Jenas Bürgerinitiative will auch nach Corona aktiv bleiben

Jena.  Solidarität untereinander ist wichtig. Deswegen haben mehrere Jenaer Bürgerinitiativen ein Netzwerk gebildet und machen klar: "Wir wollen nach der Pandemie nicht einfach wieder verschwinden."

Elena Plage, Oliver Bahl und Julia Gerth (von links) gehören zu den Organisatoren vom Netzwerk der Nachbarschaftshilfe in den Stadtteilen von Jena

Elena Plage, Oliver Bahl und Julia Gerth (von links) gehören zu den Organisatoren vom Netzwerk der Nachbarschaftshilfe in den Stadtteilen von Jena

Foto: Michael Groß

Anderen zu helfen, ist in diesen Wochen der Corona-Pandemie besonders wichtig geworden. Und es gibt überall bemerkenswerte Geschichten von großer Hilfsbereitschaft. All diese tollen Beispiele von Nachbarschaftshilfe in Jena zu vernetzen, um sich austauschen und die ehrenamtliche Arbeit gegenseitig zu befruchten, ist das Anliegen eines sich jetzt formierenden Netzwerks, sagt Elena Plaga. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Die Studentin ist Mitglied der Initiative „Soziales Wohnen", die sich ansonsten in Jena um die Rechte von Mietern kümmert. Sie verweist auf die doch recht unterschiedliche Art und Weise, wie Menschen in Jena von der Pandemie betroffen seien. Entsprechend differenziert seien auch die Bedürfnisse. Das erfordere ein vielfältiges Unterstützungsangebot.

So gibt es im Netzwerk reine Stadtteil-Initiativen wie etwa im Südviertel (Magdelstube), in Wenigenjena (Lutherhaus), in Zwätzen und Löbstedt, Jena-West, Lobeda und Jena-Nord, aber auch arbeitsrechtliche Beratung durch die Basisgewerkschaft FAU (Freie Arbeiter-Union), Mietberatung oder auch die Initiative gegen Einsamkeit, die alleinstehenden Menschen hilft.

Während zum Beispiel der Student Oliver Bahl im Südviertel derzeit einen älteren Mann mit Einkäufen unterstützt, steht die Justiz-Angestellte Julia Gerth von der Initiative Stadtmitte einer jungen Frau zur Seite, die gerade schwanger ist und deshalb verstärkt auf Hilfe angewiesen sei. Es gehe dabei auch um Hilfe im Umgang mit Behörden, Ämtergänge und auch Beratung zu all den Dingen, auf die eine Schwangere auch Anspruch habe

Klaus Engler von der Bürgerinitiative Soziales Wohnen sieht die Bedeutung des Netzwerks so: „Zurzeit organisieren wir innerhalb Neulobedas nachbarschaftliche Unterstützung und wollen die Bewohner damit für den Moment entlasten. Wir koordinieren beispielsweise Botengänge für Risikogruppen und Kinderbetreuung für Eltern, die weiterhin arbeiten müssen."

„Viele Menschen merken jetzt, wie wichtig Solidarität ist“

Aber er macht wie auch die anderen vorwiegend jungen Leute vom Netzwerk klar: „Wir wollen aber nach der Pandemie nicht einfach wieder verschwinden. Denn viele Menschen merken jetzt, wie wichtig Solidarität untereinander ist. Und wir denken, dass nach dem Virus ja noch viel mehr passieren wird: Arbeitslosigkeit und Mietschulden." Da müsse man gemeinsam dranbleiben, damit die Milliardenpakete der Bundesregierung nicht zulasten der kleinen Steuerzahler gehen.

Die engagierten Netzwerker bitten übrigens alle Menschen, eventuelle Hemmungen abzulegen und nach konkreten Hilfsangeboten zu fragen und sie anzunehmen. „Da braucht sich niemand zu schämen, und es ist auch nicht mit Kosten oder Verpflichtungen verbunden", betont Elena Plaga. Einfach anrufen und sagen, wo der Schuh drückt.

Hier gibt es Nachbarschaftshilfe

Informationen über Hilfsangebote im Stadtgebiet Jena gibt es unter https://coronahilfejena.wordpress.com

In Jena-Süd vermittelt die Magdelstube Hilfe täglich 10-14 Uhr unter 0177 47 8840 oder per E-Mail unter suedviertelsoli@riseup.net

In Wenigenjena und Jena-Ost bietet Nicolas Koerrenz Hilfe bei der Vernetzung zwischen Hilfesuchenden und -bietenden: nachbarschaftshilfe@lutherhaus-jena.de

In Zwätzen und Löbstedt: 0176 69 821 300 oder initiative-zwaetzen@posteo.de

In Jena West: Montag bis Samstag 10-14 Uhr unter 0157 34527231

In Jena Nord: 10-20 Uhr unter 0160 94628867 sowie: solidaritaetjenanord@riseup.net

In Jena-Lobeda: 0163 8368372 oder sozialeswohneninjena@gmail.com

In Jena-Zentrum Nachbarschaftshilfe täglich 10-20 Uhr unter 0176 49195476 und unter solidaritaetjenazentrum@riseup.net

Hilfe gegen Einsamkeit: täglich 10-14 Uhr über 0157 78284752

Stadtweit vermittelt die Diakonie Einkaufshilfe für Risikogruppen und Menschen in Quarantäne, täglich 8-17 Uhr unter 03641 443709 oder 0173 5728582 sowie: kreisstelle.jena@diako-thueringen.de