützen Sie den Klub weiterhin?

Natürlich. Wir müssen vernünftig aufbauen. Eines ist auch klar: Man kann nicht unendlich lange Geld in einen Verein stecken. Ziel muss es sein, dass er sich möglichst schnell selbst trägt. Die Voraussetzung für mein Engagement ist, dass alle im Verein zusammenhalten und für die gleiche Vision arbeiten.

Was meinen Sie damit?

Wir waren erfolgreich und sind gemeinsam in die dritte Liga aufgestiegen, als es keine internen Querelen gab. Die hemmen nur die Entwicklung.

Nicht nur in Jena gibt es eine kritische Haltung gegenüber Investoren im Fußball. Wie nehmen Sie die Diskussion wahr?

Die Fans und Mitglieder hätten selbst ihren Verein retten können, aber dann auch dafür bezahlen müssen. Einfach ist es nicht, in den unteren Ligen eine tragfähige Finanzierung zu entwickeln. Das habe ich gelernt.

Künftig tritt der FC Carl Zeiss mit einem Team in der zweiten Frauen-Bundesliga an. Was halten Sie von der Übernahme des FF USV Jena?

Das ist ein sehr sinnvoller Schritt. Es ergeben sich viele Synergien, schon allein im Nachwuchs­bereich. Langfristig ist das ein wichtiger Schritt für den Frauenfußball.

Das sagt Duchatelet zur Idee der Grünen, das Stadionprojekt zu stoppen

Sie sind wirtschaftlich ins Jenaer Stadionprojekt involviert. In der Stadt gibt es Stimmen vor allem aus Richtung der Grünen, die das Projekt wegen der Corona-Pandemie auf den Prüfstand stellen wollen. Was halten Sie davon?

Die Corona-Pandemie hat klar gezeigt, dass alle das Zusammensein vermissen. Es gibt doch keinen besseren Treff als bei einem Fußballfest. Fußball bringt Menschen aus allen Religionen und sozialen Schichten zusammen. Künftig werden die Menschen noch mehr genießen, wenn sie wieder zum Fußball kommen dürfen.

Also steht dem Bau nichts im Wege?

In Jena wurde sehr, sehr lange über ein neues Stadion gesprochen. Selbstverständlich stellen wir das Projekt nicht infrage.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am geplanten Umbau?

Es wird ein schönes Stadion, das viele Funktionen enthalten wird. Zwar gibt es keine Hotelzimmer wie bei uns in Sint-Truiden, aber das Konzept hebt sich von anderen Stadien in der Region ab. Besonders gut gefällt mir, dass die Haupttribüne, die viel Historie in sich trägt, erhalten bleibt. Quasi genau wie der Turm mit der Zeiss-Linse als Monumente der Vergangenheit, integriert in eine hochmoderne Arena.

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