Meinung: Geh mal wieder ...

Was haben Paradiesvogel, Ohrwurm und Zapfhahn gemeinsam? Sie alle gehören zu den „bedrohten Lebensarten“. Von denen ist von heute an auf mehr als 100 Plakatwänden im öffentlichen Raum zu lesen. Mit der großangelegten Werbekampagne wollen uns Stadtpolitik, Verwaltung, Kultur-, Bildungs- und Wirtschaftsakteure sagen: Hey Leute, geht mal wieder in die Stadt einkaufen, hört bei der Philharmonie rein, oder lasst euch in der Kneipe eine Brause oder eine Bierchen zapfen! Denn diese und weiteren Branchen leiden coronabedingt enorm. Ja, das klingt jetzt ganz anders als im Frühjahr, als Naschkatzen und Nachtschwärmer zu Hause bleiben sollten. Auch der Muskelkater durfte seinerzeit nicht raus in sein geliebtes Fitnessstudio. Gestern sagte Oberbürgermeister Thomas Nitzsche, „seid vorsichtig und umsichtig, aber seid nicht ängstlich und hört bitte nicht auf zu leben!“

Man kann diese Worte auch so interpretieren: Angsthasen kommen zwar sicher durch den Tag, sie werden am Ende aber unglücklich sein und die Lebensfreunde verlieren. Und das will in Jena doch keiner. Dann besser die Ressourcen und das Gelernte nutzen. In den letzten Monaten haben wir so viele Hygienekonzepte geschrieben und Speisekarten laminiert, soll das alles umsonst gewesen sein oder für den Papiertiger?