Jena: Eiscafé „Melange“ hält im Ordnungsamt die Stellung

Jena.  Das Eiscafé „Melange“ feierte kürzlich seinen 35. Geburtstag. Genauso alt ist das Gebäude, in dem es sich befindet. Die Stadt erwägt den Verkauf des Hauses.

Das städtische Gebäude am Anger 34: Zu den Vorzügen der Immobilie gehört in jedem Fall die verkehrsgünstige und innenstadtnahe Lage.

Das städtische Gebäude am Anger 34: Zu den Vorzügen der Immobilie gehört in jedem Fall die verkehrsgünstige und innenstadtnahe Lage.

Foto: Thomas Beier

Kinder, wie die Zeit vergeht! Vor gut einem Jahr ist die Bußgeldstelle aus dem „Ordnungsamt“ Am Anger 34 ausgezogen. Die Flure stehen immer noch leer, und der Umzugszettel in der Eingangstür vergilbt. Das Eiscafé „Melange“ hält als verbliebener Mieter im Erdgeschoss die Stellung.

Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) teilte auf Nachfrage mit, dass sich die Stadt Jena Gedanken über den Verkauf des Gebäudes macht. Eine abschließende Entscheidung sei noch nicht gefallen. Der über eine Gebäudebrücke mit dem Nachbarhaus verbundene Anger 32 hat bereits eine neue Verwendung gefunden und ist saniert. Das Haus dient als Hotel.

Friedrich Hoppe, der Inhaber des Eiscafés „Melange“, ist über die Gesamtsituation des Gebäudes wenig erbaut. Man müsste etwas unternehmen, um das Gebäude zu erhalten. Es beginnt mit der Fassade und betrifft auch Leitungen. Der Beliebtheit des Lokals tun bauliche Defizite bislang keinen Abbruch. Als „Eiscafé mit Retrocharme, freundlicher Bedienung und selbstgemachtem Eis“ wird das Lokal in einschlägigen Bewertungsportalen gelobt.

Könnte ein noch zu findender Investor großes mit dem Grundstück vorhaben? In einer so genannten Hochpunkt-Studie hat die Stadtverwaltung verschiedene Teile der Stadt auf die Möglichkeit von Hochhaus-Bauten untersucht. Das Areal am nördlichen Anger gehörte zu den Gebieten, in denen hohe Häuser aus stadtplanerischer Sicht möglich wären. So prüften Planer die Idee, den gegenüberliegenden Parkplatz mit einem Hochhaus zu bebauen.

Vis-à-vis dem Spittelplatz gab es in der DDR schon mal ein Café: Der so genannte Café-Tempel war wirklich eine ganz winzige Gastwirtschaft. Die Versorgung mit Bohnenkaffee und Mokka war den Jenaern aber so wichtig, dass nach dem Abriss des Tempels von der Partei der Neubau eines Bürogebäudes in direkter Nachbarschaft bestimmt wurde: In das Erdgeschoss musste zwingend ein Café!

So entstand eine gemütliche „Melange“ im eher nüchternen Haus des damaligen Baukombinatsbetriebes „Industrieprojektierung“. Die Eröffnung war vor ziemlich genau 35 Jahren und Friedrich Hoppe leitete damals das Kollektiv.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.