Jena schwelgt in Erinnerung: Wartburg-Story mit Verspätung

Jena.  Theaterhaus Jena startet in die Spielzeit mit einem Stück über die legendäre Theaterkneipe

Elisa Ueberschär präsentiert als Mitarbeiterin das Brigadebuch der Gaststätte "Zur Wartburg".

Elisa Ueberschär präsentiert als Mitarbeiterin das Brigadebuch der Gaststätte "Zur Wartburg".

Foto: Michael Groß

Nun klappt es doch noch, wenn auch ein gutes halbes Jahr später als geplant. Denn die Premiere des Stücks „Zur Wartburg“ sollte eigentlich am 3. April am Theaterhaus Jena sein. Doch Corona warf den Spielplan völlig über den Haufen. Seit Mitte März war Pause auf der Bühne. Damit ist nun endlich Schluss. Am Donnerstag eröffnet das Theaterhaus seine Spielzeit mit der im Frühjahr abgeblasenen „Wartburg".

Dafür haben die Theaterleute die Bühne in genau jene legendäre Kneipe mit konserviertem DDR-Flair verwandelt, die ihr Wirt Rolf Ryszewski erst im vorigen Jahr abgegeben hat. So erstand die alte Kneipe im Original wieder auf der Bühne neu. Die komplette Theke aus der Gaststätte „Zur Wartburg“ wurde aufgebaut, nebst dem berühmten Streifen-Speiseplan. Auch der röhrende Hirsch, jenes unverwechselbare Outfit dieser Kneipe, grüßt von der Wand, allerdings nicht mehr solo, sondern als Rudel.

Ja, und dann fehlen auch andere Requisiten aus längst vergangenen Tagen nicht, wie etwa das Brigadebuch des einstigen Gaststätten-Kollektivs oder eine Urkunde, die das Lokal für die vorbildliche Erfüllung des Versorgungsauftrages erhalten hatte. Nur eines ist etwas anders: Im Gegensatz zur früher stets knallvollen Gaststätte sitzt an jedem Tisch nur ein Gast, gewissermaßen eine Konzession an die aktuelle Corona-Lage.

Auf der gleichen Ebene sitzt übrigens das Publikum, ebenfalls brav separiert an Zweier-Tischen und einigen Stühlen mit dem nötigen Abstand. Gut die Hälfte der sonstigen Zuschauerzahl kann damit erreicht werden. Es gibt auch keine Abendkasse. Alle Tickets müssen online gebucht werden. Und das sollte man schnell tun. Denn für Oktober sind bereits alle Vorstellungen ausverkauft.

„Wir haben noch nie im Vorfeld so viele Gespräche mit den Jenaern geführt", sagt Regisseur Walter Bart vom Theaterteam „Wunderbaum". Man habe wissen wollen, wie das war und was so viele Menschen mit dieser urwüchsigen Kneipe verbunden hat. Die Begegnungen, die Sorgen, Glücksmomente und Diskussionen von höchst verschiedenen Menschen, sowohl von der Herkunft als auch vom Alter her, habe man versucht zusammenzuführen wie in einem gesellschaftlichen Schmelztiegel, der ja eine Kneipe auch immer sei. So wollte das Theaterteam kein rein dokumentarisches Spiel auf die Bühne bringen, sondern auch zeigen, wie eine Kneipe, die es überall geben kann, ein gesellschaftliches Abbild ist und dass sie sich auch dazu eignet, dass Menschen mit verschiedenen Meinungen ins Gespräch kommen können. Fürwahr ein guter Ort dafür.

Premiere am Donnerstag, 15. Oktober, weitere Vorstellungen : 16., 17., 23. und 24. Oktober, sowie am 3., 4., 5., 10., 11., 12., 22., 23., 27., 28. und 29 Dezember, jeweils 20 Uhr