Jena: Förderer plötzlich „schulfremd"

Jena.  Keine Nachmittagsbetreuung mehr für 5./6. Klassen wegen Auslegung von Corona-Auflagen.

Versperrt bleibt der Eingang der Lobdeburgschule für Mitarbeiter der Freizeitagentur. Astrid Bartsch, eine Mutter, Schulleiterin Sylke Dziomber und Freizeitagentur-Chefin Yvonne Eckhardt (von rechts) finden das nicht gut.

Versperrt bleibt der Eingang der Lobdeburgschule für Mitarbeiter der Freizeitagentur. Astrid Bartsch, eine Mutter, Schulleiterin Sylke Dziomber und Freizeitagentur-Chefin Yvonne Eckhardt (von rechts) finden das nicht gut.

Foto: Michael Groß

So richtig sauer sind Eltern, Lehrer und vor allem Kinder in diesem November an drei Jenaer Schulen: Denn ihnen wurde durch die Auslegung von Corona-Auflagen durch Land und Stadt die Nachmittagsbetreuung genommen. Konkret geht es um 5. und 6. Klassen der Lobdbeburgschule sowie des Adolf-Reichwein- und des Angergymnasiums.

Anmeldezahlen sprechen für das Nachmittagsangebot

Dort bietet seit Jahren die Freizeitagentur „teens freetime“ eine Schülerbetreuung in den Nachmittagsstunden für diese Klassenstufen an. Doch mit dem im November begonnenen Teil-Lockdown dürfen die Mitarbeiter der Agentur nicht mehr die Schulen betreten, weil sie als „schulfremde Personen“ gelten.

Dabei sind die Eltern von diesem Nachmittagsangebot begeistert. Die Anmeldezahlen sprechen für sich. An den drei Schulen machen insgesamt 115 Mädchen und Jungen derzeit mit, allein 53 an der Lobdeburgschule.

Eine der betroffenen Mütter ist Astrid Bartsch. Ihre Tochter habe das Angebot an der Lobdeburgschule sehr gern genutzt. Dieses Modell sei durchaus auch für andere Schulen empfehlenswert. Schließlich sei der Übertritt von der Grundschule in die 5. Klasse eine nicht so einfache Übergangsphase: „Keine Hortbetreuung mehr, und nicht alle Kinder von zehn bis zwölf sind gleich so selbstständig. Außerdem können sich nicht alle Eltern nach dem Unterricht gleich um ihre Kinder kümmern, weil sie berufstätig sind, Schichtarbeit leisten oder auch in der Gastronomie tätig sind. Unter den Kindern findet sich ein großer Teil, der vom Lernen in Kleingruppen absolut profitiert. Unsere Kinder werden auf diese Weise nicht allein gelassen.“

„Betreut werden die Kinder von drei Angestellten der Freizeitagentur, die alle soziale Erfahrungen haben, sowie von 14 Lehramts-Studenten, die ein gutes Verhältnis zu den Schülern haben“, berichtet Agentur-Chefin Yvonne Eckhardt nicht ohne Stolz. Das meint auch die Leiterin der Lobdeburgschule, Sylke Dziomber. Sie ist froh über dieses Angebot, das sich in den 5. und 6. Klassen sehr förderlich auswirke. Es wäre gut, wenn man bald weitermachen könne mit der Nachmittagsbetreuung.

„Wir wollen einfach eine Gleichstellung“

Hierbei machen die Kinder gemeinsam unter Anleitung Hausaufgaben und können anschließend unter mehreren Arbeitsgemeinschaften wählen wie etwa Tastschreiben, Experimentieren und sportliche Betätigung. Die Freizeitagentur biete auch in den Ferien eine Betreuung an. Dann geht es mehr um Exkursionen in Tierparks, Wanderungen, Baden, Spiel und Spaß.

Der Unmut resultiert auch bereits aus mehreren Unterbrechungen der Nachmittagsgestaltung. Im März kam wegen Corona schon einmal das Aus, dann ging es kurz vor den Sommerferien noch einmal los. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres starteten die Offerten für die 5. und 6. Klasen neu. Doch nun ist man erneut ausgebremst worden. Der Grund dafür leuchtet Eltern und Schülern wahrlich nicht ein. „Wir wollen einfach eine Gleichstellung“, sagt Yvonne Eckhardt und verweist darauf, dass ja Musikschulen und Sportvereine ihre Angebote für Kinder trotz Corona aufrecht erhalten dürfen. Außerdem werden die Kinder in den Nachmittagsgruppen nicht neu gemischt, sondern verbleiben in ihren Klassenstrukturen. Man fordert nun baldige Nachbesserungen von Land und Stadt, damit Schüler in diesem Übergangsalter nicht allein gelassen werden.