Landtagsabgeordnete fordern schnellere Kinderbetreuung

Saale-Holzland.  CDU-Abgeordnete wollen „sächsisches Modell“, Linken-Politiker sieht Verwaltung in Pflicht.

Die Kinder kehren bald wieder in die Kitas zurück.

Die Kinder kehren bald wieder in die Kitas zurück.

Foto: Uwe Anspach

Über die schrittweise Öffnung der Kindertagesstätten im Saale-Holzland-Kreis entspinnt sich eine politische Debatte. So fordern die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Mario Voigt und Stephan Tiesler neben der sofortigen Öffnung der Kitas im Kreis auch wieder einen Hortbetrieb nach „sächsischem Modell“. Im Nachbarbundesland sind seit Montag Kitas, Horte und Grundschulen wieder geöffnet.

Kindergärten dürfen in Thüringen theoretisch seit Montag den eingeschränkten Regelbetrieb aufnehmen. Doch viele Träger nahmen erst nur Vorschulkinder und deren Geschwister auf und wollen den eingeschränkten Regelbetrieb ab kommender Woche beziehungsweise ab 2. Juni anbieten. Viele sehen sich außerstande, die ihnen im Laufe des Mittwochs zugegangenen Vorgaben kurzfristig umzusetzen, zumal erst grünes Licht gegeben wird, wenn dem Kreis ein Hygienekonzept für jede Einrichtung vorgelegt wird (wir berichteten).

Einige Kindergärten werden auch nicht alle Kinder gleichzeitig betreuen können. Als Grund dafür werden die Raumempfehlungen des Thüringer Bildungsministeriums angegeben. Für ein Kind bis zum vollendeten dritten Lebensjahr ist eine pädagogische Nutzfläche von mindestens sechs Quadratmetern angegeben, ab vier Jahren sind es vier Quadratmeter.

Raumvorgaben als„lebensfremd“ kritisiert

Mario Voigt kritisiert, dass den Kindergärten „wegen der lebensfremden Raumvorgaben der Landesregierung gar nichts anderes übrig“ bleibt, als Kleingruppen zu bilden und nur einzelne Betreuungstage anzubieten. Solche Modelle nützten den Eltern aber nichts, wenn sie wieder arbeiten gehen wollen.

Der Linken-Landtagsabgeordnete Markus Gleichmann sieht das anders. Er verweist darauf, dass die Raumvorgaben nur eine Empfehlung sind, keine Pflicht. So steht es auch im Konzept des Landes, das den Kita-Trägern zugegangen ist. Für Gleichmann wären zwei volle Werktage zur Planung des eingeschränkten Regelbetriebs in den teils kleinen Kitas des Kreises ausreichend gewesen, zumal Hygieneauflagen teilweise bereits während des Notbetriebs umgesetzt wurden. Er kritisiert Verwaltungen, die Erzieherinnen Stunden gekürzt haben. Jetzt fehlten die Fachkräfte für die schnelle Wiederaufnahme des eingeschränkten Regelbetriebs, so Gleichmann.

Die CDU-Abgeordneten halten indes die weiter von der rot-rot-grünen Landesregierung geschlossenen Horte als unzumutbar. „Das schadet der Wirtschaft und dem Familieneinkommen“, sagt Stephan Tiesler, zumal noch die dreiwöchige Hortbetreuung in den Sommerferien wegzufallen droht. Er fordert deshalb die Beschränkung der Gruppengrößen aufzuheben und stattdessen auf eine strikte Trennung der Klassen zu achten, denn wer morgens zusammen lernt, könne nachmittags auch zusammen im Hort betreut werden.

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