Jena: Tag der offenen Tür bei den Erforschern von Tierseuchen

Jena  Das Friedrich-Loeffler-Institut in Jena erhält einen Neubau für 98 Millionen Euro.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Jena leitet Christian Menge (links). Den geplanten Neubau stellt er am heutigen Sonnabend gemeinsam mit FLI-Präsident Thomas C. Mettenleiter vor, der sonst vom Hauptsitz auf der Insel Riems die insgesamt elf FLI-Standorte koordiniert.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Jena leitet Christian Menge (links). Den geplanten Neubau stellt er am heutigen Sonnabend gemeinsam mit FLI-Präsident Thomas C. Mettenleiter vor, der sonst vom Hauptsitz auf der Insel Riems die insgesamt elf FLI-Standorte koordiniert.

Foto: Katja Dörn

Das Friedrich-Loeffler-Institut in der Naumburger Straße öffnet am heutigen Sonnabend für Besucher die Türen. Dabei können sich die Gäste auch über das millionenschwere Neubauprojekt auf dem Gelände informieren. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was erforscht das Friedrich-Loeffler-Institut in Jena?

Das Friedrich-Loeffler-Institut (kurz FLI) ist ein Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Der Standort in Jena mit 130 Mitarbeitern ist einer von insgesamt elf in Deutschland. Er teilt sich auf in zwei Institute: eines für bakterielle Infektionen und Zoonosen (IBIZ) sowie eines für molekulare Pathogenese (IMP). Zoonosen sind Erreger, die zwischen Tier und Mensch übertragbar sind. Die Pathogenese meint die Interaktion zwischen Infektionserreger und Wirt. Mehrere Referenzlabor für Tierseuchen sind zudem in Jena etabliert.

Warum braucht es Referenzlabore?

In den Referenzlaboren werden Tierseuchen für bundesdeutsche Stellen und die Weltorganisation für Tiergesundheit diagnostiziert. Mitarbeiter beraten zudem das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, das im Falle von ausbrechenden Seuchen koordinierende Funktion hat. Zuständig in Thüringen ist das Landesamt für Verbraucherschutz in Bad Langensalza.

War der Jenaer Standort auch für die Erforschung der Vogelgrippe zuständig?

Nein, darum kümmert sich der Hauptsitz auf der Insel Riems bei Greifswald. Dort erforschen Wissenschaftler solche virologischen Krankheiten, erklärt der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, Thomas C. Mettenleiter. In Jena werden bakterielle Infektionskrankheiten von landwirtschaftlichen Nutztieren erforscht und bekämpft. Besonderes Augenmerk liegt dabei zunehmend auf antibiotika-resistenten Erregern.

Welche Tiere werden in Jena gehalten?

Die Wissenschaftler forschen an Großtieren wie Schweinen, Schafen, Ziegen, Rindern und Geflügel sowie an kleinen Labortieren wie Mäusen und Kaninchen.

Warum braucht es einen Neubau in Jena?

Das geplante Haus ist ein Forschungs- und Laborgebäude, in dem Tiere der Schutzstufen 2 und 3 gehalten werden. Das jetzige dafür dienende Gebäude soll abgerissen werden.

Was kostet das neue Gebäude und wer bezahlt es?

Präsident Mettenleiter rechnet mit Baukosten von 98 Millionen Euro. Dieser Betrag wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft getragen, in dessen Geschäftsbereich das FLI fällt. Baubeginn ist voraussichtlich im Oktober 2018, im Jahr 2021 soll der Neubau bezugsfertig sein.

Was bedeuten die Schutzstufen im Neubau?

Die Schutzstufen messen den Gefährdungsgrad: 1 ist die geringste Gefährdung, 4 die höchste, beispielsweise durch Ebola. Unter Schutzstufe 2 fallen Erreger, die für Menschen nicht gefährlich sind. Die in Schutzstufe 3 eingestuften Erreger können auf den Menschen übertragen werden, beispielsweise Rindertuberkulose und Milzbrand, sagt Mettenleiter.

Können Erreger aus dem Institut nach außen gelangen und für Jenaer gefährlich werden?

Der Neubau werde „mit der modernsten Sicherheitstechnik, die es gibt, ausgestattet“, sagt Präsident Mettenleiter. Die Wissenschaftler und Labormitarbeiter müssen Zugangskontrollen durchlaufen, wie es sie auch derzeit schon gibt. Die Erreger werden in abgetrennten Bereichen behandelt und die Abluft über einen Hochleistungsfilter gereinigt.

Damit sei die Wahrscheinlichkeit, dass ein Erreger nach außen dringt, deutlich reduziert. Zudem sei der Neubau nach einem Zwiebelprinzip konzipiert – gebe es eine Störung in einem Bereich, werde diese innerhalb des Gebäudes eingefangen, erklärt der Jenaer Institutsleiter Christian Menge.

Das andere FLI – das Leibniz-Institut für Alternsforschung des Fritz-Lipmann-Instituts – geriet wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz in die Kritik. Könnte das auch am Loeffler-Institut passieren?

Prinzipiell ja, denn die Kriterien für die Arbeit mit Tieren sind gesetzlich die gleichen. Doch Institutsdirektor Mettenleiter weist darauf hin, das im Jenaer Loeffler-Institut ein „eingespieltes System“ vorherrscht. Versuchsziele und die Anzahl der Tiere werden im Rahmen gehalten. „Wir züchten nicht in diesem Umfang“, sagt zudem Christian Menge. Im Leibniz-Institut hatten unter anderem ehemalige Mitarbeiter kritisiert, das mehr Mäuse als nötig gezüchtet wurden.

Was erwartet die Besucher beim Tag der offenen Tür am heutigen Sonnabend, 10 bis 15 Uhr, in der Naumburger Straße 96a?

Die Besucher können das sonst abgesicherte Gelände des Friedrich-Loeffler-Instituts betreten und sich über die Arbeit informieren. Ein Labor mit der niedrigsten Sicherheitsstufe ist begehbar, um den Besuchern den Alltag eines Wissenschaftlers nahezubringen. Vorträge zu Tierkrankheiten werden im Sitzungssaal gehalten, außerdem ist es möglich zu mikroskopieren. Auch für junge Forscher ist ein Programm vorbereitet. Die Ausstellung „Thier­arzneykunst – 200 Jahre Veterinärgeschichte in Jena“ verweist auf den Ursprung der Erforschung der Tiergesundheit. Das Jenaer Institut wurde 1954 eröffnet.