Keiner will die Stichwahl zum Ortsteilbürgermeister in Jena-Closewitz, aber sie muss sein

Thomas Stridde
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In Closewitz Ortsteilratsmitglied und zuletzt Vize-Ortsteilbürgermeister; Rainer Robotta, Diplom-Ingenieur, Rentner (71).

In Closewitz Ortsteilratsmitglied und zuletzt Vize-Ortsteilbürgermeister; Rainer Robotta, Diplom-Ingenieur, Rentner (71).

Foto: Thomas Stridde

Jena.  Die Kürung ist Jena-Closewitz eine besonders schwere Geburt. Ein Kompromissvorschlag, der dem Wahlgeheimnis widerspräche

Mit der Closewitzer Ortsteilratswahl wird es immer vertrackter. Beim ersten Wahlgang am 12. Juni – nötig wegen des Todes von Amtsinhaber Andreas Schlegel im vorigen Jahr – hatte sich kein Kandidat aufgestellt, weshalb an den Urnen das Prinzip der „freien Wählervorschläge“ griff. Den meisten Zuspruch erhielten zwei Ortsteilratsmitglieder: auf Rang 1 Vize-Ortsteilbürgermeister Rainer Robotta mit 24 Stimmen (42 Prozent) und auf Rang 2 Alexander Maier mit 14 Stimmen (22,81 Prozent).

Wichtig: absolute Mehrheit

Um die mangels absoluter Mehrheit fällige Stichwahl zwischen den beiden Männern am kommenden Sonntag in dem 130-Seelen-Ort zu vermeiden, hatten Robotta und Maier jetzt mit ihren Ortsteilratsmitstreitern wie auch mit dem Vorstand des Feuerwehr-Vereins die Köpfe zusammengesteckt und einen Kompromiss vereinbart: Die beiden Jahre bis zum Ende der Legislatur ist Rainer Robotta bereit, das Amt zu übernehmen mit Alexander Maier als Stellvertreter, der sich wiederum in zwei Jahren zur Wahl des Ortsteilbürgermeisters stellt, wenn für ihn hauptberufliche Entspannung in Sicht ist.

Wahlgeheimnis wahren

Nur: Es wird nix mit dem Kompromiss. Die Stichwahl am Sonntag muss stattfinden, sagte Jenas Kreiswahlleiter Matthias Bettenhäuser auf Nachfrage. Rainer Robotta hatte zwar mit dem ähnlichen Vorgang des Jahres 2019 argumentiert. Da waren ebenfalls keine Kandidaten zur Ortsteilbürgermeisterwahl angetreten, jedoch die meisten Stimmen unter den „freien Wählervorschlägen“ auf Amtsinhaber Andreas Schlegel entfallen. Schlegel hatte darauf erklärt, die Wahl anzunehmen, ohne zuvor den Hut ums Amt neuerlich in den Ring geworfen zu haben. Matthias Bettenhäuser sprach einen entscheidenden Unterschied zur Wahl von 2019 an: Schlegel hatte dazumal 50,7 Prozent der Stimmen und somit die absolute Mehrheit erzielt. Er verhinderte mit seinem Ja zum Wähler-Votum, dass die Wahl hätte wiederholt werden müssen, wenn grundsätzlich niemand bereit gewesen wäre.

„In der Situation können wir nicht abweichen von den Vorgaben“, sagte Matthias Bettenhäuser. Mit der Kompromiss-Absprache von Ortsteilrat und Feuerwehrverein wäre nach seinen Worten das Wahlgeheimnis nicht gewahrt. Und Rainer Robotta obliege es jetzt, im Sinne seiner Bereitschaft zur zweijährigen Amtsträgerschaft vorm Sonntag Wahlkampf zu machen. Bettenhäuser bejahte die Frage, ob Robotta selbst dann am Sonntag gewählt wäre, wenn an die Wahlurne nur fünf Leute kämen und drei für ihn stimmten. Über die geringe Wahlbeteiligung enttäuscht war Robotta schon nach dem ersten Wahlgang.

Sportplatz: Pachtvertrag wird gekündigt

Ein Stück Ortsteil-Selbstbewusstsein spiegelte Rainer Robotta im Gespräch mit seinem Hinweis zum Closewitzer Sportplatz, den der Feuerwehrverein von der Stadt gepachtet hat. Dort gab es Ärger, weil ein untermietender Metal-Konzert-Veranstalter von der Stadt eine Absage wegen einer Fledermaus-Population erhalten hatte. „Da ist nicht mal uns Bescheid gegeben worden“, sagte Robotta. „Wir werden den Pachtvertrag kündigen.“ Nächstes Jahr stehe die 750-Jahr-Feier an; da bedürfe es der Planungssicherheit. „Es geht nicht, dass da zwei Stunden vor der Angst eine Fledermaus gesichtet wird.“