Jena: Der Berg-Ahorn stirbt in Raten

Jena  In der Rudolstädter Straße sind die Folgen des winterlichen Streusalz-Einsatzes zu sehen. Hoffen auf robustere Neupflanzungen.

Braune, welke Blätter sind an den verbliebenen Berg-Ahorn-Bäumen in der Rudolstädter Straße zu sehen.

Braune, welke Blätter sind an den verbliebenen Berg-Ahorn-Bäumen in der Rudolstädter Straße zu sehen.

Foto: Thomas Beier

Für die Berg-Ahorn-Bäume in der Rudolstädter Straße hat der Herbst lange schon begonnen. Es könnte ihr letzter Herbst werden. Nicht nur, dass sich die Blätter braun gefärbt haben. Viele Äste sind komplett ohne Laub. Die Entwicklung der Allee wird von Bewohnern der Ringwiese seit Jahren mit Sorge beobachtet. Doch es ist nicht nur der heiße und trockene Sommer, der den Bäumen ihre Vitalität raubt.

„Das winterliche Streusalz ist das größte Problem“, sagt Thomas Ecke, der Baumschutzbeauftragte bei der Stadtverwaltung. Die Rudolstädter Straße ­gehöre zu den am stärksten ­befahrenen Jenaer Straßen, und die Entwässerung auf der ­Ostseite erfolge teils über einen ­Straßengraben. Das ­Oberflächenwasser versickere direkt im Wurzelbereich.

Selbst die zuletzt eher milderen Winter verschafften den Ahornen keine Verschnaufpause. Das Streusalz stresst die Bäume langfristig. Zum einen treten äußerliche Schäden beim direkten Kontakt mit den im Spritzwasser enthaltenen Chloriden auf. Zum anderen bewirkt die Aufnahme des salzreichen Bodenwassers durch die Wurzeln ein Absterben von Zellen im Inneren. Braune, tote Blattränder, so genannte Nekrosen sind die äußerlich sichtbaren Folgen. Wie Thomas Ecke sagt, komme im Falle der Rudolstädter Straße hinzu, dass hier über die Hermann-Löns-Straße streusalzbelastetes Oberflächenwasser ­angespült wird. Denn diese Jenaer Straße besitzt ebenfalls einen erhöhten Winterdienst-Bedarf. Früher konnte man in der Rudolstädter Straße tatsächlich von einer Allee sprechen. Die Baumstümpfe sind vielerorts noch in der Erde zu sehen. Durch das Verschwinden der Baumreihe entstand auf der Ostseite ein Randstreifen, den viele bereits als Straßenbauerwartungsland interpretieren. Baupläne sind aber nicht der Grund für die Baumfällungen.

Mitunter werden auch die Baumpfleger des KSJ von der Geschwindigkeit des Baumsterbens überrascht. Thomas Ecke erinnert sich an das vergangene Jahr, als Bäume im Frühjahr noch gepflegt worden sind, die dann im Herbst ebenfalls Schäden aufwiesen und nicht mehr zu halten waren.

Hoffnungen werden durch Ersatzanpflanzungen geweckt, die Ringwiesenbewohner entlang der Straße sehen. Hierbei handelt es sich um Feldahorn-Bäume, die mit Streusalz wesentlich besser ­zurechtkommen und zudem die innerstädtische Hitze besser vertragen. Für alle Fälle wird ein deutlich größerer Abstand zur Rudolstädter Straße gehalten.

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