Jena benötigt für Klima noch viel mehr Bäume

Jena  Für „heißeste Stadt des Freistaats“ gibt‘s eine tolle Klimaanpassungsstrategie. Grüne monieren, dass es bei praktischen Maßnahmen klemmt

Kontrastprogramm: Der Blick auf die Saale im Paradies mag nicht suggerieren, dass es der Stadt an Bäumen mangelt. Für diesen Mangel steht etwa das im Bildhintergrund sichtbare Geviert zwischen B-59- und Jenoptik-Hochhaus: Der Ernst-Abbe-Campus – zubetoniert und fast ohne jedes Grün – ist einer der am stärksten hitzebelasteten Punkte an Hochsommertagen.

Kontrastprogramm: Der Blick auf die Saale im Paradies mag nicht suggerieren, dass es der Stadt an Bäumen mangelt. Für diesen Mangel steht etwa das im Bildhintergrund sichtbare Geviert zwischen B-59- und Jenoptik-Hochhaus: Der Ernst-Abbe-Campus – zubetoniert und fast ohne jedes Grün – ist einer der am stärksten hitzebelasteten Punkte an Hochsommertagen.

Foto: Jürgen Hohmut

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Auf allen Ebenen muss Jena jetzt dringend den vielen vorhandenen guten Plänen für ein besseres Stadtklima in großem Zuge Taten folgen lassen. Das haben im Redaktionsgespräch die Bündnisgrünen Wolfgang Volkmer und Heiko Knopf bekräftigt. Der Kreissprecher und der Rats-Fraktions-Chef sprachen die symbolträchtige Nachricht an, dass Jena vergangene Woche mit 37,7 Grad zur heißesten Stadt Thüringens avancierte.

Und so werden die Bündnisgrünen während der ersten Stadtratssitzung nach der Sommerpause am Mittwoch, 4. September, nicht nur eine „Aktuelle Stunde“ zur Hitze-Schadensbilanz beantragen, sondern auch einen Beschlussantrag einbringen mit Vorschlägen, wie die Stadt dem Klimawandel besser angepasst werden kann. Viele Leute würden zum Beispiel privat genau richtig reagieren und sich Regentonnen zur Wasserspeicherung zulegen, erläuterte Heiko Knopf. „Und was macht die Stadt in dieser Frage?“ Wie stehe es mit größeren Volumina der Wasser-Vorhaltung? Prüfaufträge zu solchen Fragen werden nach Knopfs Darstellung zum grünen Beschlussantrag im September gehören. Denkbar sei etwa auch, dass in Bebauungsplanverfahren die Bereitschaft zum klimafreundlichen Engagement unterstützt wird. „Warum also kein Zuschuss für Fassadenbegrünung?“ – Oder für die Bereitschaft, Flächen zu entsiegeln? Da gebe es viele große und kleine Stellschrauben.

Zu viel Hitze in 8 von 19 Kindereinrichtungen

Gelebte Praxis sei es bislang leider nur zu oft gewesen, dass bei maßgeblichen Projekten „gegen das Klima abgewogen wurde“, sagte Heiko Knopf. Ja, rein baurechtlich sei es sogar möglich, im so genannten beschleunigten Bebauungsplanverfahren den zugehörigen Grünplan quasi zu umgehen. „Der Knackpunkt ist also, wofür wir den Euro ausgeben.“ Die Fachleute in der Verwaltung wüssten doch allemal, was zu tun sei. „Aber die Prioritäten müssen wir in der Politik setzen.“ Dass gute Expertise in der Verwaltung hängen bleibt, „das darf aber nicht sein“, sagte Heiko Knopf. Es müsse besser geregelt werden, „wie wir die guten fachlichen Voraussetzungen auf die Schiene bringen“. So seien die Vorschläge der oft gelobten Jenaer Klimaanpassungsstrategie (Jenkas) bislang kaum umgesetzt worden.

Dazu ein bemerkenswertes Beispiel, das Wolfgang Volkmer anführt: 2017 hatte die Stadt vom Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz (Think) eine Analyse zur Hitzeentwicklung und Luftqualität in Kindergärten und Grundschulen Jenas fertigen lassen. Und obwohl die Stadt sich rühmen darf, alle Kindergärten und Schulen durchsaniert zu haben, wurden für acht von 19 Einrichtungen „erhöhte“ oder „höchste“ Belastungen ermittelt. Oft seien in den betroffenen Einrichtungen die Außenspielflächen zubetoniert; es fehlten Bäume, Wasserspender und Brunnen. Volkmer: „Die Empfehlungen für jede Einrichtung liegen vor; wir müssen sie jetzt Schritt für Schritt umsetzen.“

Die Jenaer Grünen kennen das große Totschlag-Argument wider die lokalen Bemühungen: Was sollte man denn im Kleinen gegen den Klimawandel tun? Immer wieder müsse man gegenhalten, dass das globale Klima wohl nicht in Jena gerettet wird; „bei der Klima-Anpassung ist das aber anders“, wie Heiko Knopf sagte.

Wolfgang Volkmer: „Jeder Baum zum Beispiel bringt definitiv etwas.“ Insofern sehen die Grünen einen Tropfen auf den heißen Stein in der Initiative, dass 100 Stadtbäume mit Wassersäcken zur Tröpfchen-Wässerung ausgestattet wurden. Das sei nur jeder 400. aller Jenaer Bäume. Bedenklich finden es die Grünen zum beispielsweise auch, dass beim KSJ wegen Urlaubs Mitarbeiter fehlen, um das Bäume-Gießen (unsere Zeitung berichtete) im eigentlich nötigen Zwei-Schicht-System abzusichern.

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