Meinung: Immer auf die Kleinen

Thomas Beier
Thomas Beier, Redaktion Jena.

Thomas Beier, Redaktion Jena.

Foto: Thomas Beier

Über die auffällige Sommerruhe in Jena

Die erste Hälfte der Sommerferien ist rum. Und da muss man schon sagen: Dieser Sommer ist politisch gesehen extrem ruhig. Aber das hat sogar was Positives. Denn: So hat auch der Bürger seine Ruhe.

Selbst bauordnungsrechtlich herrscht Totenstille. Seit einiger Zeit bemühen wir uns als Zeitung herauszufinden, ob ein Bauvorhaben im Ziegenhainer Tal mit rechten Dingen zugeht. Der Ortsteilbürgermeister sagt nein und spricht über enorme Flächenversiegelung im Außenbereich. Der Bauherr wiederum weist dies über seinen Anwalt klar zurück. Vom Schiedsrichter Stadtverwaltung ist dazu seit Wochen nichts Offizielles zu hören. Und nun?

Es ist in Jena nur zu verständlich, dass Nachbarn genau hinschauen, wenn andere mit dem Bagger um die Ecke kommen. Beim eigenen Terrassendach hatten die Leute womöglich enormen Ärger. Großinvestoren wiederum könnten erwidern: Moment mal, wenn die Stadt selbst Bauherr ist, läuft alles wie geschmiert. Aber bei meiner kleinen Hütte, da gibt’s Theater.

Am Neubau für Bibliothek und Bürgerservice am Engelplatz wurden zuletzt Sorgen laut, die Stadt baut zu groß. Ein Anhaltspunkt war eine Simulation des Siegerentwurfs aus 2017, in der alles weniger klobig erscheint, so ein Leser. Wir gingen in den Keller und suchten das Beweismittel raus. Ergebnis: Ja, die Bauhöhen scheinen schon zu stimmen. Der Neubau wirkte deswegen so niedlich, weil der Zeichner just vor das Nachbargebäude an der Ecke Neugasse einen Baum hinmalte. So ein Schlingel aber auch.