Konditionsprogramm beim FC Carl Zeiss Jena: „Man erzieht Kinder auch nicht mehr mit Schlägen“

Jena  Warum der Trainer des FC Carl Zeiss Jena, Lukas Kwasniok, derzeit einen besonderen Schwerpunkt auf die Fitness legt und auf die Kernberge verzichtet.

In der Saisonvorbereitung war Marian Sarr, vom VfR Aalen gekommen, mit Medizinball aktiv.

In der Saisonvorbereitung war Marian Sarr, vom VfR Aalen gekommen, mit Medizinball aktiv.

Foto: Tino Zippel (Archiv)

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Nach drei Tagen Pause steigt der FC Carl Zeiss Jena heute wieder ins Training ein. Chefcoach Lukas Kwasniok plant zwei weitere Tage mit hoher Belastung, um nach den sieben Belastungseinheiten der Vorwoche das Fitnesslevel der Spieler weiter zu verbessern.

Einiger unserer Leser grübeln: Warum reichte die Saisonvorbereitung nicht aus, um die Spieler fit zu machen? Kwasniok startet nach der Frage sogleich einen Kurzvortrag. Die Mannschaft habe durch die vielen Zugänge ein komplett neues Gesicht erhalten. Zudem sei das Ziel, eine neue Spielidee zu implementieren. „Wir mussten ein neues Teamgefüge, eine neue Hierarchie aufbauen. In der Vorbereitung fünf Wochen nur Fitness zu bolzen, wäre unter diesen Voraussetzungen nicht möglich und auch nicht sinnvoll gewesen“, sagt Kwasniok.

Er müsse das unterschiedliche Ausgangsniveau der Spieler berücksichtigen. „Fordern wir alle sehr intensiv, steigt die Gefahr von Verletzungen. Drei Wochen sehr hartes Training bringen nichts, wenn ein Spieler danach wieder wochenlang ausfällt“, erläutert der Fußballlehrer. „In der Kürze der Zeit war es nicht möglich, das Level auf ein solches Niveau zu heben, dass alle bei 100 Prozent sind.“

Vorbei sind die Zeiten, als die Spieler durch die Kernberge gejagt wurden

Aber warum funktionierte das bei Felix Magath, der Meister harter Konditionseinheiten? „Er konnte sich das auch erlauben, weil er in der Regel 35-Mann-Kader hatte. Da war es weniger problematisch, wenn sich einige verletzt haben“, sagt Kwasniok. „Wir haben 21 Feldspieler inklusive zwei Junioren. Wenn ich es so machen würden, könnten wir eine Kleinfeldmannschaft anmelden.“ Vorbei seien die Zeiten, als die Spieler durch die Kernberge gejagt wurden. „Man erzieht heute Kinder auch nicht mehr mit Schlägen und Sanktionen, sondern durch Vorleben, Worte und Überzeugung.“ Dennoch seien heute alle läuferischen Parameter besser als vor 20, 30 Jahren. „Die Spieler sprinten mehr, schaffen mehr Wiederholungssprints, sind viel schneller geworden.“

Ein weiterer Grund fürs Konditionsprogramm der vergangenen Tage sieht er im Zustand der neu verpflichteten Spieler. „Wir haben bewusst nach Fußballern mit einem hohen spielerischen Potenzial geschaut, die zuletzt aber nicht so oft zum Einsatz kamen“, sagt der Trainer. Nur aus diesem Grund passten sie ins Gehaltsgefüge. Heißt: Nur 100 Prozent fitte, fürs Ballbesitz-System geeignete Spieler wären nicht bezahlbar gewesen.

Viele Spieler hatten in den vergangenen Monaten nur selten über 90 Minuten gespielt

„Die athletische Komponente ist jene, die am einfachsten aufzuholen ist“, sagt Kwasniok und will die Spieler zur vollen Leistungsfähigkeit führen. Der Saisonstart mit vier Spielen in 13 Tagen sei eine hohe Belastung für die noch nicht vollständig fitten Spieler gewesen. „Die Werte haben sich bei den allermeisten verbessert“, lobt der Coach, zumal die Fitness für die letzten 20 Minuten nur über Spielpraxis zu erlangen sei. „Viele Spieler hatten in den vergangenen Monaten nur selten über 90 Minuten gespielt.“

Sehr individuell auf jeden Fußballer zugeschnitten, werde an der Fitness gearbeitet. „Nach diesen beiden Wochen werden wir auf einem besseren Level sein“, sagt der Trainer und zieht einen Vergleich zur vorigen Saison. Da seien zwei Belastungs­tage wie in dieser Woche geplant nicht möglich gewesen. Natürlich gebe es auch Spieler im Kader, die sehr fit seien. „Leider tun sich einige davon mit der neuen Spielidee schwer“, sagt Kwasniok – viel Arbeit wartet noch.

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