Lichtbildarena Jena erinnert an spektakuläre Ballonflucht

Jena  Jan Hübler berichtet im Open-Air-Kino von seinen persönlichen Erfahrungen zur Wendezeit

Szene aus „Der letzte Ballonfluchtversuch aus der DDR“

Szene aus „Der letzte Ballonfluchtversuch aus der DDR“

Foto: Jan Hübler

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Mit einem Vortrag zu einer spektakulären Ballonflucht, die zuletzt im Spielfilm „Ballon“ auch im Kino gezeigt wurde, erinnert die Lichtbildarena zum Jenaer Altstadtfest daran, dass Reisefreiheit kein selbstverständliches Gut ist.

Am 9. November 1989 wird im DDR-Fernsehen die Reisefreiheit verkündet. Wer im Sommer danach seinen Urlaub an der bis dato stets überlaufenen Ostsee verbrachte, hatte wohl die einsamsten Strände seit Jahrzehnten für sich. Viele Ostdeutsche zog es nun ins Ausland, man wollte eben endlich die Welt entdecken. 12 Jahre später gründet sich in Jena die Lichtbildarena, ein „Ost-West-Produkt“, von Barbara Vetter, aufgewachsen in München und Vincent Heiland aus Weimar.

Das 30-jährige Jubiläum des Mauerfalls nehmen die Veranstalter der Lichtbildarena jetzt zum Anlass, zum traditionellen „Lagerfeuerabend“ zum Altstadtfest die Dokumentation „Der letzte Ballonfluchtversuch aus der DDR“ zu zeigen.

Der autobiografische Tatsachenbericht von Jan Hübler aus Dresden erzählt, was es für ein junges Ehepaar bedeutet, kurz vor der politischen Wende in einer kleinen Dresdner Wohnung 480 Bettlaken zu einem Heißluftballon zusammen zu nähen, um damit in den Westen zu fliehen. Hübler schildert den dramatischen Verlauf der zweijährigen Bauphase mit allen Ängsten und Gefahren, Problemen und Emotionen und beleuchtet des Weiteren den langen Weg vom Kind zum Erwachsenen.

Ausführlich dargelegt werden die Idee, Konstruktion und Realisierung des Ballonbaus unter Umständen schwieriger Mangelwirtschaft, die permanente Gefahr entdeckt zu werden – bis hin zur letzten Konsequenz: dem Startversuch in Thüringen. Querverweise auf andere ungewöhnliche Fluchtversuche mit glücklichem oder tragischem Ausgang deuten den Mut anderer verzweifelter DDR-Bürger an, der Diktatur zu entfliehen und den Eisernen Vorhang zu überwinden. Projizierte Dokumentationsbilder, Zitate von Zeitgenossen und Einspielungen von DDR-Rockmusik mit zweideutigen Texten untermalen die Geschichte.

„Der letzte Ballonfluchtversuch aus der DDR“: heute, 16. September, 13.30 Uhr auf dem Marktplatz

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