Jenas stumme Zeugen: Obelisk erinnert an Botaniker Langethal

Jena  Stumme Zeugen (30) Gedenkstein in der Nähe des Forsthauses erinnert an den Botaniker Christian Eduard Langethal

Der Obelisk aus rotem Granit trägt die Aufschrift „Ch. E. Langethal“, darüber befindet sich ein bronzenes Medaillon mit dem Konterfei des Geehrten.

Der Obelisk aus rotem Granit trägt die Aufschrift „Ch. E. Langethal“, darüber befindet sich ein bronzenes Medaillon mit dem Konterfei des Geehrten.

Foto: Immanuel Voigt

Die 30. Folge unserer Serie über die „stummen Zeugen“ beschäftigt sich mit einem Erinnerungsstein, der hoch über Jena auf einem der vielen Berge gelegen ist. Man kann ihn auf unterschiedlichen Wegen erreichen und den Besuch mit einer Wanderung oder einem ausgedehnten Spaziergang verbinden. Eine Variante wäre dem weiß-gelb-weißen Wanderweg zu folgen, der schon mitten in der Innenstadt beginnt und sich dann den Forstweg entlang schlängelt.

Auf der breiten Zufahrtsstraße gewinnt man bald an Höhe. Vor der letzten größeren Kurve, also kurz bevor das Forsthaus erreicht ist, biegt nun der weiß-grün-weiße Weg nach rechts in den Wald ab. Auch jetzt im Winter, wenn noch kein Schnee gefallen ist, bieten die Wälder rund um Jena eine wunderbare Kulisse. Gerade dieser Teil des Forstes wirkt durch Hunderte von Buchen sehr reizvoll, denn der Waldboden schimmert selbst bei trübem Wetter in einem rot-bräunlichen Farbton.

Wenn man dem Weg nun weiter folgt, ist das Ziel nach etwa fünf bis zehn Minuten erreicht. Verfehlen kann man das Denkmal eigentlich nicht, denn es steht direkt neben dem Weg. Das Areal ist durch eine große Steinmauer gegen den Wald abgegrenzt, eine Sitzgruppe lädt zum Ausruhen und Verweilen ein.

Nun kann man auch sehen, dass es sich um das Langethal-Denkmal handelt. Der Stein selbst ist schlicht gehalten. Auf einem Granitfundament folgt ein Obelisk aus rotem Granit, der die Aufschrift „Ch. E. Lange- thal“ trägt, darüber ein bronzenes Medaillon, das das Konterfei des hier Geehrten zeigt. Neben dem Denkmal findet der Besucher eine kleine Informationstafel, die auf Langethals Tätigkeit als Botaniker und Professor in Jena verweist. Vielen dürfte seine Person heute wohl unbekannt sein.

Christian Eduard Langethal wurde am 6. Januar 1806 in Erfurt als Sohn des Schuhmachermeisters Christoph Heinrich Langethal geboren. Sein Vater stammte ursprünglich aus Kranichfeld, ließ sich nach der Walz aber in Erfurt nieder. Nur drei Jahre nach seiner Geburt starb die Mutter, sodass der Junge durch den Vater und die zahlreichen Geschwister großgezogen wurde. Christians 13 Jahre älterer Bruder Heinrich Langethal ermöglichte ihm schließlich ab 1817 den Eintritt in die Fröbelsche Erziehungsanstalt in Keilhau bei Rudolstadt. Als Pädagoge war Heinrich Langethal eng mit Friedrich Fröbel und Wilhelm Middendorff befreundet und konnte diesen Kontakt nutzen.

Ab 1827 studierte Christian Eduard Langethal dann in Jena Naturwissenschaften und trat im selben Jahr in die Jenaische Burschenschaft ein. Drei Jahre später wurde er Mitglied der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller. 1831 beendete er sein Studium mit dem Titel eines „Dr. phil.“. Anschließend folgte er seinem Lehrer, dem Nationalökonom und Landwirt Friedrich Gottlob Schulze (1795-1860), der einen Ruf an die Universität Greifswald erhalten hatte. Lange-thal zählte zu dessen engsten Mitarbeitern und war auch mit Schulze befreundet.

1835 wurde in Eldena, in der Nähe von Greifswald, die „Königliche Staats- und landwirtschaftliche Akademie“ gegründet, zu deren erstem Direktor Schulze ernannt wurde. Der junge Langethal unterrichtete dort bis 1839 Naturgeschichte. Im selben Jahr folgte er Schulze wiederum, als dieser zurück nach Jena ging, hier das landwirtschaftliche Institut gründete und ebenfalls zu dessen Direktor ernannt wurde.

Christian Eduard Langethal erhielt derweil eine Professur für landwirtschaftliche Botanik und Pflanzenbau an der Universität Jena. In den Folgejahren erwies er sich als unermüdlicher Fachautor, der zahlreiche Standardwerke vorlegte.

Trotz seiner Schwerhörigkeit, die seine Tätigkeit immer mehr beeinträchtigte, trieb er seine Arbeit beharrlich voran. Unter anderem geht auf Langethal das „Lehrbuch der landwirthschaftlichen Pflanzenkunde für praktische Landwirthe und Freunde des Pflanzenreichs“ zurück, das er zwischen 1841 und 1845 in mehreren Bänden veröffentlichte und welches in fünf Auflagen erschien. Noch bedeutender war sein „Handbuch der landwirthschaftlichen Pflanzenkunde und des Pflanzenbaues“. Es erschien zwei Jahre vor Lange-thals Tod und galt über Jahrzehnte hinweg als ein Standardwerk unter Botanikern und Landwirten. Der Botanik-Professor zeigte sich in diesem Werk als wahrer Kenner von Feldfrüchten, Gemüse- und Arzneipflanzen sowie Obst- und Waldbäumen. Schließlich bearbeitete Langethal auch die Agrarhistorik, als er zwischen 1847 und 1856 die vierbändige „Geschichte der deutschen Landwirthschaft“ vorlegte.

Nach einem arbeitsreichen Leben starb Christian Eduard Langethal am 28. Juli 1878 mit 72 Jahren in Jena. Sein Denkmal im Jenaer Forst haben ihm die einstigen Schüler gesetzt. Der Erfurter galt als beliebter Lehrer unter seinen Studenten. Wann es an seinem heutigen Standort aufgestellt wurde, konnte bisher nicht ermittelt werden.

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