Kalenderblatt für den Jenaer Schriftsteller Curt Letsche

Am 12. Oktober vor 100 Jahren wurde der Schriftsteller Curt Letsche geboren, der seit 1971 in Jena lebte.

Curt Letsche, Schriftsteller, aus Jena

Curt Letsche, Schriftsteller, aus Jena

Foto: zgt

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Der Schriftsteller Curt Letsche verabscheute hochtönende Worte, weil er aus bitterer Erfahrung wusste, "wieviel Unheil in den Jahren faschistischer Gewaltherrschaft damit angerichtet wurde". Dabei hätte er guten Grund gehabt, seinen Hass auf die Nazis in die Welt zu schreien, doch er blieb sachlich und ging den Dingen auf den Grund.

Curt Letsche wäre heute 100 Jahre alt geworden. Geboren wurde er in Zürich und verbrachte dort die ersten Kindheitsjahre. Ab 1920 lebte er in Ulm und absolvierte eine Lehre als Buchhändler. 1932 trat er der deutschnationalen Vereinigung "Der Stahlhelm" bei, wandte sich 1935 von den Nazis ab und engagierte sich im antifaschistischen Widerstand.

1939 verhaftete ihn die Gestapo in Freiburg im Breisgau. Wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" wurde Curt Letsche 1940 zu einer sechsjährigen Zuchthausstrafe verurteilt, die er bis zur Befreiung im Mai 1945 im berüchtigten Zuchthaus für politische Gefangene in Ludwigsburg bei Stuttgart verbüßte.

Die Erfahrungen mit dem NS-System verarbeitete Curt Letsche später immer wieder in seinen Romanen. In "Auch in jener Nacht brannten Lichter" (1960) erinnerte er an die Tätigkeit der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" um Sophie und Hans Scholl. Zu seinen wichtigsten und erfolgreichsten Titeln gehört der Roman "Das Schafott", der 1979 im Greifenverlag Rudolstadt und zeitgleich in der BRD erschien. Darin verarbeitet der Autor Ereignisse aus seiner Haftzeit im Zuchthaus Ludwigsburg. Das Schicksal des 1942 ermordeten Mithäftlings Andreas Wössner diente als Vorbild für die Hauptfigur Andreas Weller. Nach 1945 war Curt Letsche als Verleger in Tübingen, Stuttgart und Pforzheim tätig. 1957 siedelte er in die DDR über, die er als den besseren deutschen Staat betrachtete.

Er wirkte als Bibliothekar im Bezirk Magdeburg, wurde 1961 freier Schriftsteller und lebte die folgenden Jahre in Südthüringen. 1971 zog er nach Jena, wo er bis zu seinem Tod im Alter von 97 Jahren am 17. Februar 2010 lebte.

In seinen zahlreichen Werken, die vor allem im Greifenverlag Rudolstadt erschienen, setzte sich Curt Letsche immer wieder mit dem Faschismus und den Auswirkungen des Kalten Krieges auseinander. Er schrieb Krimis wie "Der graue Regenmantel" über einen Nazirichter, der in der jungen BRD seine Vergangenheit leugnet, befasste sich mit Gen-Manipulation und Organhandel. Eine friedliche, klassenlose Welt war seine Utopie, von der Science-Fiction-Bücher zeugen, wie "Verleumdung eines Sterns" und "Raumstation Anakonda".

Curt Letsche war bis ins hohe Alter schöpferisch tätig und benutzte zum Schreiben einen Computer. Sein literarisches Werk lebt weiter, besonders durch das Engagement des Sohnes Lothar Letsche. Der Historiker gab 2011 eine Neuauflage des "Schafotts" mit dokumentarischen Anhang heraus und 2012 aus dem Nachlass den Roman "Schnittpunkte 1945", beide in Bonn erschienen. Ebenfalls aus dem Nachlass publizierte der in Thüringen beheimatete Ulenspiegel-Verlag 2012 die vermutlich 1998 bis 2001 entstandene Science-Fiction-Erzählung "Bilder einer anderen Welt".

Jenaer Schriftsteller Curt Letsche verstorben

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