Meinung: Maske mit Rauschebart

Naheliegend, dass angesichts gewichtiger Themen große Gesten den Stadtrat prägen: Der Verkauf eines städtischen Grundstücks, ein Konzept für neue Wohnbauflächen und anderes mehr sorgen für geschliffene Reden. Und doch ist es eine Posse, die haften bleibt. Die Bankkrise. Dass der Bürgermeister mit dem Kommunalservice nun reden will, macht es nicht besser. 600 Euro soll eine Stifterin zahlen, wenn sie das Abwracken ihrer Bank verhindern wolle. Dabei ist die Bank in einem guten Zustand. Die Frau hat sie gepflegt, ließ Holzbohlen aufschrauben und strich das Holz jährlich. Am Ende bleibt der Eindruck, dass Reichsgaragenordnungen wichtiger sind als der gesunde Menschenverstand. Wie will man Bürgerinnen und Bürger für das Gemeinwohl begeistern?

Konrad Erben ist ein streitbarer Mensch. Dass er seit Freitag den Preis für Zivilcourage in Händen hält, ist seiner Hartnäckigkeit zu verdanken: An die Opfer des NSU zu erinnern, stets zu mahnen, das aufzuarbeiten, was als NSU-Komplex ein trauriges Kapitel der Stadtgeschichte ist. In seiner Dankesrede lässt er keine Zweifel daran, was sein Motiv ist: Immer wieder die Geschichte der Opfer erzählen, damit sie nicht in Vergessenheit gerät. Und dabei gehe es ihm nicht darum, das Ansehen der Stadt zu verbessern. Es stimmt, wenn Menschen getötet werden, sollte es der Politik nicht ums Image und Marketing gehen. „Denn der Maßstab für unsere Gesellschaft ist nicht, wie vermarktbar wir sind, sondern wie wir miteinander umgehen.“

Neuigkeiten aus der Stadtverwaltung kommen frei Haus am Nachmittag. Was lernen wir aus der Videobotschaft des Oberbürgermeisters? Sollte Jena die Sieben-Tage-Inzidenz von 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner überschreiten, will die Stadt harte Einschnitte im Wirtschafts- und Alltagsleben vermeiden. Allerdings können wir uns darauf einstellen, dass die Maskenpflicht auch im Freien gilt. Dort, wo die Abstände nicht eingehalten werden können. Vielleicht beim Weihnachtsmarkt? Ich hätte dann gerne eine Maske mit Rauschebart.