Jena: Endlich Ruhe für den alten Ulmer

Jena  Stumme Zeugen (32): Denkmal ehrt einen der bedeutendsten Fuchstürmler, Fritz Weimar.

Das Denkmal wurde im September 1901 enthüllt.

Das Denkmal wurde im September 1901 enthüllt.

Foto: Immanuel Voigt

Der 32. Teil unserer Serie beschäftigt sich mit einem Denkmal, das vielen Lesern sicherlich bekannt sein wird, da unsere Zeitung in den letzten Jahren des Öfteren darüber berichtete. Mittlerweile aufgrund von akuter Felsbruchgefahr seines ursprünglichen Platzes beraubt, ist es am neuen Standort recht einfach zu finden. Entweder man wandert auf einem der vielen Wege von der Stadt auf den Hausberg oder fährt mit dem Auto bis zum Parkplatz in der Nähe des Fuchsturmes. Dann ist es nicht mehr weit bis zur Fuchsturmgaststätte. Kurz davor kommt die große Freifläche neben der Brücke, die zum Gasthaus führt. Nicht nur lädt ein grandioser Blick hinüber zum Jenzig und in das Saaletal zum Verweilen ein, nein, auch rechter Hand am Rand des Platzes steht es nun, das Denkmal für Fritz Weimar, der allgemein nur „der Ulmer“ genannt wurde. Man möchte ihm wünschen, dass der alte „Ulmer“ nun endlich seine verdiente Ruhe gefunden hat, da das Denkmal im wahrsten Sinn des Wortes bewegte Zeiten durchlebte. Doch wem ist es eigentlich gewidmet?

Friedrich Weimar wurde am 1. Juli 1827 in Jena geboren und trat bald in die Fußstapfen seiner Vorfahren. Seine Familie war seit dem 18. Jahrhundert als Tuchmacher und Tuchscherer in der Saalestadt ansässig, sodass auch der junge Fritz nach Schule und Lehre bald zum Tuchmachermeister aufstieg und später ebenso Schnittwarenhändler wurde. Sein Geschäft hatte er am Saaltor.

Der Spitzname hat wohl mit Rauchgeräten zu tun

Wie es zu seinem Spitznamen „Ulmer“ kam, ist nicht hundertprozentig sicher, da es mehrere Überlieferungen dazu gibt. Eine Version besagt, Weimar sei häufig auf Geschäftsreisen nach Ulm gefahren und habe von dort für die hiesigen Studenten Tabakpfeifen und andere Dinge mitgebracht. Eine andere Geschichte, die der Chronist der Fuchsturmgesellschaft, Carl Böttger, 1883 überlieferte, geht in eine ähnliche Richtung. Wieder dreht es sich um Ulmer Pfeifenköpfe, die sich vermeintlich in der Familie Weimar großer Beliebtheit erfreut haben sollen. Demnach sei schon der Großvater von Fritz Weimar „Ulmer“ aufgrund seines Tabakkonsums aus eben jenen Pfeifen genannt worden sein. Der Name sei dann schlicht weitervererbt worden, was sich unter anderem auch an der Tatsache feststellen lässt, dass Fritz Weimar in den Gästebüchern des Fuchsturmes des Öfteren mit „Ulmer III“ unterschrieben habe. Wie dem auch sei, der Spitzname ist wohl den Rauchgeräten aus Ulm, das im 19. Jahrhundert ein Zentrum der Holzpfeifenherstellung war, geschuldet.

Nachdem sich die Fuchsturmgesellschaft im Jahr 1861 gegründete hatte, war Fritz Weimar einer der bis dato bedeutendsten Förderer des Vereins. Ihm war viel daran gelegen, nicht nur die Erschließung des Hausberges, sondern auch den Ausbau des Areals rund um den Fuchsturm voranzutreiben. Auf seine Initiative hin wurde 1868 ein erstes kleines Haus neben dem Turm gebaut, das wiederum dank seiner finanziellen Förderung 1874 und 1878 erweitert werden konnte. Es verwundert deshalb nicht, dass ihm die Gesellschaft schon 1881, anlässlich seines 54. Geburtstages einen Gedenkplatz am „Marienblick“ widmete, der fortan „Ulmers Ruh“ hieß und von einer Porzellanplakette mit dem Konterfei Weimars geziert wurde. Aber schon in jenen Jahren konnte sich wohl nicht jeder mit dem Gedanken anfreunden, die Plakette einfach in ihrem Zustand zu belassen, sodass sie ein Jahr später bereits zerstört wurde. Später wurde eine Metalltafel mit der Inschrift „Ulmers Ruh / d. 1. Juli 1881“ hier angebracht. Nachdem Fritz Weimar am 8. November 1896 mit 69 Jahren gestorben war, hängte man zu seinem Gedächtnis wohl neben besagte Tafel eine Fotografie von ihm, die hinter einer Glastafel angebracht war. Aber auch sie erlitt mehrfach durch „Bubenhände“ Beschädigung, wie das „Jenaer Volksblatt“ zu berichten weiß, sodass der Plan für ein richtiges Denkmal immer stärker in den Fokus der Fuchstürmler geriet. Am 23. September 1901 war es dann soweit. Direkt neben der Metalltafel sollte das neu geschaffene Denkmal enthüllt werden. Wie die Jenenser Zeitungen übereinstimmend berichten, herrschte „herrlichstes Wetter“ und ein großer Andrang, wie er „bei früheren Fuchsturm-Festlichkeiten noch nicht dagewesen“ sei. Die Feiergemeinde traf sich an jenem Tag gegen halb vier Uhr nachmittags auf der „Wilhelmshöhe“ und stieg dort den kurzen Weg bis zum einstigen Denkmalsplatz (heute weiß-blau-weißer Weg, bis kurz unterhalb des Fuchsturmes, aber seit 2017 wegen Steinschlaggefahr gesperrt) empor. Eine Musikkapelle lief voran und begleitete die Gesellschaft mit lustigen Liedern. Am besagten Ort angekommen, befand sich das Denkmal noch unter seiner Hülle. Es wurden anschließend mehrere Reden auf Fritz Weimar gehalten, die sein Verdienst würdigten, unter anderem sprach der Burgkaplan Otto Engau. Schließlich fiel die Hülle, und das Publikum sah zu oberst an der Felswand eine Bronzeplatte, die das Bild Fritz Weimars zeigte. Der Entwurf dazu stammte vom bekannten Jenaer Bildhauer Otto Späte. Darunter war eine weitere Plakette mit der Aufschrift „Fritz Weimar [dem Ulmer] die Fuchsturmgesellschaft 1901“ angebracht. Nach weiteren Reden und Kranzniederlegungen – unter anderem war eine Abordnung des Fremdenverkehrsvereins vor Ort – wanderten die Menschen zum Fuchsturm empor und ließen dort den Tag in einem launigen Abend ausklingen.

Die Folgejahre brachten dem alten „Ulmer“ allerdings noch nicht die ersehnte Ruhe. Während der großen Inflation 1923 wurde sein „Gesicht“ gestohlen und erst anlässlich seines 100. Geburtstags wiederhergestellt. Nach etlichen Jahren kam dann wieder „Bewegung“ in das Denkmal. Als positives Ereignis ist für das Jahr 2001 festzuhalten, dass der Bereich rund um „Ulmers Ruh“ als Naturdenkmal von der Stadt Jena unter Schutz gestellt wurde. Nachhaltig negativ wirkten sich dann aber die Felsstürze 2008, 2012 und schließlich 2016 aus, die dafür sorgten, dass der Wanderweg zur „Ulmers Ruh“ mehrfach beziehungsweise seit dem letzten Abbruch nun wegen Steinschlaggefahr vorerst dauerhaft gesperrt ist. Nach 116 Jahren musste der alte „Ulmer“ nun auch noch umziehen, da man von Seiten der Fuchsturmgesellschaft Ende April 2017 beschloss, die Tafeln am ursprünglichen Ort zu entfernen und sie dann am neuen Standort wieder aufzustellen, was am 18. November desselben Jahres geschah. Jene Plakette von 1881 wurde allerdings nicht wieder angebracht. Hoffen wir also, dass Fritz Weimars Denkmal nun von weiteren Naturgewalten und Zerstörungen verschont bleibt.

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