Jena: Erlebnis-Museum für alle erreichbar und begreifbar machen

Jena.  Gegründet hat sich ein Runder Tisch für die Ausgestaltung des Deutschen Optischen Museums. Barrierefreiheit und Inklusion sollen gesichert werden.

Gründungsdirektor Timo Mappes im alten Hörsaal der Augenoptikerschule. Die Bänke stammen aus den 1920er Jahren und sollen nun originalgetreu aufgemöbelt werden.

Gründungsdirektor Timo Mappes im alten Hörsaal der Augenoptikerschule. Die Bänke stammen aus den 1920er Jahren und sollen nun originalgetreu aufgemöbelt werden.

Foto: Michael Groß

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Seit dem Sommer ist die Tür zum Optischen Museum am Carl-Zeiß-Platz geschlossen. Und das für rund vier Jahre. Erst 2023 wird es neu eröffnet – dann als Deutsches Optisches Museum mit Alleinstellungsmerkmal in Deutschland. Dessen ist sich Timo Mappes sicher. Er ist der Gründungsdirektor des Deutschen Optischen Museums, kurz D.O.M. genannt. Der Professor für Geschichte der Physik mit Schwerpunkt Wissenschaftskommunikation an der Friedrich-Schiller-Universität Jena will mit seinem Team ein interaktives Erlebnis-, Forschungs- und Leitmuseum der Optik aufbauen, das nicht nur größer als das alte Museum sein soll, sondern auch anschaulicher und differenzierter. Deshalb wird ein „Design für alle“ angestrebt.

Einen guten Schritt in dieser Richtung hat man jetzt mit der Gründung des „Roundtable D.O.M. für Alle“ gemacht. Dazu unterzeichnete Mappes eine Kooperationsvereinbarung mit Vertretern des Saale-Betreuungswerkes der Lebenshilfe, des Internationalen Büros der Jenaer Universität, des Vereins Kindersprachbrücke, des Jenaer Seniorenbüros und des Regionalzentrums für Begabtenförderung Ostthüringen sowie mit dem Behindertenbeauftragten der Stadt Jena. So soll das künftige Museum barrierefrei gestaltet sein und auch Angebote der Inklusion für Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung bereithalten. Aber auch unterschiedliche Bedürfnisse will man ansprechen. So sollen Kinder und Jugendliche ebenso mit speziellen Angeboten erreicht werden wie Senioren, aber auch Wissenschaftler, Touristen und ausländische Besucher.

Mitmachen bei Online-Umfrage

Dafür bittet Mappes auch um die aktive Mitwirkung der Jenaer Bevölkerung. Sie kann sich jetzt an einer Online-Umfrage, die bis Ende des Jahres freigeschaltet ist. Die dabei eingebrachten Anregungen sollen einfließen in das Konzept des künftigen Museums.

Einige kleine Ausblicke in die museale Zukunft am Carl-Zeiß-Platz gab der Gründungsdirektor schon mal. Allein für acht Millionen Euro soll das Haus saniert werden, mit der Ausstattung sogar 12 Millionen Euro. Integriert wird im Museum ein Shop und ein Café. Der alte Hörsaal der einstigen Optikerschule im Gebäude soll so gestaltet werden, wie er in den 1920er Jahren ausgesehen hat, betont Mappes. Sogar die Vertiefungen in den Bänken, die einst für die Tintenfässchen da waren, sollen wieder in die Horsaal-Möbel eingearbeitet werden. In den Ausstellungsbereichen werde viel auf Bildung durch Erlebnis-Effekte, auf Mitmach-Möglichkeiten, aber auch auf Überraschendes und Unterhaltsames gesetzt.

Verbindungsbau entsteht zum Volkshaus

Durch den geplanten Verbindungsbau zum Volkshaus entsteht auch ein neuer Probensaal für die Jenaer Philharmonie. Dieser Saal werde bis zu 200 Besucherplätze erhalten und kann für gemeinsame Veranstaltungen von Orchester und Museum genutzt werden. Außerdem ist ein Schaudepot im Museum vorgesehen, in dem Stücke zu sehen sind, die nicht in der aktuellen Ausstellung präsentiert werden.

Zum Bestand des 1922 gegründeten Museums gehören derzeit beachtliche 20.000 Objekte aus 700 Jahren. Allein 1200 Mikroskope und 1500 Guckkastenbilder sind dabei. Dazu auch noch jede Menge Brillen, Fotoapparate, Teleskope, Grafiken und Gemälde sowie etwa 5000 Bände einer historischen Bibliothek.

Aber auch das sollte nicht unerwähnt bleiben: Das zurzeit geschlossene Museum macht keine Pause bei der Wissensvermittlung. Die wird fortgeführt durch mobile Formate, mit denen Schulen und andere Bildungseinrichtungen auf Wunsch besucht werden können. Dabei erhofft sich das Museumsteam auch Anregungen fürs neue Museumskonzept.

Mitmachen bei der Umfrage: www.deutsches-optisches-museum.de. Anregungen und Fragen auch an roundtable@deutsches-optisches-museum.de oder unter 03641/47 26 444 bei Ulrike Lötzsch

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