Krankenfahrt ins Jenaer Impfzentrum: schwierig

Jena  Thema Corona-Impfung: Die Fragen der Jenaer Senioren zu Barrieren und zum Transport sind immer noch offen.

Das Jenaer Volksbad als Impfzentrum: Auf der Rückseite des Gebäudes gibt es eine Rampe. Rollator- und Rollstuhlfahrer gelangen somit unkompliziert zu ihrer Impfung.

Das Jenaer Volksbad als Impfzentrum: Auf der Rückseite des Gebäudes gibt es eine Rampe. Rollator- und Rollstuhlfahrer gelangen somit unkompliziert zu ihrer Impfung.

Foto: Thomas Stridde

Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KV) gibt sich zuversichtlich, dass vor dem ab Mittwoch, 13. Januar, verfügbaren Impfzentrum in der Ziegesarstraße, Lobeda-Ost, keine Warteschlangen entstehen.

Wegen einer als Barriere empfundenen achtstufigen Treppe am Gebäude (Eingang Haus Nr. 17 zu den Praxisräumen des Hauses Nr. 19) war Kritik laut geworden mit Blick auf die ersten sehr betagten und gehbehinderten Impflinge (wir berichteten). Bei Bedarf würden ein Sicherheitsdienst und Bundeswehrsoldaten bei der Überwindung der Treppe helfen, berichtete Marco Effenberger von der Abteilung Hausverwaltung der KV Thüringen, die im Freistaat für die Impfzentren zuständig ist.

Effenberger erläuterte, dass man außerdem bei der Anmeldung für einen Impftermin entscheiden könne, die nicht barrierefreie, aber für Leute aus dem Südraum schneller erreichbare Ziegesarstraße aufzusuchen – oder das barrierefreie Volksbad.

Vom Vermieter des Objekts Ziegesarstraße, der Jenawohnen GmbH, war zu hören, dass am Montag die Möglichkeiten für den Bau einer Rampe an der Treppe untersucht wurden. „Gründlichkeit geht hier vor Schnelligkeit“, sagte Unternehmensvertreter Gunnar Poschmann. Im Rückraum des Gebäudes bestehe zudem die Möglichkeit, Autos auf eine Stunde begrenzt zu parken.

Transport weiterhin ein großes Problem

Die im Volksbad als Impfzentrum vorzubereitenden Räume sollen nach Effenbergers Einschätzung Anfang Februar nutzbar sein. Nach den Worten von Carsten Müller, stellvertretender Leiter des im Volksbad ansässigen Eigenbetriebes Jenakultur, wird die Stadt der KV keine Miete auferlegen, sondern nur einen Selbstkostenpreis – Stichwort Reinigung – verlangen. „Das darf doch nicht an monetären Bedingungen scheitern“, sagte Müller.

Ein großes Problem bleibt offenbar der Transport von betagten und gehbehinderten Leuten ins Impfzentrum. Jenas Gesundheitsdezernent Eberhard Hertzsch brachte gegenüber unserer Redaktion die Möglichkeit des Krankentransports zur Sprache. Der Besuch der Impfstelle sei doch vergleichbar mit dem Besuch eines Facharztes. „Alle mit Anspruch, von der Krankenkasse eine solche Fahrt bezahlt zu bekommen, sollten das für die Fahrt zur Impfstelle einfordern können.“

Genau in diese Richtung hat Linken-Landtags- und Stadtratsmitglied Gudrun Lukin recherchiert. Sie hat Informationen vom Landesverband der Logistiker. Demnach werde eine solche Tour nicht wie eine Krankenfahrt bewertet. Da fehle es an einer Legitimation gemäß Sozialgesetzbuch; das bedürfe einer Regelung. Und eine entsprechende Anfrage an die Bundesregierung habe der Landesverband bereits gestellt, sagte Gudrun Lukin. Zudem habe sie an die Gesundheitsministerin die Frage gestellt, wie das Volksbad als Impfzentrum schneller an den Start gebracht werden könne.

Seniorenbeiratsvorsitzender Ralf Kleist (Grüne) setzt auf einen Effekt des Oberbürgermeister-Briefes an alle Jenaerinnen und Jenaer der Altersgruppe „Ü 80“. Darin war gebeten worden, in den Senioren-Begegnungszentren die benötigten Fahrgelegenheiten zu signalisieren. Für die in seinem Wohnumfeld gelegenen Senioren-Begegnungszentren sieht Kleist einige Vereinbarungen dieser Art angestoßen. Er hofft, dass auf diese Weise in allen Stadtteilen Fahrgelegenheiten gefunden werden.