Jenaer Denkmal erinnert an couragierten Naturforscher

Jena  Stumme Zeugen (29): Denkmal für Professor Oken, der für Pressefreiheit eintrat.

Foto: Immanuel Voigt

Das Denkmal, mit dem sich der 29. Teil unserer Serie beschäftigt, ist ohne größere Probleme zu erreichen, steht es doch an der Jenenser „via triumphalis“, dem Fürstengraben. Gewidmet ist es einem couragierten Professor, der sich vehement für die Pressefreiheit einsetzte, in einer Zeit als diese nicht selbstverständlich war. Sein Name: Lorenz Oken. Er verbrachte etliche Jahre seines Lebens in Jena, aber wie kam unsere Stadt zu seinem Denkmal?

Der spätere Mediziner, Naturphilosoph, Biologe, Anatom und Physiologe wurde am 1. August 1779 im badischen Bohlsbach (heute zu Offenburg gehörend) als Sohn von Bauersleuten geboren. Dank der frühen Bildung durch den Dorflehrer und den Pfarrer des Ortes konnte Lorenz Oken anschließend das Franziskaner-Gymnasium in Offenburg erfolgreich besuchen.

Im Wintersemester 1800 begann er in Freiburg sein Medizinstudium, das er 1804 als Dr. med. abschloss. Nach seiner Promotion ging er an die Universität Würzburg, um sich dort zu habilitieren. Nur ein Semester später wechselte Oken an die Universität Göttingen und habilitierte sich dort. Anschließend gab er bis 1807 Vorlesungen als Privatdozent. 1807 verfügte Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach Okens Berufung als außerordentlichen Professor für Medizin an die Jenaische Universität. 1812 erhielt der Badener hier eine ordentliche Professur für Naturgeschichte. Auch privat verwob sich Oken mit Jena, als er 1814 Louise Stark, die Tochter des Jenenser Mediziners Johann Christian Stark heiratete, der auch der Leibarzt der Herzogin Anna Amalia und des Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach war.

Am 1. August 1816 gründete Oken die Zeitschrift „Isis“, in Anlehnung an die ägyptische Gottheit, deren Herausgeber er war. Dieses international ausgerichtete Organ nahm aus fast allen wissenschaftlichen Disziplinen Beiträge auf und streute immer wieder auch politische Statements in die Ausgaben.

Am Wartburgfest 1817 teilgenommen

Oken reagierte damit in gewisser Weise auf die Pressefreiheit, die Großherzog Carl August im Frühjahr 1816 in einer liberalen Verfassung für sein Territorium festgeschrieben hatte. Dies hatte zur Folge, dass es schon bald zu Prozessen gegen die „Isis“ und damit auch gegen Oken kam. Der ließ sich davon aber nicht abschrecken und trat weiterhin für die Pressefreiheit ein. 1817 nahm er am Wartburgfest teil und schrieb darüber auch einen Artikel in seiner Zeitschrift, der ihm prompt wegen „Verunglimpfung deutscher Regenten und Regierungen und Beschimpfung auswärtiger Amtsbehörden“ sechs Wochen Gefängnis einbrachte.

Die Entwicklung gipfelte im Frühjahr 1819, nachdem Oken neuerlich angeklagt wurde, darin, dass der Großherzog Carl August den widerspenstigen Professor vor die Wahl stellte: Entweder die „Isis“ werde gänzlich eingestellt, oder Oken solle auf seine Professur verzichten. Der Gelehrte entschied sich konsequent für letzteres und verlor damit seine Stelle an der Universität in Jena. Nach einem Forschungsaufenthalt in Paris folgte ein Semester an der Universität Basel 1822/23. Zuvor hatte Oken 1822 die „Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte“ gegründet. Anschließend lehrte er zwischen 1826 und 1832 an der Universität in München und ging schließlich als ordentlicher Professor für Naturgeschichte, Naturphilosophie und Physiologie des Menschen an die neugegründete Universität in Zürich, deren erster Rektor er wurde. Hier starb er mit 72 Jahren am 11. August 1851.

Schon kurz nach dem Tod Okens initiierten der Jenaer Medizinprofessor Dietrich Georg Kieser, ein bedeutender Arzt und Jugendfreund Okens, Professor Emil Huschke, ebenfalls aus Jena, und Professor Friedrich Wilhelm Theile aus Bern den Plan, dem verstorbenen Freund ein Denkmal zu widmen. Es sollte nicht irgendwo stehen, sondern genau in Jena. Der Grund ist vor allem darin zu sehen, dass nach der gescheiterten bürgerlichen Revolution von 1848/49 wiederum eine reaktionäre Zeit einsetzte, die Okens Geist und seinem Kampf für Pressefreiheit entgegenstand. Darüber hinaus wollte man natürlich auch seine Lehrtätigkeit und Forschung würdigen.

Ganz unumstritten war die Idee allerdings nicht, denn schon 1852 war die Büste fertiggestellt. Der Bronzeguss kostete 1600 Reichstaler und wurde durch Spenden finanziert. Entworfen hat sie der berühmte Berliner Bildhauer Friedrich Drake, der viele monumentale Büsten und Statuen schuf, unter anderem die Viktoria auf der Berliner Siegessäule. Jena besitzt übrigens noch weitere Denkmäler aus Drakes Hand, dazu bald mehr. Aber zurück zu Oken. In Weimar war man aus verständlichen Gründen der Sache nicht gewogen und versuchte die Aufstellung der Büste so lange als möglich hinauszuzögern. Ursprünglich hätte das Oken-Denkmal auf dem Eichplatz stehen sollen, auch in der Verbindung Okens zur „freien Eiche“. Dies wurde aber abgelehnt, sodass die Büste zunächst in der Aula der Universität provisorisch aufgestellt und erst 1857 an ihren heutigen Platz kam. Aus einer Notlösung – man wollte Oken innerhalb der alten Stadt kein Denkmal setzten – wurde der Beginn der „via triumphalis“ am Fürstengraben. Zugleich war dieses Denkmal das erste Portrait-Denkmal im öffentlichen Raum der Saalestadt. Die Inschrift „Lorenz Oken / 1779 – 1851 / Bedeutender Naturwissenschaftler / Bürgerlicher Demokrat / 1807 – 1819 Prof. in Jena / Emigrant / 1833 erster Rektor Univ. Zürich“ kam später hinzu.

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