Jenaer E-Busse haben ersten Wintertest gut überstanden

Jena  Draußen Minusgrade, drinnen mollig warm, und dann noch einen Berg hinauf: Reicht die Batteriekapazität der E-Busse aktuell in Jena?

Ein E-Bus des Jenaer Nahverkehrs biegt vom winterlichen Rautal kommend in die Schützenhofstraße ein. Jetzt gilt es, ganz langsam zu fahren, damit das Heck beim Abbiegen nicht aufsetzt.

Ein E-Bus des Jenaer Nahverkehrs biegt vom winterlichen Rautal kommend in die Schützenhofstraße ein. Jetzt gilt es, ganz langsam zu fahren, damit das Heck beim Abbiegen nicht aufsetzt.

Foto: Thomas Beier

Den ersten Jenaer Elektro-Bussen schlug bei der Indienststellung vor knapp einem Jahr auch Skepsis entgegen. Reicht die Batteriekapazität im Winter, um den Berg in der Closewitzer Straße zu erklimmen? Und ist es den Fahrgästen im Bus bei frostigen Außentemperaturen warm genug?

„Die E-Busse haben den ersten Wintertest gut überstanden“, berichtet Anja Tautenhahn vom Jenaer Nahverkehr. Weder Kälte noch Schnee hätten Betrieb und Reichweite der Batterien negativ beeinflusst. Die Jenaer „Berge“ wurden von den Bussen mit ihren wintertauglichen Reifen – sie tragen ein Alpine-Symbol – problemlos gemeistert, heißt es. „Insofern starten wir zuversichtlich ins neue Jahr, auch wenn der Wetterbericht bereits die nächsten Schneeflocken und Minusgrade ankündigt.“

Sparmodus bei niedrigen Temperaturen

Eine Kurzumfrage unter Fahrgästen bestätigte am Montag den Eindruck. „Zu kalt ist es mir noch nicht im Bus gewesen“, berichtete Annegret Weber im Stadtzentrum. Zu warm war es der Seniorin allerdings auch noch nicht. Nach ihrem Eindruck fahren die Busse sehr zuverlässig auf der Linie 15. Es gebe keine Ausfälle. Eine ihrer Bekannten, die am Schlegelsberg wohnt, sei etwas neidisch. Sie würde ebenso gern im elektrischen Bus ins Stadtzentrum fahren. Bergauf sei es in der Linie 14 sehr laut.

Bei niedrigen Umgebungstemperaturen schaltet der Bus in den Sparmodus, um den Mehrverbrauch der elektrischen Wärmepumpe zu begrenzen. „Die Innentemperatur wird leicht abgesenkt, um ein situationsangepasstes Behaglichkeitsgefühl zu erreichen“, heißt es beim Hersteller Mercedes. Ganz praktisch bedeutet dies, dass die Jenaer im Bus die Jacke meistens zulassen.

Nach Angaben des Busherstellers bei der Jungfernfahrt im Februar 2020 kann der Energiebedarf bei Minusgraden im ungünstigsten Fall um 50 Prozent steigen. Um die Reichweite von 150 Kilometer selbst bei starkem Frost zu garantieren, sind die Busse mit einer Diesel-Zusatzheizung ausgerüstet. Profitieren tun vor allem Fahrgäste, die einen Sitzplatz neben den Konvektoren ergattern. Dort können sie sich dann die Füße wärmen, wenn die Heizung anspringt. Das passiert aber nur selten.

Auch fürs Handyladen im Bus reicht's

Jeder der drei Busse kostete etwa 690.000 Euro. Das Land fördert die Anschaffung und Infrastruktur-Investitionen zu 80 Prozent. Der Jenaer Nahverkehr möchte in den nächsten Jahren seine gesamte Busflotte auf Elektro-Anrieb umstellen. Anfangs waren Jena und Bad Langensalza die einzigen Thüringer Städte, in denen E-Busse fuhren. Inzwischen haben auch Eisenach und Nordhausen welche. Weitere Städte sollen folgen. Bis Ende 2021 sollen thüringenweit 21 E-Busse rollen.

Noch einmal zum Winterbetrieb der Linie 15. Trotz stark beanspruchter Batterien wird der Jenaer Nahverkehr nicht knausrig bei der Energieabgabe an den USB-Ladebuchsen an den Sitzen im Fahrgastraum. Vielfahrer mit Smartphone berichten, dass der Ladestrom auch im Winter ausreicht, um den Akku um einige Prozent nachzuladen. Passiert das täglich im Bus, können da mehrere Cent pro Jahr an privater Energie-Ersparnis zusammenkommen.