Meinung: Prinzip Alte Fellschanze

Thomas Stridde
Thomas Stridde

Thomas Stridde

Foto: Thomas Stridde / Thomas Beier

Über das Heraufbeschwören von Regen

Gerade mit dem Sterben arrangiert, und es gibt doch noch einen Lebens-Dreh!

Vielleicht sind unsere heutigen traurigen Zeitungstexte über Trocken-Nöte im Botanischen Garten und über kurz vorm Sonnenbrand-Tod stehende Jenaer Sportplätze (3. Lokalseite) feine Heraufbeschwörungen von Regengebieten. – So wie es dem Häuptling Alte Fellschanze im Filmklassiker „Little Big Man“ erging, als er sich zum Sterben auf die Bergspitze legte und Regentropfen begannen, in seine Augen herabzuplatschen: Nö, doch nicht der richtige Tag zum Sterben!, sagte sich der Alte, um an der Seite von Dustin Hoffman in der Rolle des Jack Crabb wieder den Berg hinabzusteigen.

Und wenn die Regenwolken abermals unentleert über Jena hinwegziehen? Dann bleibt weiterhin die knastertrockene Rechnung anzustellen: Ist der Schaden größer, wenn ich etwas vertrocknen lasse? Oder aber wenn ich darauf pokere, dass ich mich mit superteurem Gieß-Angriff auf Baum und sonstiges Grünzeug durchhangeln kann bis zum Tag des Dauerregens, der Zisterne und Gartenteich überlaufen lässt?

KIJ-Abteilungsleiter Thomas Graf gab als Beispiel die Neupflanzung eines Baumes, die mit 1500, 1700 Euro veranschlagt wird. Dafür, freilich, müsste man den Wasserhahn eine ganze Weile geöffnet lassen.

Besser ist dann vielleicht doch ein leicht abgewandeltes Fellschanzen-Prinzip: Du, Liebling, ich schlaf heute Nacht draußen im Garten. Und dann geht’s gaaanz bestimmt platsch, platsch.

Und das Ehebett wird sodann doch noch wie üblich genutzt – diesmal umweht vom irren Duft, den durstiges Grünzeug im Regen durchs offene Fenster einströmen lässt.