Jenaer Weihnachtsbäume als Dünger im Kleingarten

Jena  Heute und morgen werden in Jena die Weihnachtsbäume entsorgt – manchmal sind sie noch komplett geschmückt

Thomas Reschke, Betriebsleiter der Gemes Entsorgungsanlage in Schöngleina zeigt, wo die KSJ-Mitarbeiter die Jenaer Weihnachtsbäume abladen.

Thomas Reschke, Betriebsleiter der Gemes Entsorgungsanlage in Schöngleina zeigt, wo die KSJ-Mitarbeiter die Jenaer Weihnachtsbäume abladen.

Foto: Jördis Bachmann

Jena. Zehn Tonnen Weihnachtsbäume sammelte der Kommunalservice Jena (KSJ) bereits am vergangenen Freitag ein und brachte sie zur Entsorgungsanlage der Gemes nach Schöngleina. Einige Bäume blieben jedoch an den Sammelplätzen in Lobeda-Ost, -West und Winzerla stehen. „Die haben wir nicht mitgenommen, weil sie noch geschmückt waren“, sagt Entsorger Maik Umbreit, nachdem er den großen LKW auf dem Gemes-Abladeplatz entleert hat.

Eine Seltenheit sei das nicht, sagt der Gemes-Betriebsleiter Thomas Reschke. In den vier Jahren, die er bei der Gemes arbeitet, habe er es schon öfter erlebt, dass Weihnachtsbäume komplett geschmückt, mit Kugeln, Lametta und Stern auf der Spitze entsorgt wurden.

Man kann die Bäume auch mit der Biotonne entsorgen lassen

Heute und morgen sind die offiziellen Entsorgungstage des KSJ für Weihnachtsbäume. Dann werden noch einige Tonnen an Tannen zur Gemes gebracht. Wer es bis dahin noch nicht geschafft hat, sich von seinem Weihnachtsbaum zu trennen, der kann in den kommenden Wochen den abgeschmückten Baum gemeinsam mit der Biotonne vor die Tür stellen. „Ab der 10. Kalenderwoche wird diese wieder wöchentlich abtransportiert“, sagt Christian Putzmann von KSJ. „Bis dahin 14-tägig in der geraden Woche.“

Doch was wird aus den Tannenbäumen? Sei der Ladeplatz in Schöngleina voll, komme ein Lohnunternehmer, der den gesamten Ast- und Grünschnitt kleinschreddere. Etwa vier- bis fünfmal im Jahr passiere das. 20 bis 30.000 Kubik werden so pro Jahr gehäckselt. Das geschredderte Material wird dann kompostiert - ähnlich wie der Gartenkompost, nur eben im ganz großen Stil. „Ständig wird Feuchtegrad und Temperatur gemessen. Im Inneren werden es bis zu 80 Grad Celsius“, sagt Reschke. Wenn die Temperatur dann absinkt, muss umgesetzt werden, um den Kompostierungsprozess mit frischem Sauerstoff wieder in Gang zu bringen. „Das Ganze macht man so lange bis die Temperatur nicht mehr ansteigt. Dann ist der Endrottegrad erreicht. Und man hat Grünschnittkompost, der als Dünger im Gewächshaus bestens geeignet ist.“ Das ganze dauert etwa ein halbes bis ein dreiviertel Jahr.

Nicht nur Entsorger sondern auch Händler, der eigenen Produkte

Die Gemes verkauft diese Erde dann wieder. Wer also möchte, kann einen neuen Tannenbaum in die Erde pflanzen, die aus dem alten Weihnachtsbaum geworden ist. „Wir verkaufen viele verschiedene Erden, die aus unterschiedlichen Rottungsprozessen und Materialien entstehen, zum Beispiel Dachbegrünungssubstrate, Koniferen-Erde oder Mehrzweckpflanzerde. Wir sind nicht nur ein Entsorger, sondern bieten unsere Produkte auch an“, sagt Reschke.

Er ärgert sich über Plastik-, Metall- und andere nicht organische Stoffe im Biomüll. „Alles wird sehr gründlich gesiebt, aber man kann nie jedes kleine Stückchen herausholen.“ Wenn Leute sich über ein winziges Plastikteilchen in der Blumenerde beschweren, dann sagt Reschke gern: „Ich habe das da nicht hineingeworfen.“ Wer also seinen Baum heute oder morgen vor die Tür stellt, der sollte ihn doch bitte zuvor abschmücken.