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Laasdorferin im Freiwilligendienst wegen Corona ausgebremst

Laasdorf.  Auch wenn Rhea Schönherr wegen der Corona-Pandemie früher aus Südafrika heimkehren musste, bringt sie viele Erfahrungen mit

Rhea Schönherr aus Laasdorf arbeitete als Freiwillige in Pretoria in Südafrika, bis sie wegen der Corona-Pandemie ausreisen musste.

Rhea Schönherr aus Laasdorf arbeitete als Freiwillige in Pretoria in Südafrika, bis sie wegen der Corona-Pandemie ausreisen musste.

Foto: Rhea Schönherr

Viele junge Menschen wurden in Deutschland mit dem Wissen groß, dass die Welt ihnen offen steht. Doch durch Corona schottet sich diese Welt voneinander ab, die Grenzen sind seit zwei Monaten dicht, es gelten strikte Reisebeschränkungen, und die Welt schrumpft teilweise auf wenige Quadratmeter zusammen. Dadurch werden Pläne von jungen Erwachsenen durchkreuzt, die die Zeit nach dem Schulabschluss für Auslandserfahrungen nutzen wollten. Rhea Schönherr aus Laasdorf bei Jena beispielsweise sollte jetzt noch in Südafrika leben, doch sie musste ihre Koffer abrupt packen. Trotzdem nimmt sie bereits viele Erfahrungen mit in die Heimat. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Anfang September 2019 verabschiedete sich die 18-jährige Rhea Schönherr von Familie und Freunden und stieg in den Flieger. „Es sollte ein Lernjahr für mich sein, ich wollte nicht die Welt retten“, erklärt sie. Ihr Ziel war Pretoria, die exekutive Hauptstadt der Republik. Für ein Jahr sollte sie in Atteridgeville, einem Randviertel im Westen der Stadt, bei einer Gastfamilie leben und ihren Freiwilligendienst in einer Schule absolvieren. Über das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geförderte Weltwärts-Programm wurde sie zuvor in Seminaren geschult, um sie vorzubereiten auf die fremde Kultur, den Alltagsrassismus und Sicherheitsaspekte.

Lebensphilosophie in Südafrika beeindruckte

In den Randvierteln Pretorias leben überwiegend dunkelhäutige Südafrikaner. Die Auswirkungen der Apartheid und die damit verbundene wirtschaftliche Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen sind immer noch spürbar. „Ich traf auf einige Weiße, die Respekt hatten, als ich erzählte, ich wohne im Township“, sagt Rhea Schönherr. Rhea aber sei nicht in eine gefährliche Situation gekommen. „Wie in jeder Stadt gibt es Gebiete, die man meiden soll. Ich habe mich eigentlich nie unsicher gefühlt“, sagt sie, aber natürlich beachtete sie die Sicherheitshinweise und ging nachts nie allein vor die Tür.

Wochentags betreute sie mit einer weiteren Freiwilligen die Bibliothek und arbeitete am Projekt "Soul Buddyz" mit, das den sozialen Zusammenhalt stärken soll und Themen wie Alkoholmissbrauch aufgreift. „Ich habe selten so glückliche und aufgeweckte Kinder gesehen. Das Interesse ist so groß“, schreibt Rhea in ihrem Blog, den sie seit Beginn der Reise pflegt.

In ihrer Freizeit konnte sie Ausflüge in die Stadt unternehmen und auch mal auf Safari fahren. „Es ist ein superschönes Land, naturbelassen, und touristisch wurde nicht so stark eingegriffen“, erzählt sie. Die Lebensphilosophie beeindruckte sie besonders: Ubuntu steht für Nächstenliebe und Menschlichkeit. „Die Menschen strahlen eine innere Ruhe aus und gehen gelassener an die Dinge heran“, sagt sie. Anders als in Deutschland, wo die Leistungsgesellschaft dominant sei.

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Ein Jahr sollte sie über das Weltwärts-Freiwilligenprogramm in Südafrika bleiben. Bis Corona auch ihren Lebensweg durcheinander brachte. Während in Deutschland die Debatten um Schutzmaßnahmen begannen, erlebte sie die Öffentlichkeit in Südafrika noch ruhig. „Es kam hier spät an, weil vermutet wurde, dass der Virus in den südlichen Ländern nicht überleben kann“. Doch Mitte März ging alles ratzfatz, erzählt sie. Erst hörte sie von anderen Freiwilligenorganisationen, dass Personen zurückgeschickt werden. Dann kamen auch die Rückflug-Hinweise des Auswärtigen Amtes. Am 21. März, ein halbes Jahr früher als geplant, bestieg sie wieder den Flieger Richtung Heimat.

Großes Armutsrisiko nach Corona-Lockdown

Weil sie in Laasdorf wohnt, wenige Kilometer von Jena entfernt im Saale-Holzland-Kreis, musste sie sich nicht in Quarantäne begeben. Die letzten Wochen verbrachte sie dennoch größtenteils daheim, saß vor dem Rechner und versucht, den Freiwilligendienst zu unterstützen, indem sie Berichte für andere Interessierte schreibt und auf Spendensammlung geht.

Sie hält weiter Kontakt mit ihren neuen Freunden in Südafrika. Corona, weiß sie, beutelt das wirtschaftlich angeschlagene Land viel mehr als Deutschland. „Das Hungerproblem ist viel größer", sagt Rhea Schönherr. Gemüsehändlern, die sonst vom Verkauf leben, blieb im strengen wochenlangen Lockdown das Einkommen aus. Das Militär patrouillierte auf den Straßen, niemand durfte zum Spazieren gehen hinaus. Wieder daheim angekommen, schreibt sie in ihren Blog: „Es wäre eine Lüge zu sagen, dass ich nicht hier sein möchte. In der Zeit der Corona-Epidemie möchte jeder von seinen Liebsten umgeben sein." Das Fernweh ist nicht gestillt. Im Oktober, so die Hoffnung, will sie das verbliebene halbe Jahr in Südafrika nachholen.

Rhea Schönherrs Blog: rhea-south-africa.auslandsblog.de

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