Anzeige
Anzeige

Kritik an neubestellter Bahnexpresslinie von Erfurt nach Nürnberg

Erfurt.  Hohe Kosten und geringer Nutzen: Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht keinen Bedarf für Thüringen. Kommt ein neuer Bahnhalt an der ICE-Neubaustrecke?

Noch fährt der Franken-Thüringen-Express auf der Saalbahn bis Jena.

Foto: Tino Zippel / OTZ

Die Bestellung der neuen Nahverkehrsexpresslinie von Erfurt nach Nürnberg durch die Länder Thüringen und Bayern löst Verwunderung aus. Der Landesverband Pro Bahn sieht das Angebot kritisch. Indes will das Land Gespräche über einen neuen Bahnhalt an der ICE-Strecke führen.

Kein Nahverkehr, keine innerthüringische Verbindung

„Diese Relation ist eindeutig kein Nahverkehr und die neue Express­linie bringt für Thüringen nur marginalen Nutzen“, sagt der Landesvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Olaf Behr, und verweist darauf, dass der Regionalexpress zwischen Coburg und Erfurt keinen Zwischenhalt hat und damit keine einzige innerthüringische Verbindung herstellt, während zwischen Erfurt und Nürnberg bereits ein vorzügliches ICE-Angebot existiert. „Mir ist es ein Rätsel, warum Thüringen Geld dafür ausgibt.“

Nach Angaben des Infrastrukturministeriums muss der Freistaat jährlich 500.000 Euro für die Linie, die ab Ende 2023 fahren soll, zahlen. „Durch diese Bestellung erhält die Stadt Coburg mit ihrem Umland über den ICE-Knoten Erfurt zweistündlich Zugang zum Fernverkehr nach Berlin, Hamburg und Dresden. Direkten Zugang gibt es für Coburg und Sonneberg sonst nur in Tagesrandlage“, sagt Sprecherin Antje Hellmann. Gespräche wolle das Land darüber führen, ob an der Neubaustrecke ein Bahnhalt nahe Ilmenau gebaut wird.

Mittel für Bahnverkehr seit Jahren knapp

„Seit Jahren hören wir uns an, dass die Mittel für den Regional­verkehr in Thüringen nicht ausreichen. Wie wollen wir dieses teure Prestigeprojekt durch Niemandsland den Fahrgästen in jenen Teilen Thüringens vermitteln, wo Strecken wegen fehlenden Geldes abbestellt wurden oder schlechter bedient werden, als es sinnvoll wäre“, fragt indes Behr. Zugleich fürchtet er Auswirkungen auf bestehende Strecken. Mit weiteren Verkehrs­verlagerungen von parallelen Altstrecken sei zu rechnen, sagt er unter Anspielung auf die Saalbahn: „Es besteht durchaus die Gefahr, dass nach der Kannibalisierung des Thüringer Fernverkehrs durch die Neubaustrecke nun auch noch eine Kannibalisierung des Nahverkehrs folgt.“

Der Bundestagsabgeordnete Ralph Lenkert (Linke) kritisiert die Bestellung: „Das Geld wäre besser in die Wiederbelebung der Pfefferminzbahn investiert gewesen.“

Anzeige
Anzeige

Ab 2023 neue Nahverkehr-Expresslinie von Erfurt nach Nürnberg

You have used all of your free pageviews.
Please subscribe to access more content.
Dismiss
Registrieren Sie sich jetzt kostenlos auf unserem Portal.
Jetzt weiterlesen mit 
  • Alle Artikel und Reportagen auf OTZ.de frei
  • Mit einer Anmeldung auf allen Geräten nutzbar
  • Flexible Laufzeit, jederzeit online kündbar
30 Tage für 0,99 € testen
Danach 7,99 € monatlich, jederzeit kündbar.
Eine Marke der FUNKE Mediengruppe