Meine Woche in Jena: Schlitten-Stau am Steinkreuz und immer was Neues

Jena  Das neue Jahr muss kein gutes Jahr werden, sondern ein besseres Jahr, meint Thomas Beier.

Thomas Beier über Dinge, die in der ersten Woche des neuen Jahres passiert sind.

Thomas Beier über Dinge, die in der ersten Woche des neuen Jahres passiert sind.

Foto: Redaktion

Jetzt sind wir schon mittendrin im neuen Jahr. Aber wünscht man sich in Jena 2021 eigentlich ein „gutes Jahr“ oder müsste es nicht ein „besseres“ oder gar „viel bessere Jahr“ werden? Denn 2020 war schon anstrengend. Vor allem zum Ende. Viele Jenaer haben immer noch das Gefühl, „zwischen den Jahren“ zu stecken. 2020 hat gefühlt gar nicht aufgehört am 31. Dezember.

Wenigstens wird 2021 wieder gewählt. Zunächst im April eine neue Landesregierung. Bei der Jenaer Stadtverwaltungsspitze würde ich vermuten, sie würde geschlossen Markus Söder (CSU) wählen, wenn der Corona-strenge Bayrische Ministerpräsident in Thüringen zur Wahl stünde. Fast schon überraschend war am Mittwoch die Nachricht, dass Jena die von Bodo Ramelow (Linke) ermöglichte Einschränkung der Reisefreiheit auf 15 Kilometer nicht einführen wird. Ich hätte darauf gewettet, dass dies sofort kommt in Jena. Aber da hatte der Oberbürgermeister schon recht, wer soll das kontrollieren.

Am Freitag war die Jenaer Stadtspitze dann schon besser auf Bodo Ramelow zu sprechen, als der vorgeschlagen hatte, die komplette Wirtschaft runterzufahren und einen noch härteren Lockdown zu machen. In einer Stadt wie Jena, die seit Abbe, Zeiss und Schott von einer erfolgreichen Wirtschaft profitiert, war die städtische Reaktion für mich die nächste Überraschung - und zugleich eine Enttäuschung.

An den innerstädtischen Ski- und Rodelgebieten war diese Woche mächtig was los. Da gingen ganz viele Bilder vom Steinkreuz durchs Netz, wo der Parkplatz so voll war, wie früher der Eichplatz. Das zeigt, die Leute wollen raus, weil ihnen augenscheinlich die Decke auf den Kopf fällt. Der Abstand wurde jedenfalls gut eingehalten. Und es hat auch keiner „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ gesungen im Wald. Wenn es dennoch zu Infektionen im privaten Bereich kommt, sollten die Menschen dann vielleicht doch eher weniger Freizeit haben als jetzt?

Den letzten richtigen Winter muss es nach meiner Erinnerung 2010/11 in Jena gegeben haben, außerdem hatten wir mal einen Wintereinbruch im Frühjahr. Das war's. Schon klar, dass es sich für die Stadt nicht lohnt, eine Loipenspurmaschine anzuschaffen oder einen Schlepplift für die Rautal-Schlittenwiese. Obwohl es erste Wünsche danach gab.

Zur Beruhigung nach dem Jahreswechsel trägt bei, dass es noch ein paar Dinge gibt, die sich nicht verändern. Hier ist der soeben neu erschienene Abfallwegweiser des Kommunalservice Jena zu nennen. Das Heft wird in vielen Familien heißerwartet, weil die Menschen das Kalendarium mit den ebenfalls beigefügten gelben, blauen, braunen und schwarzen Stickern bekleben. Auf dass man niemals vergisst, am richtigen Wochentag die Tonne rauszustellen! Eine Kollegin berichtete am Donnerstag, bei ihr lassen sich die vorgestanzten Aufkleber ganz schlecht ablösen. Bei mir indes funktionierte das einwandfrei.

So oder so sollte der wirklich schön gemachte 40-seitige Abfallwegweiser fester Bestandteil des Heimatkunde-Unterrichtes an Jenaer Schulen werden. Denn hier können sogar ältere Semester was lernen. Zum Beispiel, wie eine Biomülltonne angenehm duftet. Das steht unter der Rubrik „Behälterpflege“ beschrieben: „Einfach Natron, Backpulver, Essig oder Kaffeepulver mit in den Biomüll geben.“

Ich gebe zu, das sind dufte Aussichten fürs neue Jahr!