Jena: Auch nach dem Tod vereint

Jena.  Zum Totensonntag nach Trends geschaut: Urnen-Gemeinschafts-Anlagen, Baumbestattung, Kolumbarium.

Die gepflegte Gemeinschafts-Urnen-Grabanlage in Burgau ist besonders gefragt. Es gibt nur noch wenige freie Plätze.

Die gepflegte Gemeinschafts-Urnen-Grabanlage in Burgau ist besonders gefragt. Es gibt nur noch wenige freie Plätze.

Foto: Michael Groß

Es kommt vor, dass man dann und wann auf den Friedhof geht, zum Beispiel zu Beerdigungen von Menschen, die einem recht nahe waren. Dabei ging es diesmal nicht wie sonst auf den Nordfriedhof, sondern auf den Friedhof in Burgau. So wurde mir wieder mal bewusst, dass die Stadt ja durchaus nicht nur den zentralen Nordfriedhof, sondern seit der Eingemeindung zahlreicher Orte 1994 auch deren Friedhöfe in Pflege hat. Der in Burgau ist offenbar gut gefragt. Die Urnen-Gemeinschaftsanlage ist jedenfalls fast komplett belegt.

Dass Burgau besonders nachgefragt werde, bestätigte auch Bertram Flößner, Leiter der Friedhofsverwaltung beim Kommunalservice Jena. Gerade die Urnen-Gemeinschaftsgräber würden voll im Trend liegen. Der bewege sich zunehmend weg von den Einzel- und Familiengräbern mit großen Grabsteinen hin zu kleinen Beisetzungsmöglichkeiten. Die Lindenbrunnen-Anlage auf dem Nordfriedhof habe da schon ein Zeichen gesetzt. Sie sei enorm nachgefragt worden.

Auch auf den 20 Friedhöfen, die man in den Jenaer Ortsteilen betreue, stehen in wachsendem Maße solche Anlagen zur Verfügung. So zum Beispiel in Isserstedt, Winzerla, Göschwitz, Ziegenhain, Closewitz und Ilmnitz. In Wogau soll demnächst auch ein solches Angebot eingerichtet werden, kündigt Flößner an.

Geschätzt werde dabei von den Angehörigen, die ja oft gar nicht in Jena leben, dass keine ständige Pflege mehr nötig sei. Und für Ehepaare sei es eine sehr schöne Sache, so Flößner, weil sie die Gewissheit haben, beide zusammen in einem solchen Urnengrab beigesetzt zu werden, also auch nach dem Tod vereint zu bleiben. Denn jede dieser Grabstätten sei für zwei Urnen ausgelegt. Die Liegesteine mit den Namen und den Lebensdaten habe man, so der Friedhofsleiter, bei Steinmetzen in Jena ausgeschrieben. Das Material sei Travertin. Die Friedhofsmitarbeiter sorgen für einen Bodenbewuchs der kleinen Urnengrabstätten und für die Pflege rundherum.

Urne wird im Fach einer Mauer untergebracht

Natürlich sei es möglich, auch an diesen kleinen Gräbern Blumen niederzulegen oder maximal drei saisonale Bepflanzungen vorzunehmen. Die Laufzeit der Grabstätte betrage 15 Jahre. Man könne sie aber auch bei der Jenaer Friedhofsverwaltung verlängern.

Natürlich halte man auf dem Nordfriedhof auch andere aktuelle Bestattungsformen vor, sagt Flößner und verweist auf neue Trends in der Friedhofskultur. So gibt es seit Jahren die Möglichkeit der Baumbestattung. Dafür werden auf dem Nordfriedhof immer mal wieder auf frei werdenden Flächen neue Bäume angepflanzt, um die herum mehrere Urnengräber mit Liegesteinen und den Daten der Toten angelegt werden können.

Etwas anders verhält es sich mit der naturnahen Bestattung. Sie befindet sich am nördlichsten Ende des Nordfriedhofes, da wo das Friedhofsgelände schon fast in den Wald übergeht. Hier ist keine Namensnennung von Beigesetzten möglich. Die Beisetzung erfolgt anonym.

Eine weitere, vielleicht noch nicht ganz so bekannte Bestattungsform ist schließlich das Kolumbarium. Hier wird die Urne in einem Fach einer Mauer untergebracht, die dann fest mit eine Platte verschlossen wird. Ein solches Kolumbarium gibt es bereits seit zehn Jahren auf dem Nordfriedhof. Dafür wurde eine Terrasse oberhalb des Magnus-Poser-Denkmals eingerichtet.

Der Totensonntag, diesmal auf dem Nordfriedhof wegen Corona leider ohne musikalische Begleitung, bietet Gelegenheit, sich das alles vor Ort anzusehen.