Meinung: Da helfen gute Beziehungen

Thomas Stridde
Thomas Stridde

Thomas Stridde

Foto: Thomas Beier

Lobbyismus für die Stadt Jena

Kennst du da nicht jemanden? Die Frage klingt nur aufs Erste nach Vitamin-B-Denke, nach Vetternwirtschaft, nach Filz. Sobald die Frage zum Beispiel von ehrlichen kommunalen Interessen herrührt, ist sie aller Ehren wert. Also wenn du da jemanden im Bundestag kennst … Insofern könnten Jena-Patrioten ganz parteienunabhängig etwas traurig sein, dass der Grünen-Kandidat und Stadtrat Heiko Knopf hauchdünn den Einzug in den Bundestag verpasst hat, wie überhaupt dieses Stück Mathematik zum recht grün getunkten Jenaer Wahlergebnis nicht zu passen scheint. Thüringens Gesamtergebnis der Grünen jedoch war zu dünn. Tröstlich ist es dann aber, dass dem neuen Bundestag mit Holger Becker, Tina Rudolph (beide SPD) und Ralph Lenkert (Linke) gleich drei Menschen angehören, die über den Wohnsitz Jena verfügen. Während der vergangenen Legislatur hatte nur Ralph Lenkert dieses Etikett. Und dass der unverkniffen überparteiliche Gedanke des Jena-Lobbyismus von Belang ist, hat zum Beispiel FDP-Oberbürgermeister Thomas Nitzsche im Gespräch nach der Wahl eingeräumt: Ralph Lenkerts Stimme im Bundestag etwa zu Bahn-Belangen sei „sehr wertvoll“ gewesen.

Aktuell geht es etwa darum, Ausgleich zu schaffen für die Abschneidung Jenas vom ICE-Verkehr. Dieser absurde Schnitt war vor über 25 Jahren im Bundestag beschlossen worden. Mit einer größeren Zahl von Jena-Lobbyisten wäre das damals womöglich nicht passiert.