Leuchtenburg erhält 6 Millionen Euro für Projekt mit Fragezeichen

Seitenroda.  Das Land fördert den Schrägaufzug zur Leuchtenburg, dessen Schirmherrin jetzt Olympiasiegerin Kristina Vogel ist. Doch die Bau-Hindernisse bleiben.

Damit die Leuchtenburg die erste barrierefreie Höhenburg Deutschlands wird, unterstützt das Land Thüringen das Projekt Schrägaufzug mit sechs Millionen Euro. Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (rechts) übergab den Fördermittelbescheid an Stiftungsdirektorin Ulrike Kaiser, die seit Jahren gemeinsam mit Stifter Erik Hitzer (links) und Kurator Wolfgang Fiedler für das Projekt kämpft. Die Schirmherrschaft hat nun die zweifache Olympiasiegerin Kristina Vogel inne, die nach einem Trainingsunfall im Rollstuhl sitzt. 

Damit die Leuchtenburg die erste barrierefreie Höhenburg Deutschlands wird, unterstützt das Land Thüringen das Projekt Schrägaufzug mit sechs Millionen Euro. Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (rechts) übergab den Fördermittelbescheid an Stiftungsdirektorin Ulrike Kaiser, die seit Jahren gemeinsam mit Stifter Erik Hitzer (links) und Kurator Wolfgang Fiedler für das Projekt kämpft. Die Schirmherrschaft hat nun die zweifache Olympiasiegerin Kristina Vogel inne, die nach einem Trainingsunfall im Rollstuhl sitzt. 

Foto: Katja Dörn

Der Schrägaufzug, das Herzensprojekt der Stiftung Leuchtenburg, erhält eine essenzielle Unterstützung vom Land Thüringen. Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) übergab am Donnerstag einen Fördermittelbescheid über gut 6 Millionen Euro, damit die erste barrierefreie Höhenburg Deutschlands in Thüringen entsteht. Doch die Nebelschwaden, die buchstäblich zur Feierstunde aufzogen, wabern seit vergangener Woche auch über dem Projekt. Wir fassen die wichtigsten Fragen und Antworten zusammen.

Warum fördert das Land den Schrägaufzug?

Wirtschaftsminister Tiefensee, bekennender Burgfreund, drückte bereits vor fünf Jahren öffentlich sein Wohlwollen gegenüber dem Projekt aus. Die Förderquote war aber lange Zeit unklar, zumal die Stiftung Leuchtenburg immer wieder Umplanungen vornehmen musste, um den Einwänden von Bürgern und anderen Interessensvertretern gerecht zu werden. Dass nun gut 6 Millionen Euro über den Fördertopf Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) fließen, „geht nur, weil das Projekt in das Tourismuskonzept passt und es Hand und Fuß hat“, sagte Tiefensee. Er lobte die Anstrengungen der Stiftung Leuchtenburg, um das touristische Aushängeschild zu erhalten. „Es ist einzigartig, was geschaffen wurde“, sagt er. Acht Millionen Euro habe das Land Thüringen in den vergangenen Jahren finanziell schon beigetragen.

Wie sieht der Schrägaufzug aus, was wird er kosten?

Beim Kreisverkehr steigen die Besucher über eine in den Berg geplante Talstation in den Aufzug ein. Die Kabine führt 46 Meter unterirdisch den Burgberg hinauf, bis sie ungefähr auf Höhe des Weinberghauses oberirdisch die restlichen etwa 100 Meter zur Bergstation unterhalb des Panoramaweges auf Schienen geleitet wird. Eine Fahrtstrecke dauert nach Angaben der Stiftung (mit Ein- und Ausstieg) drei Minuten. In der Kabine könnten bis zu 30 Personen Platz nehmen. Stiftungsdirektorin Ulrike Kaiser beziffert die Kosten insgesamt auf 6,86 Millionen Euro.

Warum ist die Barrierefreiheit wichtig?

Einst bewusst als schwer bezwingbare Verteidigungsanlage errichtet, ist die Burg heute ein touristisches Aushängeschild. Bisher sind gut 60 Höhenmeter über einen teils steilen Weg zu erklimmen. Für Menschen mit Behinderungen sowie gesundheitlich Beeinträchtigte ist das problematisch, zumal nur für wenige Mobilitätseingeschränkte Parkflächen vor der Burg vorhanden sind. Kristina Vogel, ehemalige deutsche Bahnradsportlerin und zweifache Olympiasiegerin, berichtet von der Bedeutsamkeit der Barrierefreiheit. Seit zwei Jahren sitzt sie wegen eines Trainingsunfalls selbst im Rollstuhl. Sie übernimmt nun die Schirmherrschaft für den Schrägaufzug. „Inklusion bedeutet, die Menschen teilhaben zu lassen“, sagte sie. Doch viele, wie sie sagt, Fußgängermenschen, wüssten gar nicht, was es bedeutete, im Rollstuhl zu sitzen. „Wenn ich Berichte lese, dass Barrierefreiheit abgelehnt wird, dann muss ich weinen“, sagte sie.

Warum lag ein Schatten über der Feierstunde?

Nachdem das Projekt schon über Jahre in den Gremien, bei Bürgerversammlungen und mit weiteren Beteiligten durchgesprochen wurde, kam es vor einer Woche zum Eklat. Vier von sieben Seitenrodaer Gemeinderäten stimmten überraschend gegen den Billigungs- und Offenlagebeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Die ablehnenden Räte gaben an, nicht prinzipiell gegen das Projekt zu sein, sondern Teile des B-Plans kritisch zu sehen.

Warum ist die Stiftung Leuchtenburg verärgert?

„Die letzten Tage war ich am Boden zerstört“, sagt Stifter Erik Hitzer, der erst gar nicht zur Fördermittelübergabe kommen wollte. Denn was nützten Fördermittel ohne einen genehmigungsfähigen B-Plan? „Wir hatten einen langjährigen Abstimmungsprozess“, sagte er. Mehrere Varianten wurden geprüft, darunter auch die Option für Elektrobusse sowie andere Streckenführungen, um schlussendlich zur einer auskömmlichen Lösung zu gelangen, durch die auch keine Sichtachse zum Dorf oder zu Wanderwegen belangt wird. Auch Kurator Wolfgang Fiedler, seit Anbeginn Kämpfer für die Burg, ist Gegenwind gewohnt. „Wir werden uns gemeinsam bemühen, mit allen Beteiligten zu reden“, sagt Fiedler. Die Steine, die ihnen jetzt entgegen rollen, würden sie auch noch wegschieben.

Wie geht es nun weiter?

Das Projekt braucht zwingend eine Mehrheit im Gemeinderat. Bürgermeister Werner Klüger habe die Räte bereits zu einem ersten Gespräch zusammengeführt. „Wir werfen die Flinte nicht ins Korn“, sagt er. Minister Tiefensee betonte, dass er sich über positive und nach vorn weisende Entscheidungen freut. „In zehn Jahren fragt keiner mehr, wer dafür oder dagegen war, sondern man schaut auf das Ergebnis.“ Zur Fördermittel-Übergabe waren nur die Befürworter im Gemeinderat vor Ort, neben Klüger auch Olaf Krähmer und Ingo Leichsering.

Wenn nun in nächster Zeit kein genehmigter B-Plan vorliegt: Verfallen die Fördermittel?

Nein. Minister Tiefensee sagte, dass die Fördermittel bis Mai 2023 abgerufen werden können. Danach besteht die Option auf Verlängerung.