Kahlaer Kleingärtner engagieren sich für ihre grünen Oasen

Kahla.  Die Gärtner vom Verein „Am Sandacker“ feiern 40-Jähriges, haben aber auch Bedenken mit Blick auf die Zukunft.

Die Kleingartenanlage „Am Sandacker" in Kahla-Löbschütz besteht seit 40 Jahren. Vereinsvorsitzender Hans-Christian Schmidt (rechts) zeigt seinem Stellvertreter Bernd Sitte die Jubiläumsschrift.

Die Kleingartenanlage „Am Sandacker" in Kahla-Löbschütz besteht seit 40 Jahren. Vereinsvorsitzender Hans-Christian Schmidt (rechts) zeigt seinem Stellvertreter Bernd Sitte die Jubiläumsschrift.

Foto: Katja Dörn

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Des Gärtners Alltag kann beschwerlich sein. Im Herbst Unmengen von Laub wegharken, im heißen Sommer schwere Gießkannen schleppen, und immer wieder bücken und wühlen. Für die Mitglieder der Kleingartenanlage „Am Sandacker“ kommt noch der Weg hinzu. Einmal steil von Löbschütz den Berg hinauf, „da ist man am Ende erst einmal kurz aus der Puste“, sagt Hans-Christian Schmidt, Vorsitzender des Kleingartenvereins. Er atmet durch, und dann dieser Blick: Vor ihm liegt Kahla, in nordöstlicher Richtung thront die Leuchtenburg. „Im Sommer ist es schöner als auf Mallorca“, witzelt er.

Vor 40 Jahren haben Schmidt und weitere Kahlaer ihre Parzellen auf dem Hügel hergerichtet. Das 40. Jubiläum wollen die 43 Vereinsmitglieder an diesem Wochenende mit Familie und Freunden feiern – auch mit Hintergedanken. „Langsam werden die Gärten von uns Gründern verlassen“, sagt Schmidt. „Es ist Zeit für einen Generationenwechsel“, bestätigt auch sein Stellvertreter Bernd Sitte. Daraufhin gearbeitet haben sie in gewisser Weise schon mit ihren Kinderfesten, die neben den jährlichen Sommerfesten in der kleinen Anlage großes Interesse geweckt haben und bei denen ihre Enkel auch Freunde aus Kahla mitbrachten. Ein guter Ruf, so hoffen sie, führt später dazu, dass der Nachwuchs sich ebenfalls fürs Gärtnern interessiert und die Parzelle übernimmt.

Leerstand gibt es zur Zeit nicht, sagen die Vereinsmitglieder, man musste auch schon Absagen an Interessierte erteilen. Denn eine Kleingartenanlage ist immer auch eine Gemeinschaftsaufgabe, in der die Chemie stimmen muss. „Der Zusammenhalt ist groß“, sagt Sitte. Der Grund liegt schon in der Historie. Vor 40 Jahren legten sie die Parzellen auf dem früheren Acker in zahlreichen Arbeitsstunden an. Wer die meisten Stunden geleistet hatte, durfte sich als Erster seinen Garten aussuchen. Hans-Christian Schmidt war als Vorletzter an der Reihe, „ich hatte damals auch meine Garage gebaut und weniger Zeit“. Seinen Wunschgarten bekam er dennoch, auch wenn er diesen mit der Spitzhacke umgraben musste. Der „Sandacker“ war eben auch sehr steinig und lehmig.

Weil der Berg schlecht zu bewirtschaften war, gab die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft das Areal vor über 40 Jahren ab. Es war die Zeit des großangelegten Wohnungsbauprogramms der DDR-Führung, auch in Kahla sollten moderne Heime für die neu angeworbenen Arbeiter von Zeiss, Schott, Jenapharm und anderen Unternehmen geschaffen werden. Das führte dazu, dass Gärten in Löbschütz weichen mussten. Doch an Ausgleich dachte die Polit-Führung, auch weil die SED wenige Jahre zuvor den Beschluss gefasst hatte, angesichts von wachsenden Versorgungsschwierigkeiten Kleingärtner zu fördern.

„Damals wurde intensiv bewirtschaftet. Nach der Wende legten wir mehr Wert auf Erholung“, sagt Sitte. An der Regelung, ein Drittel des Gartens muss kleingärtnerisch bewirtschaftet sein, rütteln sie aber nicht. Im Frühjahr und Sommer muss es blühen und gedeihen, im Winter füttern einige Vögel. Naturschutz? „Wir machen das seit 40 Jahren“, sagt Schmidt. So würden sie auch keine chemische Dünger verwenden.

Was die Kleingärtner aber auch beschäftigt, ist die Zukunftsfähigkeit ihrer grünen Oasen. Denn mit Blick auf das wachsende Jena zeige sich, dass Anlagen zugunsten des Wohnungsbaus verschwinden können. „Wir wollen erreichen, dass wir im Flächennutzungsplan als Dauer-Kleingartenanlage erscheinen“, sagt Schmidt. Schließlich seien solche grünen Lungen mit Blick auf den Klimawandel wichtig für ein städtisches Gebiet. Schmidt, der auch im Vorstand des Regionalverband Jena/Saale-Holzlandkreis der Kleingärtner tätig ist, will alle zwölf Kahlaer Vereine an den Tisch im Rathaus bringen, „um gemeinsam dafür zu sorgen, nichts anbrennen zu lassen“. So schwebt ihm auch ein Kleingartenentwicklungsplan vor, ähnlich zu jenem in Jena.

Auf Nachfrage bremst Bürgermeister Jan Schönfeld (parteilos) aber die Erwartungen. Der Flächennutzungsplan sei im Groben dazu da, Wohn- und Freiflächen sowie Mischgebiete auszuweisen. Dass darin auch Kleingärten dauerhaft verankert sein können, wisse er nicht. Die Entscheidungshoheit zur Stadtentwicklung liege ohnehin in den Händen des gesamten Stadtrates sowie des Landkreises als übergeordneter Behörde.

Unstrittig sei indes aber, dass er fast täglich Anfragen zu Wohnbebauung habe. Und das Grundprinzip müsse sein: Verdichtung vor Neuerschließung. „Ich will niemandem seinen Garten streitig machen“, sagt er. Doch sicher wäre es „schön, wenn wir auch Flächen ausweisen können. Wir müssen sehen, wie sich die Fluktuation in den Gärten gestaltet“, sagt Schönfeld. Prinzipiell zeigt er sich gesprächsoffen. Und zum 40-jährigen Bestehen der Anlage „Am Sandacker“ kann er sagen: „Sie ist von nichts bedroht“.

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