Leuchtenburg: Gemeinderat zweifelt Sinn des Schrägaufzugs an

Seitenroda.  Wötzel: Kristina Vogel ist über Straße hochgekommen. Leuchtenburg-Chefin verweist aber auf zu enge Strecke, Verbreiterung belaste Umwelt und Bürger.

Die Schirmherrschaft für den Schrägaufzug übernimmt Kristina Vogel, zweifache Olympiasiegerin. 

Die Schirmherrschaft für den Schrägaufzug übernimmt Kristina Vogel, zweifache Olympiasiegerin. 

Foto: Katja Dörn

Der Schrägaufzug zur Leuchtenburg spaltet weiter die Meinungen, nachdem das Land eine Förderung von sechs Millionen Euro zugesagt hat (wir berichteten). So meldeten sich mehrere Leser, die mit dem Projekt und dem Slogan „Erste barrierefreie Höhenburg Deutschlands“ ihre Probleme haben.

Gemeinderat Andreas Wötzel aus Seitenroda, der vergangene Woche gegen den vorhabenbezogenen B-Plan gestimmt hat, stellt das Projekt prinzipiell in Frage. „Der Zugang zur Burg ist bereits barrierefrei!“, schreibt er. Über die asphaltierte Straße sei schließlich auch Olympiasiegerin Kristina Vogel angereist, die im Rollstuhl sitzt. Warum also nicht die vorhandene Straße „mittels Fahrzeugen und straßenbegleitenden Gehwegs für alle anderen“ nutzen?

Neuer Personenaufzug am Parkplatz geplant

Ulrike Kaiser, Direktorin der Stiftung Leuchtenburg, verweist darauf, dass die Variante untersucht wurde. „Um die Straße dauerhaft zu befahren, muss sie mindestens drei Meter breit sein“, sagt sie. Das bedeute massive Abgrabungen des Hangs, der abzustützen wäre. Außerdem lägen die Betriebskosten durch die Nutzung von E-Bussen höher, da vier bis fünf Personalstellen geschaffen werden müssten, um 365 Tage im Jahr im Einsatz zu sein. Für das Besucherzentrum in der Talstation seien zwei neue Stellen vorgesehen. Und: Fahren dauerhaft Busse, würden die Einwohner in Seitenroda belastet, da der Rundweg hinab durch das Dorf führt. „Ich bin sehr überzeugt davon, dass dies nicht die beste Lösung für die Umwelt und die Einwohner ist“, sagt Kaiser.

Ein anderer Leser, der anonym bleiben will, empört sich über einen zusätzlichen Aufzug am neuen Parkplatz. Tatsächlich steht dieser in den Planungen drin, bestätigt Kaiser. „Er war eine Forderung der Koordinierungsstelle Barrierefreiheit“, sagt sie. Vom geschotterten Parkplatz führt der elektrische Personenaufzug elf Meter hoch. Auf Höhe der Einfahrt zum neuen Parkplatz sollen die Besucher über zwei Fußgängerüberwege zur Talstation geleitet werden. Die Immissionsschutzgutachten seien erfolgt, „es stört niemanden“, sagt sie. Baulich besteht für das Areal aber derzeit ein Baustopp, da der Teilbereich des B-Plans nicht genehmigt ist.

Treppen führen in Kernburg und Porzellankirche

„Erste barrierefreie Höhenburg Deutschlands“: Leser Manfred Sander aus Jena zweifelt den Slogan an und verweist auf die Burg Altena im Sauerland, die seit 2014 über einen Erlebnisaufzug barrierefrei erreichbar ist. Eine Nachfrage im Informationszentrum der Burg Altena ergibt: Einmal auf dem Burghof angekommen, müssen die Besucher viele Treppen bezwingen. Im Inneren ist die Höhenburg baulich nicht barrierefrei gestaltet.

Anders als die Hauptattraktion der Leuchtenburg, die Ausstellung Porzellanwelten, deren einzelne Etagen per Aufzug erreichbar sind. Die Zugänge zum Besucherzentrum, die Gaststätte und die Tagungsräume sind ebenfalls rollstuhlgerecht ausgebaut. Vollständig barrierefrei wäre die Leuchtenburg mit dem Aufzug indes auch nicht: Die Kernburg und die Porzellankirche sind weiterhin nur über Treppen betretbar.

Die Leuchtenburg erhält auch Konkurrenz mit dem Slogan. Mit „Die Ginsburg – eine barrierefreie Höhenburg“ wirbt der Verein zur Erhaltung des Wahrzeichens im Kreis Siegen-Wittgenstein. Für einen Aufzug zur Aussichtsplattform wurden bereits Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen zugesagt. Ziel sei eine „größtmögliche Barrierefreiheit und Inklusion in allen Belangen“, heißt es in der Projektplanung.

Was denken Sie über den Schrägaufzug zur Leuchtenburg? Schreiben Sie uns: jena@otz.de

Schulterschluss mit der Stiftung Leuchtenburg

Planung für Schrägaufzug zur Leuchtenburg abgelehnt