Kalifornische Professorin tauschte Malibu gegen den Saalestrand

Die klugen Leute vom Beutenberg (2): Warum eine in New York geborene Professorin von der University of California ihren Job in Jena als Höhepunkt ihrer Karriere sieht und was 300 Meter hohe Türme in Sibirien und Brasilien mit dem globalen Klimawandel zu tun haben.

Der 2003 eröffnete Neubau des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena gehört zu den markantesten Bauten am Beutenberg. Foto: Lutz Prager

Der 2003 eröffnete Neubau des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena gehört zu den markantesten Bauten am Beutenberg. Foto: Lutz Prager

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Jena. Susan Trumbore lächelt. Diese Frage kennt sie schon: Was verschlägt eine sonnen­verwöhnte kalifornische Universitätsprofessorin, Mitglied der Akademie der Wissenschaften der USA, ausgerechnet nach Jena. Das Thüringer Wetter kann‘s doch wohl nicht sein?

"Als gebürtige New Yorkerin bin ich Schlimmeres gewöhnt", entgegnet die 55-jährige Wissenschaftlerin. In der Fachwelt, sagt sie, definiere sich Exzellenz eben nicht nach der Größe oder der Bekanntheit einer Stadt. Das Max-Planck-Institut für Biogeochemie am Beutenberg spiele auf seinem Gebiet international in der ersten Liga mit. 200 Mitarbeiter erforschen in dem 2003 eröffneten Neubau globale Stoffkreisläufe und ihren Einfluss auf das Klima. Einen ­Namen haben sich die Jenaer Wissenschaftler mit dem inzwischen abgeschlossenen EU-Projekt Carbo Europ gemacht, bei dem sie den Kohlenstoffkreislauf für Europa bilanzierten.

Susan Trumbore gehörte damals zu den Gutachtern, die die Jenaer Forschungseinrichtung im Auftrag der Münchener Max-Planck-Gesellschaft bewerteten, und als 2009 die Stelle eines von drei Direktoren frei wurde, bewarb sich die Geochemikerin, die bis dahin an der Universität von Kalifornien in Irvine lehrte.

Neben der wissenschaftlichen Exzellenz sind es vor allem die hervorragenden Bedingungen für die Forschung, die die Amerikanerin dazu bewog, den Malibu Beach gegen den Saalestrand zu tauschen. "In den USA gibt es immer weniger Geld für die Forschung. Das ist in Deutschland und vor allem in der Max-Planck-Gesellschaft anders", sagt Susan Trumbore. Ganz möchte sie die Reize des ­Sonnenstaates Kalifornien aber nicht missen. Im Januar, wenn es in Deutschland gewöhnlich richtig kalt ist, erfüllt sie jedes Jahr einen Lehrauftrag an ihrer alten Universität in Irvine.

Aber auch die übrigen elf ­Monate ist die Wissenschaft­lerin sehr viel unterwegs. 60 000 bis 70 000 Meilen legt Susan Trumbore jedes Jahr dienstlich mit dem Flugzeug zurück. Überall auf der Welt, von den Kapverdischen Inseln, über Afrika, Südamerika bis nach Sibirien, unterhält das Jenaer Institut Stationen, an denen Treibhausgase in der Atmosphäre und im Boden gemessen werden. Kooperationspartner wie Universitäten helfen dabei vor Ort. Die beiden größten Jenaer Stationen stehen in der sibirischen Tundra und in brasilianischen Amazonas­gebiet. "Auf jeweils 300 Meter hohen Türmen sind in verschiedenen Höhen Messgeräte angebracht, die die Werte für Kohlendioxid, Methan, Wasserdampf, Ozon, Stickoxide oder Stickstoff messen", erklärt Susan Trumbore. Auch Maschinen von Lufthansa und China-Airlines sind mit in Jena entwickelter Messtechnik ausgestattet und ermitteln auf ihren Intercontinentalflügen die Konzentrationen von Treibhausgasen.

"Das ist natürlich Grund­lagenforschung, die Veränderungsprozesse auf 20 bis 30 Jahre betrachtet", sagt die Professorin. Dennoch sind die Daten Grundlagen für Empfehlungen, etwa an Regierungen, um den Folgen des Klimawandels für Landwirtschaft und Industrie, wie etwa verstärkte Trockenheit, zu begegnen. In Thüringen hat das Jenaer Max-Planck-Institut im Nationalpark Hainich kleinere Messstationen. "Dort arbeiten wir eng mit dem Thüringen Forst zusammen und geben Empfehlungen, Baumarten anzupflanzen, die sich den künftigen klimatischen Bedingungen besser anpassen", so Susan Trumbore.

Jena ist für die Amerikanerin inzwischen zur Wahl-Heimat geworden. Sie besucht gern Orgelkonzerte im Volkshaus oder schaut sich Aufführungen im Nationaltheater Weimar an. "Das Beste im Vergleich zu Amerika sind die kurzen Wege, ich brauche kein Auto, bin mit dem Fahrrad schnell in der ­Natur", sagt sie. Nur die lange Fahrt zum Flughafen Frankfurt/Main und der in ein paar Jahren nicht mehr über Jena verkehrende ICE, das sind für sie und ihre Mitarbeiter im Institut echte Nachteile.

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