Meine Meinung: Der gläserne Gast

Redakteurin Katja Dörn über Datenerhebung im Restaurant

Katja Dörn, Redakteurin in Jena und dem Saale-Holzland-Kreis.

Katja Dörn, Redakteurin in Jena und dem Saale-Holzland-Kreis.

Foto: Katja Dörn

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Wer hätte vor zwei Monaten gedacht, dass der Wirt um die Ecke die Vorratsdatenspeicherung schneller umsetzen kann als das Bundeskriminalamt? Wer dieser Tage nach Wochen der Abstinenz sein Lieblingsrestaurant in Jena besucht, muss bis zur ersten Getränkebestellung mal eben Namen, Adresse und Telefonnummer angeben. Es war einigen Wirten anzumerken, wie unangenehm ihnen diese Vorgabe ist.

Das Land setzt eigentlich nur auf Freiwilligkeit, doch um Infektionsketten nachzuverfolgen, ist die Stadt Jena strenger. Man kann aber mit Blick auf andere Bundesländer auch sagen, hierzulande ist die Vorgabe weniger strikt. Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg oder Hamburg fordern schließlich von jedem Gast die Daten ein. In Jena ist nur eine Person pro Haushalt zu erfassen, was auch Vertrauen bedeutet: Wer sagt denn, dass der reizende Mann neben mir auch wirklich im gleichen Haushalt lebt?

Nun kann man sich auch vollends dieser Datenerhebung verweigern und gar nicht essen gehen. Dann war einem das Lieblingsrestaurant aber doch nicht so lieb. Und basiert die Datenerhebung nicht auch auf Vertrauensbasis, die ohnehin schon immer bei Restaurantbesuchen bestand? Denn wenn ich bislang dem Wirt vertraut habe, meine Speisen hygienisch korrekt und wohlschmeckend an den Tisch zu bringen, dann vertraue ich nun auch darauf, dass er meine Daten sicher für drei Wochen aufbewahrt. Infektionsschutz bedeutet auch, Vernunft zu zeigen zum Wohle der Mitmenschen. Was aber auch bedeutet, dass die Behörden die Vorgabe nicht länger als notwendig zur Pflicht erheben sollen.

Jenas Gastronomie sagt: So geht’s nicht weiter

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