Jena: Innovativer Farbstoff macht Händedesinfektion sichtbar

Jena  SPD-Politiker Christoph Matschie sieht Pink.

Christoph Matschie (rechts) hat die pinkfarbene Händedesinfektion gerade aufgetragen, Ute Weiland eine Minute früher. Bei Robert Hellmundt hat die Wirkung nach zwei Minuten bereits nachgelassen.

Christoph Matschie (rechts) hat die pinkfarbene Händedesinfektion gerade aufgetragen, Ute Weiland eine Minute früher. Bei Robert Hellmundt hat die Wirkung nach zwei Minuten bereits nachgelassen.

Foto: Conni Winkler

Das Jenaer Unternehmen Heyfair hat einen innovativen Farbstoff für Händedesinfektion entwickelt und will perspektivisch ein Labor mit 20 Mitarbeitern aufbauen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Christoph Matschie besuchte am Freitag das Start-up-Unternehmen.

Er war durch den Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“, einer Initiative der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft, auf die Preisträger aufmerksam geworden. Ute Weiland vom „Land der Ideen“ testete gemeinsam mit Matschie die Wirkung des Farbstoffs.

Der innovative Farbstoff für Desinfektionsmittel macht die Handhygiene sichtbar. „Mit unserer Technologie zur kurzzeitigen Visualisierung der Händedesinfektion schaffen wir erstmals die Möglichkeit, fehlerhafte Handhygiene vor Augen zu führen“, sagte Geschäftsführer Robert Hellmundt.

Wie notwendig das ist, erläuterte er an ein paar Zahlen: 30 bis 80 Prozent des Pflegepersonals vergessen die Handdesinfektion. 52 bis 93 Prozent der Anwendungen erfolgt nur lückenhaft. Fingerspitzen, Daumen und Fingerzwischenräume werden oft nur unzureichend desinfiziert. Dazu kommt, dass im Durchschnitt nur 1,7 Milliliter Desinfektionsmittel benutzt werden. Für eine ausreichende Desinfektion sind aber 3 Milliliter von Nöten. 90 Prozent aller Infektionen werden durch Hände übertragen.

Robert Hellmundt entwickelte die Idee zusammen mit Alexander Döpel. Beide studierten an der Bauhaus-Universität Weimar Visuelle Kommunikation. Da stellt sich die Frage, wie man auf eine solche Idee aus dem Bereich der Chemie kommt. Fachübergreifend zu denken, sei eine wichtige Fähigkeit, zu der sie an der Bauhaus-Universität angeregt worden seien. „Wir haben uns einfach gefragt, warum bei so etwas Wichtigem so viele Fehler passieren“, sagte Döpel, und so seien sie schnell auf die Sichtbarmachung gekommen.

2015 haben sie das Patent dafür angemeldet. „Der Farbstoff ist natürlich streng geheim“, sagte Hellmundt unserer Zeitung. Er verriet nur so viel, dass es sich um einen überall vorhandenen und von Menschen täglich verzehrten Naturfarbstoff handele, der völlig unbedenklich sei. „Er wird auf der Haut vollständig zersetzt.“ Das Pink auf der Haut verschwindet parallel zur nachlassenden Desinfektionswirkung innerhalb von zwei Minuten vollständig.

Als erstes wird eine Schulungslösung in die praktische Anwendung gehen. Durch die Sichtbarmachung erlernen die Anwender sicherer als je zuvor, wie eine gründliche Händedesinfektion zu erfolgen hat. „Wir haben schon Schulungen von Pflegepersonal durchgeführt. Spaß und Aha-Effekt machen diese erst richtig erfolgreich“, sagte Alexander Döpel.

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