Kahlaer Stadtkirche wird aufs Neue elektrisiert

Kahla.  Ein Einblick in die Innensanierung der Kahlaer Stadtkirche und ein Ausblick, wo das Weihnachtsfest gefeiert wird.

Der Kirchbauverein mit Maren Hellwig, Elfriede Meinhard und Rainer Franke-Polz (von links) setzt sich für die Innensanierung ein.

Der Kirchbauverein mit Maren Hellwig, Elfriede Meinhard und Rainer Franke-Polz (von links) setzt sich für die Innensanierung ein.

Foto: Katja Dörn

Staub und Dreck überall, auf den Kirchbänken, den Emporen und im Altarraum der Stadtkirche St. Margarethen in Kahla. „Grauenhaft sieht das aus“, sagt Maren Hellwig vom Kirchbauverein. Aber das muss derzeit so sein. Nachdem 2019 mit der Südseite die Außensanierung der Stadtkirche abgeschlossen wurde – mit Kosten von insgesamt 1,4 Millionen Euro –, war nun dringend im Inneren Hand anzulegen. Jeder tüchtige Handwerker weiß, dass dies nicht ohne Dreck vonstatten geht. Der Kirchbauverein, der viel Arbeit und Energie auch ins neue Projekt hineingesteckt hat, berichtet nun vom Baustand.

Seit mehreren Wochen gehen Handwerker in der Kirche ein und aus. Sie hackten bereits die Wände auf, um an die dringend zu erneuernde Verkabelungen zu gelangen. 1955 wurde die Elektrik eingesetzt und ist nach heutigem Stand völlig veraltet. Die Mitarbeiter vom Elektroanlagenbau Stephan Fuchs aus Kahla sind mit den Leitungen in der Kirche ohnehin schon vertraut, so freut es die Kirchgemeinde, dass die Firma auch den Zuschlag für die Modernisierung erhielt.

Zu erneuern ist nun auch der Fußboden im Altarraum, der einige Stolperfallen barg. „Die Fließen waren lose und abgeschlagen“, sagt Hellwig. Daher ließen sie alle entfernen, „zumal der Boden ohnehin wegen der Elektrik aufgerissen werden musste“, fügt Vereinsmitglied Rainer Franke-Polz hinzu.

Freiwillige Helfer packen mit an

Ein weiterer Abbruch geschah bereits im vorderen linken Kirchenschiff. Dort standen die Vereinsmitglieder selbst in Staubwolken, um den alten Heizkanal zurückzubauen. „Wir haben dabei viel freiwillige Hilfe erhalten“, sagt Maren Hellwig. Mitglieder der Kirchgemeinde, der Freiwilligen Feuerwehr, Konfirmanden und die Männer des Bauhofes packten zuletzt mit an. Entstehen soll dort ein Podest, auf dem in einem Jahr das Johann-Walter-Positiv gesetzt werden kann.

Diese kleine Orgel läutet den ersten Erfolg ein, um den in Kahla geborenen Urkantor Johann Walter ein klingendes Denkmal aus zwei Teilen zu setzen. Die Planungen für das Positiv sind in der renommierten Freiburger Orgelwerkstatt Späth fast abgeschlossen, noch in diesem Jahr werde der Bau beginnen, sodass sie vor dem Reformationstag 2021 in Kahla angeliefert werden kann, berichtet Hellwig. Die große Orgel auf der Empore, die perspektivisch als zweites Element des Projektes ersetzt werden soll, ist während der Innenarbeiten abgedeckt, damit der Staub ihr nicht noch mehr zusetzt.

Sorgen macht dem Kirchbauverein derzeit die Finanzierung. Während die Gelder für das Jahr 2020 gesichert sind, sieht es für das kommende Jahr noch fraglich aus. „Die Mittel der Kirchgemeinde, des Kirchenkreises und Kirchbauvereins sind sicher“, sagt Maren Hellwig, „aber der größte Batzen von gut 100.000 Euro fehlt noch.“ Für dieses Jahr konnten Fördergelder aus dem Leader-Programm der EU und der Kurt-Ilse-Lange- sowie der „Katharina und Gerhard Hoffmann-Stiftung“-Stiftung gewonnen werden. Weitere Anträge für 2021 seien gestellt, aber noch nicht bewilligt. Wegen der Corona-Einschränkungen muss der Verein zudem auf größere Spendenveranstaltungen verzichten.

Gottesdienst an Heilig Abend auf dem Schulhof

Insgesamt kostet die Innensanierung 260.000 Euro, weiß Elfriede Meinhardt, Schatzmeisterin im Kirchbauverein. Noch bis weit ins kommende Jahr hinein schreiten die Arbeiten fort, um die Wände zu verputzen und zu malern und den neuen Fußboden im Altarraum zu verlegen. Einzupreisen seien zudem noch statische Baumaßnahmen. „Wegen Rissen an fast allen Kirchenfenstern müssen Spiralanker eingesetzt werden“, sagt Hellwig. Bereits bei der Außensanierung waren solche Mauerrisse zu sichern.

Beschert nun die Innensanierung den Kirchgängern an Weihnachten eine zu stille Nacht, da das Gotteshaus für Besucher geschlossen bleiben muss? Nein, denn Pfarrerin Elisabeth Wedding und weitere Verantwortliche des Pfarrbereichs organisieren andernorts eine Alternative. Der Gottesdienst an Heilig Abend soll auf den anliegenden Hof der Altstadtschule verlegt werden. Ein klassisches Krippenspiel müsse aus technischen Gründen ausfallen, berichtet die Pfarrerin, dafür soll das Weihnachtsgefühl mit Musik und einer Lesung, vielleicht auch in szenischer Form, verbreitet werden.